Do., 23.05.2019

Vor 70 Jahren: Am 23. Mai Verfassung verkündet – Rückblick aus Höxter Schlagzeilen 1949: Grundgesetz ist in Kraft

Schwarz-Rot-Gold: Am Kreishaus in Höxter (früher KWG) weht jeden Tag eine Nationalflagge.

Schwarz-Rot-Gold: Am Kreishaus in Höxter (früher KWG) weht jeden Tag eine Nationalflagge.

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Das deutsche Grundgesetz wird heute 70 Jahre alt. Seit 23. Mai 1949 gilt die Nachkriegsverfassung und hat sich als Erfolgsgeschichte herausgestellt.

Zum Jubiläum »70 Jahre Grundgesetz« äußert sich der heimische Bundestagsabgeordnete Christian Haase (CDU): »Das Grundgesetz ist die Geburtsurkunde unseres Staates, auch wenn es 1949 nur in einem Teil Deutschlands in Kraft treten konnte. Es bildet noch immer die Grundlage für unsere parlamentarische Demokratie und unseren sozialen Rechtsstaat.« Das Grundgesetz habe die Bundesrepublik weit getragen. Haase: »Wir konnten auf seiner Grundlage die Westbindung und die Soziale Marktwirtschaft errichten und die europäische wie die deutsche Einigung erzielen. Wir haben in dieser Woche das 70. Jubiläum des 23. Mai 1949 zum Anlass genommen, in einer vereinbarten Debatte über den Stand und die Perspektive unserer Verfassung im Plenum zu beraten. CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender Ralph Brinkhaus hat kürzlich deutlich gemacht, wie wichtig es ist, diese Bedeutung des Grundgesetzes für uns alle zu würdigen.«

MdB Christian Haase mit CDU-Bundesvorsitzender Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto:

Nachdem Zivilisationsbruch des Holocausts sei es aus Sicht des Abgeordneten wichtig gewesen, »dass die universellen Menschenrechte in Deutschland nie mehr infrage gestellt werden dürfen«. »Die Kernerfahrung aus dem Nazi-Terror ist ganz klar, dass unsere Grundrechte auch Abwehrrechte gegenüber einem Staat sind, der zwischen verschiedenen Klassen von Menschen unterscheidet. Die Würde des Menschen aber ist unantastbar«, so der Beverunger.

Das Grundgesetz habe auch den Weg zur Einheit Deutschlands vorgezeichnet, erkämpft durch den Mut der DDR-Bürger. Heute präsentiere sich Deutschland wieder vereint, respektiert, und wirtschaftlich erfolgreich. In der Bevölkerung werde das Grundgesetz geschätzt, seine klare Sprache macht es zeitlos, sagte der MdB.

Höxteraner Schlagzeilen von 1949

Aus Anlass des 70. Jahrestages der Verkündung des Grundgesetzes ein Blick in Westfalen-Zeitung Höxter von 1949 – Schlagzeilen:

Im Deutschen Haus in Höxter treffen sich Ausgebombte und Westflüchtlinge, die berichten, dass Bombengeschädigte aus Berlin und der Sowjet-Ostzone noch nicht vom Soforthilfeprogramm des Bundes profitieren.

Der Landkreis Höxter hat 1949 die Obstbaumbestände gezählt: Es gibt genau 106.218 Apfelbäume, 13.812 Birnbäume, 2976 Süßkirschbäume, 2724 Sauerkirschbäume und 26.018 »Zwetschgen«.

Polizeibericht: In Stahle wird der Zählerkontrolleur des heimischen Elektrizitätsamtes verdächtigt, 250 Mark aus dem Schlafzimmer eines Wohnhauses gestohlen zu haben. In Beverungen hat ein auswärtiger Kaufmann mit »viel Lamento« einem Bürger eine Schreibmaschine abgeschwatzt.

Grevenhagen erhält eine eigene katholische Kirche. Bisher wird die Schule für Messen genutzt.

Der Männerturnverein Höxter bietet Stromschwimmen in der Weser an. Der Wettbewerb soll jedes Jahr ausgerichtet werden.

Im Krieg sind in Bad Driburg von vielen öffentlichen Gebäuden die Blitzableiter entfernt worden. Sie werden wieder angebracht.

Baubeginn 1949 an der WBK in Höxter. Foto:

Das Festprogramm 100 Jahre St. Petristift in Höxter wird mit einem Turmblasen des Posaunenchores eingeleitet. Die Feier läuft im Hotel »Reichspost«.

Eine weitere Polizeimeldung liest sich im Jahr 1949 so: »Liederliche Subjekte finden Interesse daran, zu nächtlicher Stunde in Erpentrup Blumenkästen von den Fenstern zu nehmen und zu zerstören.«

Im Köhneschen Saal in Nieheim zieht ein Goethe-Abend viele Besucher an. Amtsdirektor Nölting spricht. Frl. Emmy Otten spielt feinsinnig die »Träumerei« von Schumann und Frl. Bert Deetjen, früher Opensängerin in Berlin, singt fulminant Goethe-Balladen.

Das DRK hat in Höxter 120 Familien mit 452 Kleidungsstücken, wie Jacken, Mänteln oder Anzügen für Heimkehrer versorgt.

In Corvey auf dem Domänenhof bekommt der Herzog von Ratibor von zwei Mädchen die Erntekrone. Die Erntefeier mit 300 Corveyern und Kindern ist auf der Tenne.

In der Weserberglandklinik praktizieren ab 1949 Reha-Ärzte.

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