Do., 23.05.2019

Neue Serie im WB: »Lieblingsplatz der Stadtführer« – Wilfried Henze hat »Knigge« verfasst Hochwasser-Stele steht für Höxter

Auf Initiative des HVV erinnert seit 2001 eine Stele aus Eichenholz am Weserradweg an die Hochwasserstände seit 100 Jahren. »Das ist mein Lieblingsplatz«, verrät Wilfried Henze.

Auf Initiative des HVV erinnert seit 2001 eine Stele aus Eichenholz am Weserradweg an die Hochwasserstände seit 100 Jahren. »Das ist mein Lieblingsplatz«, verrät Wilfried Henze. Foto: Harald Iding

Von Harald Iding

Höxter (WB). Wenn Wilfried Henze in seiner Geburtsstadt unterwegs ist, dann öffnet sich für ihn mit jedem Schritt ein Zeitfenster in die Vergangenheit. Der 73-jährige Stadtheimatpfleger kennt Höxter wie kaum ein anderer. Er war 1975 der erste Stadtführer, der Touristen den Blick in eine faszinierende Welt mit vielen Sehenswürdigkeiten ermöglichte. Eine kunstvolle Stele aus Holz hat es ihm besonders angetan.

In seinem schmucken Eigenheim im Herzen der Kreisstadt, von dem er einen direkten Blick auf den »in Stein gewordenen Glauben« (Kilianikirche) hat, gibt es einen großen Glastisch im Wohnzimmer – mit Platz für bis zu neun Gesprächspartner. Man merkt gleich, dass hier Gastfreundschaft und Kommunikation groß geschrieben und gelebt wird.

Wilfried Henze ist als gelernter Buchhändler in langer Familientradition nicht nur ein Freund der Worte und Schriften. Als langjähriges Mitglied des Heimat- und Verkehrsvereins (verantwortlich für den Arbeitskreis »Stadtbildpflege«) liegt ihm das Wohl seiner Mitmenschen und der Heimatstadt besonders am Herzen.

»Neben meinem Hauptberuf habe ich vor mehr als vier Jahrzehnten zunächst als Einzelkämpfer angefangen, interessierte Touristen durch die Gassen zu führen und die jahrhundertealte Geschichte der Stadt an der Weser zu erzählen«, schildert Henze die schwierigen Anfänge im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

1981 kam dann die Idee auf, dass der HVV in Kooperation mit der VHS mehrwöchige Kurse (kostenlos) anbieten könnte, um weitere Kräfte als zuverlässige Stadtführer zu rekrutieren. »Heute sind es sieben Stadtführer, die sich um die jährlich etwa 5000 Touristen kümmern, die uns buchen«, so Henze. Alle Kolleginnen und Kollegen seien bereits in Rente oder Pension. »Das ist wichtig, denn wir arbeiten sowohl an den Wochenenden als auch oft unter der Woche – die Verfügbarkeit und die Freude an dieser besonderen Wissensvermittlung müssen einfach passen.«

Die gesamte Koordination läuft über das Team der Tourist-Information im Historischen Rathaus. Dort können Interessierte direkt oder über das Internet Stadtführungen unter verschiedenen Themenschwerpunkten buchen: Das reicht von der regelmäßigen öffentlichen Führung (immer mittwochs um 15 Uhr sowie samstags um 11 und 14 Uhr, pro Person vier Euro, Treffpunkt am Historischen Rathaus) bis zu 90-minütigen Erlebnisspaziergängen, bei der sich beispielsweise alles um Mythen, Anekdoten und Legenden dreht.

Wer einen Musikanten an seiner Seite haben will, der bucht die Figur »Jost Ziegenhirt«, der im 30-jährigen Krieg zu den reichsten Bürgern Höxters zählte. Die Gäste erwartet eine weitgehend authentische Erlebnisführung durch die alten Winkel und Gassen. Der Musiker Nis Jesse schlüpft dabei in das Gewand des berühmten Bürgers und greift zum Instrument. Unterhaltsamer kann man die Geschichte von »Jost« nicht erleben.

»Knigge für eine gelungene Führung«

Aber bevor man als Stadtführer vor eine Gruppe treten darf und kann, ist das intensive Studium eines ganz besonderen »Werkes« vonnöten. »Ich habe in den 80er-Jahren mein Wissen über die einzelnen Stationen aufgeschrieben und Tipps notiert, wie man am besten vorgeht und welche Fehler man unbedingt vermeiden muss. Daraus ist ein kleiner ›Knigge für eine gelungene Führung‹ in Höxter geworden – rund 25 Seiten stark«, verrät Henze.

Damit würden auch immer die Kursteilnehmer in der VHS »gefüttert«, wenn mal wieder eine Ausbildung zum Stadtführer ansteht. Wenn Wilfried Henze von den Entwicklungen Höxters, vor allem aus baulicher Sicht, erzählt, dann könnte man ihm stundenlang zuhören. Es lässt »Filme« vor den Augen der Zuhörer ablaufen, die so voller Detailtreue und Wissen stecken, dass ihm nach den eineinhalbstündigen Rundgängen der Beifall stets sicher ist.

Sympathieträger

»Für uns Stadtführer ist es am wichtigsten, dass die Menschen mit einem sehr guten Gefühl unsere Stadt verlassen. Wir weisen dann in jüngster Zeit auch darauf hin, dass man sich sehr freuen würde, wenn man sie vielleicht spätestens zur Landesgartenschau 2023 wiedersieht.«

Stadtheimatpfleger Henze würde sich in diesem Zusammenhang freuen, wenn man für die etwa 100.000 Radtouristen, die den Radweg entlang der Weser (als Teil der Landesgartenschaufläche) passieren, auch eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung findet – Stichwort »Freie Fahrt«. Dieser Radweg sei ein verbindendes Element im Weserbergland.

Botschafter von Höxter

Für Wilfried Henze, den Sympathieträger der Stadt Höxter mit seiner schwarzen Baskenmütze, gehört die Weser mit ihren vielen Geschichten und Tragödien genauso fest zu Höxter wie die Kilianikirche und das Historische Rathaus. Für den »Botschafter Höxters« gibt es auch eine besondere Stelle, die er immer gerne aufsucht. »Mein Lieblingsplatz ist die die Stele des Holzbildhauers Wladimir Zlatkow aus Höxter an der Weser. Sie ist aus 300 Jahre altem Eichenholz und zeigt als Hochwasserstele die höchsten und markantesten Pegelstände der vergangenen 100 Jahre an!«

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