Mi., 29.05.2019

»Lieblingsplatz der Stadtführer«: Willi Feltes kommt gern zum Fallersleben-Denkmal Mit dem Dichter groß geworden

Willi Feltes an seinem Lieblingsplatz: »Hier habe ich meine Kindheit verbracht. August Hoffmann von Fallersleben ist ein bekannter Deutscher und in Höxter verewigt.«

Willi Feltes an seinem Lieblingsplatz: »Hier habe ich meine Kindheit verbracht. August Hoffmann von Fallersleben ist ein bekannter Deutscher und in Höxter verewigt.«

Von Jürgen Drüke

Höxter (WB). Ehrfurchtsvoll schaut er an dem hohen Stein, der wie ein Fels dasteht, nach oben. Anerkennend, wie zu einem Freund, blickt er in die Augen des in Stein gemeißelten Konterfeis. »Mit einem der größten Deutschen bin ich aufgewachsen«, sagt Stadtführer Willi Feltes stolz und erinnert sich gerne an seine Kindheitstage. Das Hofmann-von-Fallersleben-Denkmal unmittelbar vor der Corveyer Allee ist sein Lieblingsplatz.

Die Bewunderung kommt nicht von ungefähr: Ganze 50 Meter weiter, in der Corbiestraße (ehemals Bahnhofstraße), steht das Elternhaus von Feltes. Hier hat er bis 1957 seine Kindheitstage verbracht. »Am Denkmal werden unvergessene Momente wieder lebendig. Wenn ich vor August Heinrich Hoffmann von Fallersleben stehe, spielt sich mein bisheriges Leben jedes Mal in Bruchteilen von Sekunden ab«, sagt der Stadtführer. Feltes steht wie kaum ein Zweiter für die idyllische Kleinstadt an der Weser und das Hoffmann-von-Fallersleben-Denkmal in unmittelbarer Nähe zu seinem Elternhaus.

Vor dem markanten Granitfels, von dem aus der Dichter mit einem gönnerhaften Lächeln in Richtung Corveyer Allee blickt, macht der Stadtführer mit den Besuchergruppen aus ganz Deutschland und der Welt gerne Halt: »An und über diesen Ort kann ich noch mehr erzählen als über alle anderen Wahrzeichen. Es ist und bleibt mein Lieblingsplatz.«

Daten und Fakten über einen berühmten Dichter

Die Touristen wollen oft kaum glauben, dass ihr Stadtführer mit dem Denkmal groß geworden und so eng mit diesem verwurzelt ist: »Manche Touristen sind sich sicher, dass ich einen Witz mache. Klar, ich bin eine Frohnatur. Aber meine Erzählungen über das Denkmal sind die Wahrheit«, schmunzelt Feltes. Eine größere Verbundenheit ­könne es nicht geben. »Es gibt für mich auf diesem wundervollen Planeten keinen schöneren Ort«, hebe der Ur-Höxteraner oft hervor und bekomme Applaus. »Die Menschen können das sehr gut nachvollziehen.«

»1841 hat August Heinrich Hoffmann von Fallersleben auf Helgoland den Text zum Deutschlandlied geschrieben. Vor 97 Jahren ist das Lied der Deutschen offiziell zur Nationalhymne erklärt worden. 1860 ist Hoffmann von Fallersleben nach Corvey gekommen. Er war bereits 62 Jahre alt. 14 Jahre hat er hier immerhin gewirkt«.

Bei seinen Führungen wartet der 71-Jährige oft mit geschichtsträchtigen Daten über einen der bekanntesten Deutschen auf. Eigentlich sei der Dichter, der für viele Kinderlieder steht, ein Revolutionär gewesen. Einer, der den Fürsten die Macht nehmen wollte und die Kleinstaaterei verurteilt habe.

Ehemaliger Schützenkönig und Stadtführer

»Stadtführer von Höxter bin ich seit vier Jahren mit ganzem Herzen und mit voller Leidenschaft. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.« Die Besucher seien von Höxter und seiner Geschichte begeistert und beeindruckt zugleich. »Diese Stadt hat doch so viel zu bieten. Demnächst haben wir eine Landesgartenschau. Vor dem Denkmal des Dichters macht die aktuelle Blumenvielfalt einer LGS bereits jetzt alle Ehre«, lobt der Stadtführer.

Willi Feltes, der mit seiner früh verstorbenen Ehefrau Hildegard von 2000 bis 2002 die Regentschaft in Höxter inne hatte, könnte sogar ein Buch über seine Erlebnisse an seinem Lieblingsplatz schreiben. Der ehemalige Spieß und Hauptmann der dritten Kompanie der Schützengilde Höxter wird auch beim Jubiläums-Schützenfest 2020 wieder an allen drei Festtagen mit seiner Kompanie vor dem Hoffmann-von-Fallersleben-Denkmal exerzieren.

»Hier ist unser Antreteplatz.« Dabei schweift der Blick des Kreisstädters noch einmal mehr als 60 Jahre zurück: »Ungezählte Fußballspiele haben wir vor und hinter dem Denkmal ausgetragen. Wir Kinder haben uns hier auch hin und wieder gerauft.« Der Dichter habe immer zugeschaut.

Anekdoten aus der Kindheit

»Gegenüber stand eine alte Mühle. Hier wäre ich fast einmal beim Spielen am Bachlauf ins damalige Mühlenrad geraten. Eine Frau hat mich gerettet. Vielleicht hat es auch am aufmerksamen August Heinrich Hoffmann von Fallersleben gelegen, dass mir nichts Schlimmeres zugestoßen ist.«

Wieder schaut Feltes hoch zum Dichter und stellt fest: »Es ist doch immer schön, wenn ein Stadtführer mit Anekdoten aufwarten kann.« So habe es in einigen Nächten Liebespärchen gegeben, die sich hier getroffen hätten. »Das habe ich schon als Kind mitbekommen. Damals hat es mich noch nicht interessiert.«

1903 wurde das Denkmal am Neuen Corveyer Tor errichtet. »Vom Brocken im Harz wurde der Granitfels geholt und an der damaligen Brunnenanlage aufgestellt«, weiß der Stadtführer. Hoffmann von Fallersleben steht hier wie ein Fels in der Brandung. »Er ist mir wie ein guter Freund«, sagt Feltes und legt seine rechte Hand anerkennend auf den großen Granitstein.

In der ersten Folge der WESTFALEN-BLATT-Serie »Lieblingsplatz der Stadtführer« hat Wilfried Henze seinen Lieblingsplatz vorgestellt – eine Hochwasser-Stele.

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