Do., 06.06.2019

Mysteriöser Tod von Sandra Gallinger im ZDF bei »Aktenzeichen XY« –17 HInweise zum Brückensturz Gespräch mit Sandras Mutter: »Ich möchte Gerechtigkeit«

Malgorzata Gallinger (47) aus Wehrden hat mit ihrer Familie die »XY«-Sendung im ZDF unter Tränen verfolgt. Heute hat sie die kleine Gedenkstätte an der B64-Fußgängerbrücke am Friedhof in Höxter besucht. Sandra sei ihr immer nah, sagte sie dem WESTFALEN-BLATT.

Malgorzata Gallinger (47) aus Wehrden hat mit ihrer Familie die »XY«-Sendung im ZDF unter Tränen verfolgt. Heute hat sie die kleine Gedenkstätte an der B64-Fußgängerbrücke am Friedhof in Höxter besucht. Sandra sei ihr immer nah, sagte sie dem WESTFALEN-BLATT. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht und Christian Althoff

Höxter/Wehrden (WB). Sechs Jahre nach dem tödlichen Sturz der 17-Jährigen Sandra Gallinger von der B64-Fußgängerbrücke in Höxter ist der bislang ungeklärte Fall in der ZDF-Sendung »Aktenzeichen XY ...ungelöst« am Mittwochabend noch einmal aufgerollt worden. Schon während der Live-Sendung gab es vielversprechende Reaktionen. Unerwartete 17 Hinweise zählte die »XY«-Redaktion am Ende.

Malgorzata Gallinger hat Sendung unter Tränen gesehen

Sandra Gallingers Eltern glauben nicht an einen Selbstmord. Wurde ihre Tochter von der Brücke in den Tod gestoßen? Sandras Mutter kann nur schwer mit der Ungewissheit leben, unter welchen Umständen ihr Mädchen tatsächlich starb: »Ich werde nicht ruhen, ehe ihr Schicksal aufgeklärt ist.

Deshalb schätze ich sehr, dass die Polizei den Fall noch einmal aufgegriffen hat«, sagte sie am Donnerstag dem WESTFALEN-BLATT. Malgorzata Gallinger (47) aus Wehrden hat mit ihrer Familie die »XY«-Sendung unter Tränen verfolgt und ist mit den Filmszenen – obwohl sie nicht am Orginaltatort in Höxter an der Friedhofsbrücke, sondern in München gedreht wurden – zufrieden. Es sei noch einmal etwas in Bewegung gekommen. Die Sendung habe alle sehr berührt.

»Ich habe Sandra an ihrem Grab versprochen, nicht eher zu ruhen bis der Täter gefasst ist«, sagte sie. Sie fahre drei Mal in der Woche zur Todesbrücke, um der Tochter nahe zu sein, bringe Blumen und stecke Kerzen am Kreuz mit Sandras Foto an. 2016 sei das Bild mehrfach entfernt und die Stätte verwüstet worden, erinnert sich Sandras Mutter. »Warum das?«

Malgorzata Gallinger  berichtet, dass nicht nur bundesweite Medien, sondern auch viele Menschen sich bei ihr gemeldet hätten, um über das Geschehen zu spreche. »Das alles wühlt wieder auf. Ich schlafe seit dem Tod von Sandra schlecht und hoffe, dass auch der Täter keinen Schlaf findet. Ich möchte Gerechtigkeit und auch endlich Ruhe finden«, macht sie klar. Der mögliche Täter laufe doch immer noch frei herum.

Sie lobte die Polizei Bielefeld und Kriminalhauptkommissar Markus Mertens, die am Fall hartnäckig dranblieben. »Sandra wäre heute 23 Jahre jung. Sie war nicht krank, sie wollte im Hotel in Höxter eine Ausbildung beginnen – und dann so ein Verbrechen«, sagt Malgorzata Gallinger traurig.

Viele Anrufe bei Fahndung im ZDF

Während sich Kriminalhauptkommissar Markus Mertens aus Bielefeld mit ZDF-Moderator Rudi Cerne über den Fall unterhielt, hatten seine Kollegen interessante Informationen erhalten. »Es sind im Laufe der Sendung mehrere Hinweise eingegangen. Zwei waren ziemlich konkret und haben einen Tatbezug«, schilderte der Leiter der Mordkommission in der Livesendung überrascht. Die TV-Fahndung war von vielen bundesweiten Medien im Vorfeld aufgegriffenen worden. Das Thema hatte für die meisten Reaktionen in der ZDF-Sendung gesorgt.

Sandra Gallinger wurde am 15. Juni 2013 um 2.16 Uhr schwerverletzt auf der Fahrbahn unterhalb der B64-Fußgängerbrücke am Friedhofswall in Höxter aufgefunden und verstarb wenig später in einer Göttinger Klinik. Umfangreiche Ermittlungen der Mordkommission »Brücke« hatten ergeben, dass mit großer Sicherheit kein Suizid oder Unglück, sondern ein Tötungsdelikt vorliegt. Bis heute konnte der Fall nicht geklärt werden. Der »XY«-Film zeigte detailliert die WG-Party, auf der die angehende Hotelfachfrau in Höxter gewesen ist und beleuchtete das Beziehungsgeflecht zum neuen Freund und zum Ex-Freund.

Fragen der Polizei

Die Mordkommission erhoffte sich in dem Verfahren wegen Totschlags neue Ermittlungsansätze und Erkenntnisse aus der Bevölkerung. Die Polizei bittet weiter unter Telefon 0521/5450 um Hinweise. Mit den Informanten, die sich in der Sendung gemeldet hatten, werde umgehend Kontakt aufgenommen, kündigte die Polizei an. Es ist eine Belohnung von 5000 Euro für die Ergreifung des Täters ausgesetzt.

Die Polizei fragt konkret nach Zeugen: Wer hat in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni 2013 Beobachtungen im Bereich der Friedhofsbrücke in Höxter gemacht? Wer hat Sandra Gallinger in dieser Nacht in Begleitung anderer Personen gesehen? Wer war in der Tatnacht am Friedhof und kann Aussagen zu Personen machen, die sich auf dem Friedhof aufgehalten haben? Wer hat in der Tatnacht die Brücke überquert?Wer hat Informationen zum Tatgeschehen, möglicherweise von Dritten, erfahren?

So hat sich der Abend in Höxter zugetragen:

Ein ausgelassener Abend mit Freunden in Höxter. Doch für eine 17-Jährige endet er tragisch: Sie stürzt von einer Brücke in Höxter und stirbt wenig später. Die Polizei steht vor einem Rätsel: Was ist in dieser Nacht geschehen? Es ist der 15. Juni 2013, kurz nach Mitternacht. Sandra Gallinger und ihr neuer Freund feiern mit weiteren Bekannten in einer Wohngemeinschaft in Höxters Siedlung, wo die 17-Jährige seit kurzem ein Zimmer hat. Zunächst sind alle gut gelaunt, doch dann geraten Sandra und ihr Freund in Streit: Er ist eifersüchtig, weil Sandra in seinen Augen zu viel Zeit mit einem anderen Partygast verbracht haben soll.

Wütend verlässt Sandras Freund die Feier. Sie folgt ihm nach draußen – barfuß, ohne ihre Schuhe anzuziehen. Auch sonst nimmt sie keine persönlichen Gegenstände mit. Sandra sucht die Aussprache, doch ihr Freund schickt sie weg. Statt zur Party zurückzukehren, geht Sandra völlig aufgelöst allein in Richtung des Friedhofs und der Innenstadt von Höxter. Gegen 2.16 Uhr macht ein Autofahrer auf der nahen Bundesstraße eine schreckliche Entdeckung: Sandra Gallinger liegt schwer verletzt auf der Fahrbahn – sie ist offenbar von der sechs Meter hohen Brücke gestürzt, die zum Friedhof führt und die Bundesstraße überquert. Die Jugendliche ist nicht ansprechbar. Wenige Stunden später stirbt sie an ihren schweren Verletzungen, ohne noch mal das Bewusstsein erlangt zu haben.

Wie die Polizei später herausfindet, soll Sandra Gallinger auf der Brücke ihren Ex-Freund getroffen haben, zu dem sie seit der Trennung ein schwieriges Verhältnis hat. Der junge Mann soll sich Stunden zuvor mit Freunden auf dem nahen Friedhof aufgehalten haben. Ob das Treffen zwischen Sandra Gallinger und ihrem Ex-Freund verabredet war oder Zufall, kann die Polizei nicht herausfinden. Auch was sich auf der Brücke zugetragen hat, liegt im Dunkeln. Die Kriminalpolizei Bielefeld ermittelt in alle Richtungen: Sowohl ein Tötungsdelikt, als auch ein Unfall oder Suizid der 17-Jährigen müssen von den Ermittlern in Betracht gezogen werden.

 

 

 

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