Fr., 14.06.2019

Erst wenn Urteil gegen Dachdecker beim Staatsanwalt vorliegt, wird über Zukunft des Hauses in Bosseborn entschieden Horror-Haus: Kein Platz für Sensationstourismus

Das »Horror-Haus« im Saatweg 6 in Bosseborn wächst an vielen Stellen inzwischen mit Unkarut zu. Türen und das Garagentor sind zurzeit offen.

Das »Horror-Haus« im Saatweg 6 in Bosseborn wächst an vielen Stellen inzwischen mit Unkarut zu. Türen und das Garagentor sind zurzeit offen. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter/Bosseborn (WB). Die Staatsanwaltschaft in Paderborn hofft, dass die Akte »Horror-Haus in Bosseborn« bis zum Jahresende geschlossen werden kann. Das sagte Oberstaatsanwalt Marco Wibbe dem WESTFALEN-BLATT. Die weltbekannte Immobilie im Saatweg 6 könnte dann in den nächsten Monaten versteigert oder möglicherweise auch abgerissen werden.

Wibbe erläuterte, dass die schriftliche Urteilsbegründung aus dem Berufungsprozess gegen den Dachdecker, der mit einer Bande im Haus eine Plantage mit 1000 Cannabispflanzen betrieben hatte, noch nicht vorliege. Erst wenn Dave M. rechtskräftig verurteilt ist, kann es nach Freigabe durch Baubetrieb NRW und OFD zu einer Versteigerung auf der Onlineseite www.justiz-auktion.de kommen.

Der »Horror-Haus«-Eigentümer war bereits vom Land enteignet und das Haus an das Land NRW als Übergangs-Eigentümer übertragen worden. Die von einem Richter verfügte Einziehung des Hauses des Dachdeckers liegt aber bis zum Eingang des neuen Urteils auf Eis. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW ist formell für das Objekt zuständig. Das »Horror-Haus« wächst zurzeit mit Unkraut zu. Türen, Garage und Fenster stehen auf, was auf möglicherweise ungebetene »Besucher« hindeutet.

Bürger wollen das Haus abreißen

Für viele Menschen in Bosseborn sind die vielen grausamen Details aus dem »Horror-Haus«-Prozess nur schwer erträglich: Die beiden inzwischen verurteilten Angeklagten sollen jahrelang eine Vielzahl von Frauen in das schlichte weiße Haus gelockt, seelisch und körperlich schwer misshandelt und finanziell ausgebeutet haben. Zwei Frauen starben infolge der Quälereien.

Bosseborns Ortsheimatpfleger Richard Niederprüm und der Vorsitzende des Heimatschützenvereins, Thomas Niederprüm, berichten dem WESTFALEN-BLATT schon vor Monaten, dass im Ort von Bürgern erwogen werde, das »Horror-Haus« privat zu ersteigern, um es wirklich abreißen zu können. Die Idee ist weiter aktuell. Es dürfe nicht sein, dass das Gebäude über Jahre das Ziel von Besuchern und Medien bleibe.

Thomas und Richard Niederprüm hatten auch von Gerüchten gehört, dass eine bekannte Krimiautorin das »Horror-Haus« ersteigern wolle. »Weiteren Sensationstourismus möchten wir verhindern. Wir wollen hier weder Durchgeknallte, noch Autoren, noch Kinofilmteams sehen.«

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