Fr., 02.08.2019

222 Einzelzimmer für Soldaten: Zwei Kompanieblocks von 1936 und Fahrzeughalle werden abgerissen Bund investiert weitere 25 Millionen in Kaserne Höxter

Baubesprechung vor Ort: (von links) Leutnant Stefan Jahn, Oberstleutnant Frank Lüdemann und Kasernenfeldwebel Sandor Gecsei vor jenem Kompanieblock von 1936, der in Kürze abgerissen wird.

Baubesprechung vor Ort: (von links) Leutnant Stefan Jahn, Oberstleutnant Frank Lüdemann und Kasernenfeldwebel Sandor Gecsei vor jenem Kompanieblock von 1936, der in Kürze abgerissen wird. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Die Bundeswehr investiert weitere 25 Millionen Euro in die General-Weber-Kaserne in Höxter. Das Bauprogramm sieht nach Eröffnung der neuen »Materialgruppe«, der zentralen Waffenkammer und des sanierten Blocks mit allen Kompanieführungen und der Wache nun den Beginn der Abrissarbeiten an einem der beiden abgängigen Kompaniegebäude von 1936 vor.

Neuer Zeitplan für Umbau

Den aktualisierten Zeitplan für den Kasernenumbau bis 2023 stellten Oberstleutnant Frank Lüdemann (Vize-Bataillonskommandeur), Presseoffizier Leutnant Stefan Jahn und Kasernenfeldwebel Sandor Gecsei in der Kaserne vor. Weil zwei neue Soldatenunterkünfte nach modernsten Standards mit 222 Einzelzimmern errichtet werden sollen, müssen zwei der 83 Jahre Kompanieblocks an der Brenkhäuser Straße – wie seit 2016 geplant – abgerissen werden. Die Denkmalpflege habe dem zugestimmt. Block 4, das ist jenes Gebäude der 2. Kompanie, in dem einst der berühmte Kasernen-Ziegenbock sein Revier hatte, ist inzwischen ausgeräumt, und die Versorgungsleitungen sind gekappt worden. Der Abbruch beginne bald, kündigte Sandor Gecsei an. Sehr viel dicken Beton gebe es im Obergeschoss und auf dem Dachboden, der beim Bau vor dem 2. Weltkrieg durch einen massiven Betondachstuhl bombensicher gemacht worden sei. Der Nachbarblock wird 2021 abgebrochen.

222 neue Einzelzimmer

Schwerpunkt ist die Einrichtung von neuen Unterkünften, die den neuen Vorgaben des Verteidigungsministeriums entsprechen – schöner Wohnen für Soldaten quasi. Die Zeiten mit Sechsbettstuben, Gemeinschaftswaschräumen und Massentoiletten sind laut dem Kasernenfeldwebel Geschichte. Um den Arbeitgeber Bundeswehr attraktiver zu machen, werde es in Zukunft in der Regel Einzelbelegung der 14 Quadratmeter großen Stuben mit jeweils eigenem Sanitärbereich geben, schilderte er. LED-Lichter, Flachbildschirm, Bett, Tisch und Schrank in modernen Holztönen sowie Kühlschränke für eine Wohnebene und mehr Steckdosen für Computer ferner ein Internetanschluss in jedem der 222 Zimmer werden Standard. 13,2 Millionen Euro lässt der Bund sich die beiden Neubaublocks – ohne Keller – in Höxter kosten.

Aus für die Fahrzeughalle

Auch zum Abriss frei gegeben ist die markante 216 Meter lange Fahrzeughalle am Schwarzen Platz. Mehr als 70 Fahrzeugboxen gab es in dem Betonmonster von 1936. Laut Kasernenfeldwebel und Presseoffizier wird hier ab 2023 für 12 Millionen Euro eine neue Großhalle für Fahrzeuge gebaut. Auch die Halle gegenüber der Sporthalle und der alten Reithalle verschwindet. Abgerissen worden ist kürzlich die alte Materialgruppe (Baujahr 1935), ein Gebäude, das an die Wohnhäuser am Wiehenbrink grenzte. Der Pferdestall der 30er Jahre, der bisher als Lager und Fahrzeughalle dient, soll vorerst ersthalten bleiben. Erhalten worden seien zudem das frühere Veterinärgebäude und die alte Schmiede.

Zentrale Waffenkammer

Alle Waffen des ABC-Abwehrbataillons 7 lagern seit einigen Monaten in einer neuen zentralen Waffenkammer. In keinem Kompaniegebäude gibt es mehr Pistolen oder Gewehre. Das spare bei der Bewachung Personaldienstzeit der Kompanie (Wochenenddienste). Die gesamte Munition ist in einem stark gesicherten Bereich am Appellplatz untergebracht. Laut Kasernenfeldwebel hat die Zentralwaffenkammer mit hunderten Waffen 1,4 Millionen Euro gekostet. Umfassende Sicherheits- und Schließtechnik sowie ein Raum zum Waffenreinigen durch Soldaten sei eingebaut worden, so die Kasernenführung.

Neue Materialgruppe

Besonders effektiv ist nach Aussage der Offiziere die neue Materialgruppe in einer Neubauhalle. Hier wird sehr viel Bundeswehr-Material gelagert und herausgegeben, das für Auslandseinsätze, wie in Mali, verpackt werden muss. Die »Mat-Gruppe« habe 1,2 Millionen Euro gekostet, rechnete der Kasernenfeldwebel vor. Zum Lager gehöre auch ein Bürotrakt.

Neue Pellet-Heizung

Als weiteres Projekt wird die Neuordnung der Heizungsanlage in Höxters Kaserne in Kürze gestartet. Laut Presseoffizier Stefan Jahn wird die Weber-Kaserne bald überwiegend durch eine neue Holzpellet-Anlage beheizt. Gas werde nur im Notfall zugeschaltet. Sandor Gecsei erläuterte, dass ein Teil des alten Heizungsgebäudes abgerissen werde. Aufgebaut werde auch eine Gebäude-Automation, was bedeute, dass Wasser, Strom oder Heizung in allen Gebäudeteilen zentral steuer- und überwachbar seien. Der Bund fördere die energetische Sanierung.

Wache kommt 2020 zurück

Dass alle Kompaniechefs, Spieße und die gesamte Kompanieleitung in einem Block ansässig sind, ist in Höxter neu. Der sanierte untere Block an der alten Wache ist im März bezogen worden. Major Jean Pierre Niehaus (3. Kompanie) stellt sein Büro vor. Neue Fußböden (Parkett ist weg) und eine helle Gesamteinrichtung zeichnen die Etagen jetzt aus. Die Wache zieht erst 2020 wieder an ihren alten Platz zurück. Das »Seedorfer Modells« sieht vor, dass die Mannschaften und Unteroffiziere nicht mehr mit der Leitung in einem Gebäude arbeiten. Bei dem Altbau ist es gelungen, das historischen Ambiente baulich zu erhalten. Zur Kaserne gehören um die 800 Soldaten. Über 100 aus Husum sind darunter sowie Sanitäter und weitere 50 zivile Angestellte.

KOMMENTAR

Die Bundeswehr investiert weiter hohe Summen in ihre Infrastruktur in Höxter. Das ist gut so. Wer mehr als 60 Millionen Euro in einer Kaserne ausgibt, der setzt auf den Standort. Höxter ist bei der letzten Schließungsrunde nur haarscharf am Aus vorbei geschrammt. Fast wäre das ABC-Abwehrbataillon 7 nach Augustdorf verlegt worden, aber das ist zum Glück Geschichte. Bis 2021 ist der erste neue Wohnblock mit 111 Schlafplätzen und eigener Dusche fertig. Da man viele Wochenend-Pendler bei den Mannschaftssoldaten und Unteroffizieren hat, sind Einzelzimmer wichtig, damit sich die Soldaten wohl fühlen. Ohne Attraktivitätssteigerung hat die Armee ein Personalproblem. Ein Soldat sagte kürzlich: »Wir kämpfen für Sie, wenn Sie uns das bereitstellen, was wir zum Kämpfen brauchen.« Stimmt! Und: Die neue Verteidigungsministerin hat sich für mehr öffentliche Gelöbnisse ausgesprochen. Gute Idee. Zum nächsten Gelöbnis in Höxter, wie zuletzt in Corvey, muss die Bevölkerung eingeladen werden. Auch das trägt zu Attraktivitätssteigerung und Akzeptanz der Truppe bei. Michael Robrecht

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