Do., 08.08.2019

Lieblingsplätze der Stadtführer (5): Erika Röllke mag alten Friedhof an der Stadtmauer Aus Liebe zu Höxter

Erika Röllke (71) ist seit Jahrzehnten Stadtführerin in Höxter. Sie schätzt die alte Allee auf dem Wall und die Grabmale. Der alte Friedhof wurde zu Napoleons Zeit angelegt.

Erika Röllke (71) ist seit Jahrzehnten Stadtführerin in Höxter. Sie schätzt die alte Allee auf dem Wall und die Grabmale. Der alte Friedhof wurde zu Napoleons Zeit angelegt. Foto: Marius Thöne

Von Marius Thöne

Höxter (WB). Erika Röllke liebt ihre Heimatstadt. So sehr, dass sie noch nie woanders gelebt hat. So hat die 71-Jährige ihre Heimatliebe zum Hobby gemacht und gibt ihr Wissen über Höxter bei Stadtführungen an Einheimische und Touristen weiter.

Es ist heiß draußen an diesem Vormittag. Das Thermometer nähert sich der 35-Grad-Marke und es ist noch nicht mal Mittag. Erika Röllke steht am Kriegerdenkmal auf den Wallanlagen/Ecke Westerbachstraße. Einige Meter weiter liegt einer ihrer Lieblingsorte: Unter einem dichten Blätterdach einer alten Allee befinden sich Gräber aus dem frühen 19. Jahrhundert.

»Dieser alte Friedhof auf dem Wall ist entstanden, als Napoleon in dieser Gegend geherrscht hat«, berichtet die Höxteranerin. Die mag diesen Ort seit ihrer Kindheit. »Mein Großvater hat ganz in der Nähe gewohnt und wir haben auf den Wallanlagen und der Stadtmauer als Kinder gespielt«, erinnert sie sich. Damals seien in der Altstadt viel mehr Kinder gewesen als heute.

Auch Führungen durch Kloster Corvey

Die meisten der erhalten gebliebenen Gräber weisen große Steindenkmale auf, einige wenige werden von den Familien noch gepflegt. »Ich bin so gerne hier, weil diesen Ort in seiner ganzen Schönheit nur wenige Menschen wahrnehmen«, erzählt Röllke.

Viele würden mit dem Fahrrad schnell durch die Allee fahren oder seien auf dem Weg zum neuen Friedhof am Wall, der über die B 64-Brücke von Röllkes Lieblingsplatz aus zu erreichen ist.

Erika Röllke hat sich ganz der Geschichte Höxters verschrieben. Neben Stadtführungen bietet sie auch Führungen durch das Kloster Corvey an. Schon als junge Frau habe sie den Partnerinnen der Kollegen ihres Mannes, der im Außendienst tätig war, bei Tagungen die Stadt gezeigt. »Im Damenprogramm gewissermaßen«, sagt Röllke und schmunzelt.

In den 1980er-Jahren hat sie ihr Engagement professionalisiert und sich bei Stadtheimatpfleger Wilfried Henze zur Stadtführerin ausbilden lassen. »Es ist schon etwas Besonderes, wenn man Menschen seine Stadt zeigen kann«, berichtet sie. Es bereite ihr Freude, mit vielen unterschiedlichen Charakteren zu tun zu haben. Im Kopf geblieben ist ihr eine Gruppe Japaner, die seinerzeit mit einem ­Weserschiff in Höxter festgemacht hatte. »Die haben alles kurz und klein fotografiert«, erinnert sich Erika Röllke.

Unbekannter Weg zur Wegetalstraße

Sie geht einige Schritte weiter. Hinter dem Gebäude der Stadtverwaltung ist ein schmaler Durchgang in der Mauer. Aus dem Schatten geht es weiter in die sengende Sonne. Hier kommt sie an einem kleinen, gedrungenen Häuschen vorbei, das ihre Erbauer vor Jahrhunderten zum Teil auf die Stadtmauer gesetzt haben. »Da war eine Wand schon einmal fertig, das war günstiger«, sagt Röllke. Teile der Stadtbefestigung seien von den Höxteranern auch abgebrochen und für Häuser andernorts als Steine wieder verwendet worden.

Die rüstige Seniorin zeigt bei ihren Führungen auch gerne einen Fußweg, der von der Neue Straße auf die Wegetalstraße führt. Die Fußgänger müssen dabei über den Hof eines alten Fachwerkhauses und durch dessen Deelentor. Nur ein kleines Schild am Tor weist darauf hin, dass dieser Weg öffentlich ist. »Diese Verbindung kennen selbst viele Höxteraner nicht«, sagt Röllke.

Das zu ändern, und neben Touristen auch Einheimischen ihre Stadt näherzubringen, ist ihr Hobby. Und das macht ihr Spaß. Das ist Erika Röllke anzumerken. Ganz deutlich.

Weitere Artikel zur Serie

In der Serie »Lieblingsplätze der Stadtführer« sind bereits diese Stadtführer vorgestellt worden:

Willi Dohmann und die Nikolaikirche

Josef Kowalski und der Weinberg

Wilfried Henze und Hochwasser-Stele

Willi Feltes und das Fallersleben-Denkmal

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