Di., 13.08.2019

Projekt zum Berufseinstieg für Mütter mit Migrationshintergrund Weil Arbeit Integration ist

Margarit Hartenyan absolviert ein Praktikum bei »Escapada« und frisiert Dozent Alexander Felkel von der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW). Darüber freuen sich auch Projektleiterin Hedwig Weber und Geschäftsführer Ulrich Beuscher.

Margarit Hartenyan absolviert ein Praktikum bei »Escapada« und frisiert Dozent Alexander Felkel von der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW). Darüber freuen sich auch Projektleiterin Hedwig Weber und Geschäftsführer Ulrich Beuscher. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

Höxter (WB). Für Mütter mit Migrationshintergrund ist es nicht immer leicht, einen geeigneten Einstieg ins Berufsleben zu finden. Margarit Hartenyan (36) bekommt diese Chance durch ein Projekt der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) und des Jobcenters Kreis Höxter. Sie absolviert derzeit ein Praktikum im Friseursalon »Escapada«.

Margarit Hartenyan stammt ursprünglich aus Armenien, lebt jedoch bereits seit fünf Jahren an der Weser in Höxter – zusammen mit ihrem Mann und den drei Kindern im Alter von 15, 13 und zehn Jahren. »Ich fühle mich wohl und heimisch in Höxter. Doch ohne eine Arbeit ist man oft zuhause. Das ist nicht nur langweilig, sondern auch nicht förderlich, um am öffentlichen Leben teilzuhaben. Arbeit ist für mich ein wichtiger Teil von Integration«, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Schon immer habe sie eine gewisse Leidenschaft für schöne Frisuren und Make-Up, unter anderem frisiere sie auch ihre Kinder. »Deshalb möchte ich einen Einblick in die Arbeit eines Friseursalons bekommen – ich würde mich sehr darüber freuen, wenn sich dadurch vielleicht eine berufliche Perspektive ergibt.«

Ein halbes Jahr in der Maßnahme

Apropos berufliche Perspektive: Um die kümmert sich in der Region Paderborn/Höxter die Fortbildungsakademie der Wirtschaft gGmbH in Kooperation mit dem Jobcenter im Kreis Höxter. Das Bundesprogramm »Stark im Beruf – Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein« wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und den Europäischen Sozialfonds (ESF).

Es richtet sich an Mütter, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, dieses aber gerne tun möchten. Die Teilnehmerinnen sind ein halbes Jahr in der Maßnahme und werden von ihren Trainern, Sprachdozenten und Praxisanleitern auf eine Berufstätigkeit vorbereitet. Zum Abschluss besteht die Möglichkeit, ein Praktikum zu absolvieren.

»Im Projekt werden maximal acht Teilnehmerinnen aus dem Kreis pro Halbjahr bis Ende der Förderphase 2022 von uns betreut. Dazu zählen unter anderem auch Einzelgespräche und Workshops. Zunächst geht es darum festzustellen, welche Hemmnisse vorhanden sind, die einen Einstieg ins Berufsleben verhindern oder erschweren«, erläutert Projekt-Koordinatorin Hedwig Weber.

Fähigkeiten fördern

Alexander Felkel, Dozent und Seminarleiter, ergänzt: »Die Sprache ist darüber hinaus ein wichtiger Baustein unserer Arbeit. Der Zugang zum Deutsch ist nicht immer leicht.« Im Fokus stünden laut Felkel außerdem die individuellen Interessen und Fähigkeiten, die zunächst erörtert und anschließend gefördert würden.

»Anforderungen im Berufsalltag, Computerkenntnisse, Bewerbungstraining und Körpersprache – das Portfolio ist groß. Das Praktikum über maximal 80 Stunden ist anschließend das Finale. Auch in dieser Zeit werden die Frauen von uns betreut. Ziel ist es, einen Eindruck von der Tätigkeit zu vermitteln, um entscheiden zu können, ob das Berufsfeld das richtige ist. Diese Rückmeldung geben wir an das Jobcenter weiter.« Das Praktikum, das andere Teilnehmerinnen derzeit auch im Textilhaus Kleine in Brenkhausen und im Restaurant Lion in Höxter absolvieren, sei auch eine Chance für die Betriebe.

Das sieht wiederum auch Ulrich Beuscher, Geschäftsführer des »Escapada«, so: »Im Idealfall könnte ein Arbeitsverhältnis fortgeführt werden – Grundlage in jedem Job ist immer, dass man sich für etwas begeistert. In Zeiten des Fachkräftemangels finde ich es wichtig, diese Projekte als Betrieb zu unterstützen. Deswegen sind wir auch gerne als Partner dabei und haben uns auch schon vor dem Praktikum mit ins Projekt eingebracht.«

Margarit Hartenyan blickt ihren neuen »Chef« glücklich an und betont: »Ich bin dankbar für diese Chance. Ich hoffe, dass sich daraus eine Perspektive ergibt.«

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