Di., 13.08.2019

Grüne kritisieren das Aus für einen Bahnhaltepunkt am Welterbe Corvey Halbstunden-Takt ist das Ziel

Die Nordwest-Bahn wird wohl auch künftig an Corvey vorbeifahren. Die Einrichtung eines Haltepunktes am Welterbe sei derzeit nicht vorgesehen, hieß es am Montag vom Zweckverband NWL. Die Grünen äußern an dieser Entscheidung Kritik.

Die Nordwest-Bahn wird wohl auch künftig an Corvey vorbeifahren. Die Einrichtung eines Haltepunktes am Welterbe sei derzeit nicht vorgesehen, hieß es am Montag vom Zweckverband NWL. Die Grünen äußern an dieser Entscheidung Kritik. Foto: Harald Iding

Von Marius Thöne

Höxter (WB). Die Grünen im Kreis Höxter sind sauer auf die Deutsche Bahn, weil diese keinen Bahnhaltepunkt in Corvey errichten möchte. Die Pläne lassen sich bis zur Landesgartenschau 2023 nicht umsetzen. Landtagsabgeordneter Matthias Goeken macht sich aber für den Halbstunden-Takt stark.

»Die Bahn steht offenbar auf dem Standpunkt, dass ihr Unternehmen ohne Fahrgäste besser funktioniert«, macht Ludger Roters, Fraktionssprecher der Grünen im Stadtrat, seinem Ärger Luft. »Wir hatten befürchtet, dass die Pläne ad acta gelegt würden«, berichtet Martina Denkner. Die Bad Driburgerin sitzt für die Grünen im Kreistag und in der Verbandsversammlung des Nahverkehrsverbundes Paderborn-Höxter (NPH). Der Gedanke eines separaten Haltepunktes am Welterbe Corvey habe durch die Gartenschau zunächst neuen Auftrieb bekommen. Die Grünen fordern das seit Jahren. »Dass die Bahn nun argumentiert, die Zeit sei zu knapp, offenbart nur zu deutlich die unternehmerische Unfähigkeit des Konzerns«, heißt es in einer Pressemitteilung der Partei.

Probleme zwischen Langeland und Brakel

Das Argument der fehlenden Minute im Fahrplan könne man nicht gelten lassen, macht Martina Denkner deutlich. »Gerade die Deutsche Bahn ist es ja selber, die technische Probleme auf der Eggebahn, wie das ›Schlüsseln‹ an Bahnübergängen, seit Jahren nicht in den Griff bekommt und so immer wieder Verspätungen produziert«, berichtet sie. Beim so genannten »Schlüsseln« müsse der Lokführer den Zug an jedem Bahnübergang anhalten, aussteigen und den Übergang per Hand wieder freigeben, so dass die Schranken wieder hochgehen. »Das ist vor allem zwischen Langeland und Brakel ein Problem«, so Denkner, die in der Nähe der Strecke wohnt. Immer wenn die Eggebahn schon mit Verspätung aus Altenbeken komme, gebe es diese Probleme. Diese seien seit zehn Jahren bekannt. Seitdem werde die Strecke von einem Stellwerk aus Göttingen gesteuert.

Vorbild Halle

Die Grünen raten der Stadt Höxter, in ihren Anstrengungen für einen Bahnhaltepunkt nicht nachzulassen. »Die Stadt Halle hat es vorgemacht: Innerhalb weniger Monate hat sie am damals neuen Tennisstadion einen Bahnhaltepunkt gebaut und in Betrieb genommen.« Auch vom Vorsitzenden der NPH-Verbandsversammlung, dem Landtagsabgeordneten Matthias Goeken, fordern die Grünen Einsatz in Sachen Bahnhof Corvey. Uli Beele, Sprecher des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), verdeutlichte am Montag, dass die Entscheidung über einen weiteren Bahnhaltepunkt in Corvey nicht allein bei der Bahn liege. Den Halt müsse der NWL bestellen und dafür auch entsprechend Geld mitbringen. Die Finanzierung müsse nicht nur für den Bau, sondern auch für den weiteren Betrieb gesichert sein. »Die Bahn berechnet dann für jeden Zughalt einen bestimmten Betrag«, erläutert Beele.

»Derzeit nicht in Sicht«

Es sei richtig, dass es seit vielen Jahren Planungen für einen Bahnstopp am Welterbe gebe, allerdings sei eine Umsetzung »derzeit nicht in Sicht«. Hintergrund sei, dass in Niedersachsen an einer Verbesserung der Verbindung von Holzminden nach Hannover gearbeitet werden und da sei auf der überwiegend eingleisigen Strecke keine Zeit für einen weiteren Haltepunkt vorhanden. Die Landesgartenschau sei für Höxter eine »Super-Geschichte«, allerdings für den Bau einer weiteren Bahnstation wohl »nicht groß genug«, so Beele. Landtagsmitglied und Verkehrspolitiker Matthias Goeken (CDU) sagte am Montag, dass der Bau einer Bahnstation in Corvey ohnehin nie sehr realistisch gewesen sei. Wichtiger ist es aus seiner Sicht, bis zur Landesgartenschau eine Taktverdichtung auf der Eggebahn zwischen Altenbeken und Holzminden durchzusetzen. »Geplant ist ein Halbstunden-Takt zu den Stoßzeiten. Das funktioniert aber nur, wenn auf niedersächsischer Seite ein neues Begegnungsgleis gebaut wird«, so Goeken. Benötigt würden darüber hinaus zusätzliche Züge. Nach den Sommerferien soll es zu diesem Thema Gespräche in Holzminden geben.

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