Mi., 14.08.2019

In Paderborn stehen 25 mittelalterliche Bände aus der ehemaligen Reichsabtei Corveyer Bücherschatz wird digitalisiert

Professor Dr. Hans-Walter Stork, Leiter der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek in Paderborn, ist stolz auf besonders alte Handschriftensammlungen.

Professor Dr. Hans-Walter Stork, Leiter der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek in Paderborn, ist stolz auf besonders alte Handschriftensammlungen. Foto: Oliver Schwabe

Von Marius Thöne

Höxter (WB). Die Universitätsbibliothek Marburg und die Erzbischöfliche Akademische Bibliothek in Paderborn lassen Handschriften aus dem 15. und 16. Jahrhundert digitalisieren . Diese stammen aus der 1803 aufgelösten Klosterbibliothek Corvey bei Höxter.

Es ist geplant, 60 Bände zu scannen und so online einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Von diesen Bänden stehen 25 in Paderborn, die übrigen in der Marburger Uni-Bibliothek. »Das sind die zwei größten zusammenhängenden Bestände Corveyer Handschriften«, sagt der Leiter der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek, Professor Dr. Hans-Walter Stork.

Diese handgeschriebenen Seiten aus dem 15. Jahrhundert werden jetzt in Marburg digitalisiert. Foto: Oliver Schwabe

Insgesamt sei heute der Aufbewahrungsort von ungefähr 160 aus Corvey stammenden Buchhandschriften bekannt. Sie stehen in mehr als 50 Bibliotheken, Archiven und Museen weltweit. »Hauptsächlich in Europa und Amerika«, erläutert Stork. Dort finden sich ebenfalls Handschriften und Fragmente aus Corvey, insbesondere aus der Karolingerzeit. Stork hofft, dass sich diese Institutionen perspektivisch ebenfalls an dem Digitalisierungsprojekt beteiligen und so ein Teil der mittelalterlichen Bibliothek des früheren Benediktinerklosters Corvey wieder zusammengeführt werden kann.

Klosterbibliothek im Dreißigjährigen Krieg zerstört

Die mittelalterliche Klosterbibliothek, die herausragende Objekte der Buch- und Schreibkunst (wie die Abschrift der berühmten Tacitus-Annalen) enthielt, wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und der literarische Schatz größtenteils geplündert. Die in Paderborn und Marburg erhalten gebliebenen Schriften, die jetzt digitalisiert werden sollen, stammen aber noch aus dieser so genannten ersten Corveyer Bibliothek.

Im 17. und 18. Jahrhundert konnten die Äbte im Benediktinerkloster eine neue Bibliothek aufbauen, die über eine qualitätsvolle Sammlung verfügte. Mit der Säkularisation von 1803 wurde sie endgültig aufgelöst und der Bestand größtenteils zerstreut.

In der Bibliothek in Paderborn stehen insgesamt 3000 Bücher aus Corvey über Rechtsgeschichte, Theologie und Forstwirtschaft. Foto: Oliver Schwabe

Die fürstliche Corveyer Bibliothek, die sich bis heute im Schloss befindet, stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist ohne nennenswerte Verluste erhalten. Mit einer Büchersammlung von etwa 74.000 Bänden zählt sie zu den größten und kostbarsten Privatbibliotheken Deutschlands. Ihr Gesicht prägte wesentlich Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 bis 1874). Der Dichter der deutschen Nationalhymne verbrachte seine letzten Lebensjahre als Bibliothekar in Corvey und schaffte wertvolle Einzelwerke, Pracht- und Ansichtenbände an.

71.500 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft

»Mit dieser Bibliothek hat unser Projekt aber nichts zu tun«, erläutert Hans-Walter Stork. Die mittelalterlichen Handschriften, die in den kommenden Monaten digitalisiert werden sollen, bestehen aus Bibelabschriften, Bibelerklärungen. Ebenso seien Schriften über die Verwaltung des Ordens erhalten. »Durch das gemeinsame Vorhaben der Universitätsbibliothek Marburg und der Erzbischöflich Akademischen Bibliothek Paderborn werden wir maßgeblich dazu beitragen, eine der kulturell bedeutendsten Bibliotheken des Mittelalters zu rekonstruieren«, sagt auch Dr. Andrea Wolff-Wölk, Direktorin der Universitätsbibliothek Marburg. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt mit insgesamt 71.500 Euro.

Digitalisierung soll in einem Jahr abgeschlossen sein

In etwa einen Jahr soll die Digitalisierung der Paderborner und Marburger Bände abgeschlossen sein. In der Scannerwerkstatt der Universitätsbibliothek Marburg werden die Arbeiten durchgeführt. Dazu müssen die Werke, die in Paderborn in dunklen Magazinen gelagert werden, in drei Teilen nach Marburg transportiert werden.

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