Fr., 16.08.2019

»Flussgebietsgemeinschaft Weser« schließt den Bau aus – »K+S« setzt auf Alternativen Rote Ampel für »Oberweserpipeline«

Die Ampel steht für viele Anrainer längst auf »Rot« in Sachen Weserversalzung. Die Ministerkonferenz hat entschieden: Man kann auf das Millionen-Projekt »Oberweserpipeline« verzichten.

Die Ampel steht für viele Anrainer längst auf »Rot« in Sachen Weserversalzung. Die Ministerkonferenz hat entschieden: Man kann auf das Millionen-Projekt »Oberweserpipeline« verzichten. Foto: Harald Iding

Kassel/Höxter (dpa/hai). Die »Weserversalzung« bleibt ein drängendes Thema. Am Donnerstag haben sich die Minister der »Flussgebietsgemeinschaft Weser« (FGG) in Kassel getroffen, um über den Bau einer Fernleitung zu beraten. Mit dieser wollte »K+S« Salzabwässer aus der Produktion im osthessisch-thüringischen Kalirevier in die Weser leiten. Doch die Weserländer haben sich anders entschieden.

Über diese Fernleitung wollte der Kalikonzern notfalls Salzabwässer aus Osthessen nach Nordhessen bringen – und direkt in die Weser einleiten, um so Entsorgungsprobleme zu lösen.

In der Debatte um niedrigere Grenzwerte für die Einleitung von Salzabwässern in die Werra bahnt sich zudem ein neuer Konflikt an. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Hessen (BUND) widersprach in dieser Woche einem Vorstoß des Kasseler Kali- und Salzproduzenten »K+S«, über Grenzwerte neu zu verhandeln.

Man weise die Forderung als »nicht akzeptabel« zurück, sagte der BUND-Chef Jörg Nitsch. Er forderte die Umweltminister der Bundesländer entlang von Weser und Werra auf, der Forderung von »K+S« nicht nachzukommen.

Grenzwerte neu verhandeln

Der Konzern »K+S« setzt inzwischen auf andere Entsorgungswege. Bis die realisiert seien, benötige er aber die Entsorgung in die Werra – ohne weitere Einschränkungen. Man müsse daher für eine Übergangsphase »über die Gestaltung der Zielwerte sprechen«, forderte »K+S«-Chef Burkhard Lohr im Vorfeld. Das Unternehmen will die eigentlich für Ende 2021 vorgesehene Absenkung der Grenzwerte neu verhandeln.

Mit der Forderung nach Aufweichung der Grenzwerte konterkariere Lohr seine Ankündigung, er wolle hinsichtlich der Entsorgung den »Umweltfrieden« herstellen, kritisiert wiederum der BUND.

Man sehe sich in der Befürchtung bestätigt, dass »K+S« weiterhin kein Konzept für eine umweltverträgliche Entsorgung habe. Die »FGG Weser«, die aus sieben Bundesländern (Hessen, Niedersachsen, Bayern, Bremen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen) entlang der Flüsse Werra, Fulda und Weser besteht, hat am Donnerstag beschlossen: »K+S muss keine Fernleitung für Salzabwässer von Osthessen zur Oberweser bauen.« Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) betonte als Vorsitzende der FGG: »Nach intensiver Prüfung aller Möglichkeiten ist klar, dass wir auf den Bau einer Leitung an die Oberweser verzichten können.«

Man könne den Bau einer Fernleitung ausschließen, weil auch »K+S« das nicht wolle. »K+S« bevorzuge jetzt andere Entsorgungswege wie die Einstapelung von Abwässern in stillgelegte Kaligruben und wird nach dem Willen der Weserländer ab Ende 2021 weniger in die Werra einleiten dürfen. Die »K+S Aktiengesellschaft« erklärte am 15. August, »dass die Salzabwasserfernleitung an die Oberweser durch kosteneffizientere alternative Maßnahmen ersetzt wird.« Damit komme der Einstapelung von Salzabwässern unter Tage aus ihrer Sicht »die zentrale Bedeutung zu«.

Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Haase freut sich über das Ergebnis von Kassel. Haase betonte gegenüber dem WESTFALEN-BLATT: »Ich begrüße es, dass die Firma K+S die Oberweserpipeline definitiv nicht mehr verfolgt und jetzt ein alternatives Gesamtkonzept vorgelegt hat, das ohne die Fernableitung des Salzabwassers in Fließgewässer auskommt.«

»Konstruktive Vorschläge«

»Die von K+S vorgetragenen konstruktiven Vorschläge zur Reduktion der Umweltbelastung durch Salzabwässer sind ein pragmatisches, gleichwohl ambitioniertes Angebot für den Bewirtschaftungsplan für die Weser.« Haase freue sich, »dass sich neben den Bundestagsabgeordneten auch viele Kommunen sowie Bürger erfolgreich gegen die Oberweserpipeline eingesetzt haben.«

Alle Beteiligten seien sich einig, dass eine Verbesserung der Weserqualität dringend notwendig ist. »Eine Pipeline ist keine Option, weil sie das Problem lediglich verlagern würde. Wir sind der festen Überzeugung, dass es in einem hochinnovativen Land wie Deutschland möglich sein muss, auch andere Wege beim Umgang mit den Abwässern zu finden«, bezieht Christian Haase Stellung.

Umsatzplus bei »K+S«

Die »K+S«-Gruppe hat am Donnerstag ihre aktuelle Bilanz vorgelegt. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erzielte sie Zuwächse. Ein Sprecher: »Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 879 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verbesserte sich um 24 Prozent auf 130 Millionen Euro.« Maßgeblich dazu beigetragen habe das gute Preisumfeld bei Düngemitteln sowie höhere Produktionsmengen der Werke Werra und Bethune.

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