Di., 20.08.2019

Portrait: Felicitas Wilke ist Inhaberin des Café Heimisch in der Westerbachstraße Neun Monate ohne Wochenende

Sie tragen Namen wie »Liebliche Lilli« oder »Mama Mammita«: Süße und herzhafte Waffeln sind die Spezialität der 34-jährigen Felicitas Wilke. Seit November vergangenen Jahres betreibt sie im Café Heimisch in Höxter. Und das stets mit einem Lächeln, das ist der fröhlichen Cafébesitzerin wichtig.

Sie tragen Namen wie »Liebliche Lilli« oder »Mama Mammita«: Süße und herzhafte Waffeln sind die Spezialität der 34-jährigen Felicitas Wilke. Seit November vergangenen Jahres betreibt sie im Café Heimisch in Höxter. Und das stets mit einem Lächeln, das ist der fröhlichen Cafébesitzerin wichtig. Foto: Angelina Zander

Von Angelina Zander

Höxter (WB). Der eigene Chef sein: Für Felicitas Wilke (34) aus Höxter ein Gedanke, der in ihrem Leben langsam in ihr gereift ist. So lange, bis sie ihren Freund Florian kennenlernte, der sie bestärkte, ihr Leben umzukrempeln. Seit November ist sie nun ihr eigener Chef – im Café Heimisch.

Mit der Selbstständigkeit wollte sie ihre Lebensqualität zurück. »Ich hatte keinen Bock mehr auf Kontrolle.« Die Mine der Frau mit dem sonst so strahlenden Lächeln wird plötzlich reservierter, ihre Gesichtszüge etwas ernster. »Ich wollte die Unabhängigkeit immer mehr«. Sie rückt das Wasserglas, das vor ihr auf dem Tisch steht, kurz von links nach rechts. Zwischenzeitlich sei sie im Jahr gut 80.000 Kilometer mit dem Auto gefahren.

»Da bleibt viel auf der Strecke.« Sie senkt ihren Blick auf die Kaffeetasse neben dem Glas und hebt sie, mit beiden Händen umschlossen, langsam hoch. Felicitas Wilke war mehr als zehn Jahre im Vertrieb für Haarprodukte tätig, hat für Trinity Haircare den Vertrieb in Deutschland mit aufgebaut. Doch eigentlich hatte sie für ihr Leben einen anderen Plan geschmiedet.

Von der Friseurin zur Cafébesitzerin

Ihr Traumberuf war Maskenbildnerin. Den Grundstein dafür legte sie mit der Friseurausbildung. Nach zweieinhalb Jahren machte Wilke ihre Gesundheit einen Strich durch die Rechnung: Allergie gegen Haarfarbe. »Mein Lebenstraum war im ersten Moment geplatzt«. Während sie das Wort »Lebenstraum« besonders betont, hebt Wilke ihre Hände und zeichnet mit ihren Fingern Gänsefüßchen in die Luft. Die Ausbildung am Staatstheater Darmstadt sei ihr bereits sicher gewesen – der Weg zur Maskenbildnern frei.

»Dann holst du eben dein Abi nach«, habe sich die damals 19-Jährige gesagt. Es folgte ein Fachabi im Bereich Gestaltung in Padeborn. Aber auch während dieser Zeit konnte sie sich nie ganz von ihrer Leidenschaft trennen. »Ich bin im Friseurbereich versackt«, sagt sie. Und da ist es, das kurze Auflachen, das fast einem Kichern ähnelt und das während ihrer Gespräche immer wieder aufkommt.

Neben dem Abitur habe sie im Haarshop in Paderborn gearbeitet und kurze Zeit später die Geschäftsleitung übernommen. »Mit zarten 21 Jahren.« Wieder lacht Wilke, dreht dabei ihren Kopf zur Seite und schaut hinaus zur Tür ihres Cafés. »Das war schon so meins.« Dann sei eins zum anderen gekommen und plötzlich sei sie mit ihrem »Köfferchen mit Proben und Broschüren« zu den Kunden gegangen, um Haarprodukte zu verkaufen. Drei Stationen durchlief sie während ihrer Vertriebstätigkeit.

Mit einem Schild hat alles begonnen

Doch glücklich sei sie zuletzt nicht mehr gewesen. Die Kehrtwende in ihrem Leben leitete dann ihr Freund Florian aus Fürstenau ein. »Wir waren beide im Umbruch«, sagt sie. »Uns standen alle Türen offen.« Also beschlossen sie, von Paderborn, wo Wilke zuletzt wohnte, zurück in die Heimat zu kommen. Wenn sie über ihre »Heimat« spricht, wandert ihr Blick zum großen Fenster ihres Lokals, durch das sie die Stummrige Straße sieht. Einen Moment beobachtet sie dort das Treiben und die Gäste ihres Cafés.

Denn vor dem Lokal hat Weihnachten 2017 ihre Karriere ihren Anfang genommen. Vorher war in dem Gebäude ein Reisebüro ansässig. »Zwei Tage hing draußen ein Schild.« Mit ihren Fingern zeichnet die 34-Jährige das Schild vor sich nach. Sie hätten sich erkundigt und die Entscheidung für einen neuen Mieter sei zu diesem Zeitpunkt bereits gefallen gewesen.

Freundlicher Service wichtig

Trotzdem unterschrieb am Ende Felicitas Wilke den Mietvertrag. »Mega heftig«, sagt die Cafébesitzerin. »In zwei Monaten Eigenleistung haben wir aus einem Reisebüro ein Café gemacht.« Im November öffnete das Café Heimisch. Und seitdem ist die ganze Familie, wenn sie Zeit hat, eingespannt.

Warum es ein Café sein musste? »Ich habe ultra gerne Kontakt zu Menschen und unterhalte mich gerne. Und wenn ich Essen gehe, ist mir der Servicegedanke schon wichtig«. Wilke kneift ihre Augen ein wenig zusammen und spricht ihre Worte mit Nachdruck. Mit dem Café habe sie ein zweites Wohnzimmer schaffen wollen, in dem freundlich und mit einem Lächeln bedient wird.

Doch die Gastronomie hat auch ihre Schattenseiten: »Seit neun Monaten hatte ich kein Wochenende mehr mit meinem Freund. So krass hätte ich es mir nicht vorgestellt. Es nervt, aber wir wissen, wofür wir es machen.«

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