Di., 20.08.2019

Portrait: Udo Schwarz betreibt den »Holzwurm« in der Höxteraner Westerbachstraße Rentner übernimmt Kneipe

Wenn Udo Schwarz nicht bei seinen Gästen an der Theke sitzt, zapft er das Bier und sorgt für die Getränke im »Holzwurm«.

Wenn Udo Schwarz nicht bei seinen Gästen an der Theke sitzt, zapft er das Bier und sorgt für die Getränke im »Holzwurm«. Foto: Angelina Zander

Von Angelina Zander

Höxter (WB). Udo Schwarz kannte sie alle: jede Kneipe in Höxter. Zu einer Zeit, als es noch unzählige in der Stadt gab. »Wir haben nie geschafft, alle Kneipen an einem Abend zu besuchen«, sagt der 67-Jährige mit der Brille und dem weißen Schurrbart.

Bereits mit 14 Jahren hätte er im weitesten Sinn seinen ersten Job in der Kneipen-Szene gehabt. Vier Jahre hat er in der Produktion und Lieferung der Brauerei Krekeler gearbeitet. Mehr als 50 Jahre später betreibt er den »Holzwurm«.

»Viele Leute mögen mich«, sagt Schwarz. Dabei klingt er nicht überheblich, sondern dankbar. Er sitzt an der Theke des Holzwurms. Nicht außen wie seine Gäste, sondern innen. An zwei Stellen hat die Theke eine Ausbuchtung. Die Rundungen sind beliebt bei den Gästen. »Hier vorne sitzt der Dienstagsstammtisch und dort der Freitagsstammtisch«, sagt er und deutet mit seinem Finger auf die Plätze. »Und donnerstags sitzen sie an dem Tisch da.«

Motorrad fahren war seine große Leidenschaft

Mit einer Ein-Euro-Party hatte der Holzwurm im Januar eröffnet. »Durch mich kommt hier wieder Leben rein«, ist Schwarz überzeugt. Er will mit seiner Kneipe vor allem junge Leute ansprechen. »Ich benehme mich selbst wie ein Junger, so sagt man mir.« Er lacht, seine Augen strahlen freundlich und beginnen zu glänzen. Doch jung sein kann er nicht mehr in jeder Hinsicht. Früher sei er gerne Motorrad gefahren, hatte erst einen Roller, dann eine Chopper. 2005 erlitt er einen Motorradunfall. »25. Juni – vergesse ich nie.«

Vor einigen Jahren folgten ein Herzinfarkt und ein Herzstillstand. »Meine Sachen habe ich immer noch. Vielleicht kommt noch mal die Gelegenheit.« Schwarz lacht kurz und blickt erwartungsvoll zu seiner Tochter Christina hinüber. »Wir haben ihm zum 65. Geburtstag ein E-Bike geschenkt«, entgegnet sie. »Damit kann ich mich gar nicht abfinden«, er nimmt den Kopf etwas zurück und lacht laut. Auch als Schlosser konnte er nach dem Unfall nicht mehr arbeiten.

Weil er Beschäftigung brauche, habe er sich für die Kneipe entschieden. Udo Schwarz holt einen Stapel alter Fotos, die er von Gästen bekommen hat. »Ich muss auch unbedingt Fotos von meiner Zeit machen.« Dann fällt ihm eine alte Preisliste in die Finger. »Glas Bitburger, 95 Pfennig«, liest er vor. Die Karte ist aus dem Jahr 1996. Heute kostet das Bier 1,50 Euro. Damit will er die Studenten locken.

Kinder sollen Kneipe übernehmen

Wenn Schwarz nicht mehr in der Kneipe arbeiten kann, könnten seine Kinder die Kneipe übernehmen. Er sagt aber auch: »Junge Leute können heute keine Kneipe mehr aufmachen. Nur noch Rentner. Oder wenn einer voll arbeitet und der andere die Kneipe macht.« In den 1960ern seien Kneipenbesitzer Millionäre geworden, meint er. Steuern, GEMA und Kosten für eine neue Kasse, die nun auf ihn zukommen, würden dazu beitragen, dass es schwerer wird, Geld zu verdienen.

Das Rauchverbot tue sein Übriges. Wenn Schwarz über dieses Thema spricht, ist er verärgert. Einerseits dürfte nicht in der Kneipe geraucht werden, andererseits kämen Beschwerden, wenn die Raucher vor der Tür zu laut sprechen würden. Für ihn unverständlich.

Diese Meinung teilt seine Lebensgefährtin Brigitta Lobus. Sie ist Inhaberin der Kneipe »Zum Fäßchen« auf der anderen Straßenseite. Vor fünf Jahren habe Schwarz das Fäßchen besucht. »Das war Liebe auf den ersten Blick.« »Aber nicht in die Kneipe, sondern in die Inhaberin«, ergänzt Tochter Christina.

Von Lobus habe er viel gelernt. Als er durch einen Zufall das Angebot für den Holzwurm bekam, habe er zunächst mit ihr gesprochen. Wie sie reagiert hat? Udo Schwarz überlegt lange. Dann sagt er: »Begeistert war sie erst nicht.« Ihr Wochenende verbringen sie sonntags und montags – da ist Ruhetag.

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