Mi., 21.08.2019

Katrin Helm (29) ist seit einem Jahr Kreisarchivarin »Der coolste Job der Welt«

Von Marius Thöne

Höxter (WB). Wenn Katrin Helm über ihren Beruf spricht, dann leuchten ihre Augen: »Das ist der coolste Job,der Welt«, sagt die 29-Jährige. Seit einem Jahr ist die gebürtige Niederösterreicherin Kreisarchivarin in Höxter.

Für sie hat Archivarbeit nicht nur mit alten Akten zu tun. »Es fesselt mich, wenn die Personen, über die ich lese aus dem Papier heraustreten und vor meinem geistigen Auge lebendig werden«, sagt sie. Zu Beginn ihres Studiums der Geschichtsforschung an der Universität Wien hatte Katrin Helm mit Archiven eigentlich nichts am Hut. Doch dann kam ein Praktikum im Stadt- und Landesarchiv in der österreichischen Hauptstadt. »Dort durfte ich Gerichtsakten aus den 60er Jahren bewerten und mit entscheiden, ob sie archivwürdig sind oder nicht«, berichtet Helm. Diese Arbeit habe ihr so viel Freude gemacht, dass die Richtung ihres beruflichen Weges klar wurde. Sie spezialisierte sich im Fach Archivwissenschaft. Aus privaten Gründen verschlug es sie nach Deutschland. »Mein Freund ist Deutscher«, sagt Helm, die heute im niedersächsischen Hildesheim lebt. Im Stadtarchiv Potsdam trat sie einen befristete Stelle als Archivarin an. 2018 kam sie dann als Nachfolgerin von Ralf-Oliver Kreie, der beruflich nach Detmold gewechselt ist, ins gerade neu errichtete Kreisarchiv an der

Moltkestraße.

Umzug dauert noch an

Der Umzug aller Archivalien vom Kreishauskeller in das rund 220 Quadratmeter große Magazin mit einer konstanten Temperatur von 16 bis 18 Grad ist noch nicht abgeschlossen. »Wir haben jedes Buch und jede Akte in die Hand genommen, abgesaugt und soweit es noch nicht geschehen, in spezielle Archivkartons verpackt«, erläutert die Expertin. Es sei wichtig, dass kein Staub mit ins neue Magazin umziehe. Denn dieser könne Schimmelsporen tragen und die Archivalien beschädigen. Insgesamt schätzt sie, dass mittlerweile rund 5000 von 5500 Bänden ins neue Magazin umgezogen seien. Insgesamt verfügt das »Gedächtnis der Kreisverwaltung« über 500 laufende Meter Archivgut, neben Büchern und alten Akten, die nach 30 Jahren ins Archiv kommen, sind das auch 5500 Fotos und Dias sowie rund 750 Karten und Pläne.

Archivstück des Monats

Um das Kreisarchiv bekannter zu machen, will Katrin Helm ab September ein Archivstück des Monats im Foyer des Kreishauses ausstellen. »Wir zeigen Originale in einer Vitrine«, erläutert sie. Los geht es mit einem Brief Heinrich Hoffmann von Fallerslebens an seinen Verleger. Das wertvolle Stück ist erst 2016 aus Corvey ins Kreisarchiv gekommen.

Über Züchtigung in der Schule

Eines ihres Lieblingsstücke will Katrin Helm in dieser Reihe auch vorstellen. Dabei handelt es sich um ein Protokollbuch von Kreislehrerkonferenzen vom Ende des 19. Jahrhunderts. Dieses hat eine Höxteranerin dem Stadtarchiv überlassen, das das Buch dann zuständigkeitshalber ans Kreisarchiv weitergegeben hat. »Das Buch ist ein echter Schatz«, sagt Katrin Helm. Daraus lässt sich entnehmen, dass schon zu damaliger Zeit über das Für und Wider körperlicher Züchtigung im Schulunterricht gestritten wurde. »Berichtet wird von einem Ministerialerlass, der Züchtigung nur noch dann erlaubte, wenn der Schuldirektor darüber informiert wurde«, berichtet Helm. Eine Idee, mit der die Lehrer im ausgehenden 19. Jahrhundert zu großen Teilen nicht einverstanden waren. »Eine Schule ohne Zucht ist wie eine Mühle ohne Wasser«, zitiert ein Lehrer aus Rimbeck den Philosophen Comenius (1592 bis 1670).

Alten Akten sind gefragt

Katrin Helm freut sich, wenn das Kreisarchiv fleißig genutzt wird. Vielfach kommen Heimatforscher zur Recherche. Aber auch Menschen, die in Jugendamts- und Vormundschaftsakten etwas über ihre eigene Geschichte erfahren wollen. Die Geschichte einer Besucherin hat Katrin Helm ganz besonders angerührt. Sie wollte Einsicht in die Personalakte ihrer Mutter nehmen, die vor vielen Jahrzehnten beim Kreis als Stenotypistin beschäftigt war. »Die Frau hatte ihre Mutter im jugendlichen Alter verloren und wollte bei uns etwas über sie erfahren.«

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