Sommerferienbilanz: Radfahrer, Camper und Wohnmobilisten treue Gäste – Problem Brücke
Die Menschen zieht es an die Weser

Höxter (WB). Urlaub im Weserbergland? Unbedingt! Die Weserregion rund um Höxter bietet viele Möglichkeiten zur Erholung, gehört zu den attraktivsten Reisezielen in Deutschland und ist bei einer Sache sogar ganz weit vorn: Der Weser-Radweg sei weiter Deutschlands beliebtester Radfernweg, so das Ergebnis der ADFC-Travelbike-Radreiseanalyse 2019.

Mittwoch, 28.08.2019, 05:55 Uhr aktualisiert: 28.08.2019, 06:01 Uhr
Der Wesertourismus ist eine feste Konstante in der Oberweserregion: 100.000 Radfahrer im Jahr, Bootsfahrer wie hier auf der Weser bei Burg Blankenau, Bustouristen, Motorradfahrer, Camper, Wohnmobilisten und Kulturreisende kommen gern. Foto: Michael Robrecht
Der Wesertourismus ist eine feste Konstante in der Oberweserregion: 100.000 Radfahrer im Jahr, Bootsfahrer wie hier auf der Weser bei Burg Blankenau, Bustouristen, Motorradfahrer, Camper, Wohnmobilisten und Kulturreisende kommen gern. Foto: Michael Robrecht

Das WESTFALEN-BLATT hat sich bei Touristen auf dem Campingplatz in Höxter und im Wohnmobilhafen am Floßplatz umgehört, warum sie Höxter als Ferienziel ausgewählt haben und was sie an der Region schätzen.

An ihrem sonnigen Campingplatz direkt an der Weser genießen Karen (66) und Oskar (67) mit ihrem Hund Susi den Vormittag. »Das schöne Städtchen, die netten Leute und der tolle Weserradweg sind Gründe dafür, dass es uns nun schon das zweite Mal nach Höxter verschlagen hat.« Das Ehepaar aus dem Köln-Bonner Raum ist bereits seit mehr als 30 Jahren mit dem Wohnmobil unterwegs, doch noch nie sind sie an einem Ort so lange geblieben wie in der Kreisstadt. »In fünf Wochen haben uns vor allem ein Besuch des Weltkulturerbes Corvey und ein Flohmarkt in Höxters Innenstadt gefallen. Hier stimmt die Atmos-phäre«, loben die Feriengäste.

Viele Touristen

Egal, ob Radtouren, Kanufahrten oder einfach eine Tour über den Marktplatz – das Wesercamping Höxter lässt nur wenig Wünsche offen. Der mit vier Sternen ausgezeichnete Campingplatz neben Freibad und Weser wird von Thomas Hachmann betrieben. Er nennt wichtige Gründe dafür, dass er dort 20.000 Übernachtungen von Mai bis September zählen kann: »Die ideale Nähe zur Stadt, das benachbarte Freibad und die familiäre Art, mit der wir den Platz betreiben, machen uns laut der Gäste unverwechselbar.«

Genau diese Besonderheit loben auch die Rentner Karl-Heinz (77), der Höxter bereits aus seiner Dienstzeit bei der Bundeswehr 1963 kannte, und Rosel (71): »Uns gefällt das tolle Miteinander hier. Man trifft viele Leute und schließt sogar schnell neue Freundschaften.« Das Ehepaar ist für ein halbes Jahr mit seinem Wohnmobil nach Höxter gefahren, »um die schöne Landschaft und die frische Luft zu genießen«. Besonders die Kultur mögen sie am Weserbergland und haben schon zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie das Forum Jacob Pins, Corvey oder auch das koptisch-orthodoxe Kloster Brenkhausen besucht. Das einzige lästige Problem jedoch sei die marode Weserbrücke in Höxter. Da die Wohnwagen- und mobile vieler Camper zu schwer und zu breit sind, um die Brücke zu überqueren, müssen viele eine Umleitung über Lüchtringen nutzen. Campingplatzbetreiber Thomas Hachmann hört das oft. Er bemerkte auch, dass die gesperrte B83 bei Polle zu weniger Wohnmobilisten aus Norddeutschland geführt hat.

Auch Willi und Brigitte haben sich mit ihrem Wohnwagen an der Weser niedergelassen. Das Ehepaar wollte von seiner Heimat Marburg nach Dortmund fahren und legte eine Rast in Höxter ein. Nun sind sie aber schon eine Woche hier, da die Altstadt sie sehr begeistert hat. Dortmund sei out. Vor allem Willi fand Gefallen an Höxter, da er als ehemaliger Handwerker alte Häuser liebt.

Wesercamping über Wochen

Das Wesercamping können auch Hilde und Hermann aus Jever bei Wilhelmshaven weiterempfehlen. Sie fanden Höxter spontan auf ihrer Tour mit dem Wohnmobil. Auch Ute aus Dortmund und Olaf aus Ennepetal im Ruhegebiet sind begeistert vom 500 Kilometer langen Fahrradweg direkt am Weserufer. Alle kündigen an: »Wir kommen ganz bestimmt wieder!«

Kommentar von Michael Robrecht

Die Sommerferien sind zu Ende – Zeit für eine touristische Zwischenbilanz: Weil das Spätsommerwetter perfekt ist, sind die Wohnmobilhäfen und Campingplätze wie in Höxter, Beverungen oder Holzminden noch voller Gäste. Bemerkenswert ist, dass viele Camper gar nicht weg oder weiter wollen, wenn sie einmal an der Weser urlauben. Und da sind wir beim Grundproblem, das für den gesamten Tourismus gilt: Die Leute müssen erst einmal in die Region finden. Die Begeisterung ist dann ein Selbstläufer. Einen Besucherboom gibt es 2020 leider nicht. Höxter und Corvey sind bundesweit immer noch zu wenig bekannt. Die verkehrliche Anbindung an Autobahnen in jeweils einer Stunde Entfernung und viele Straßensperrungen sind eine Katastrophe; aber auch in der wahrnehmbaren Vermarktung ist viel Luft nach oben. Die Landesgartenschau ist daher zurzeit die einzige echte Chance, zu zeigen, dass es Höxter gibt. Das Welterbe Corvey hat bei den Besucherzahlen keinen Schub gebracht. Da muss und soll noch etwas kommen. Pluspunkte sind der Rad- und Biker-Tourismus, Klosterroute, Landleben, Kulturevents sowie der Godelheimer See. Auch die Städte geben sich alle Mühe, besonders bei Zielgruppen zu punkten. Der Tourismus bleibt eine wichtige, aber schwierige Dauerbaustelle.

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