Do., 12.09.2019

70 Jahre Currywurst – Auch in Höxter hat die Imbiss-Leckerei Tradition »Wat schönret gibt et nich«

»Currywurst geht immer!« Karin Glänzer reicht Tag für Tag etliche Schalen des Klassikers über die Theke.

»Currywurst geht immer!« Karin Glänzer reicht Tag für Tag etliche Schalen des Klassikers über die Theke. Foto: Greta Wiedemeier

Von Greta Wiedemeier

Höxter (WB). Was schon Herbert Grönemeyer in seinem Lied »Currywurst« besang, gilt auch heute noch: Die Currywurst ist ein Verkaufsschlager. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie jemals ausstirbt«, sagt Imbissbetreiberin Kathrin Hecker.

Um die Entstehung des in der Region beliebten Snacks ranken sich einige Legenden: Da ist ein Roman, in dem die Protagonistin beim Treppensturz versehentlich Curry und Ketchup vermischt; ein Graf, der behauptet sein Küchenmeister habe bereits kurz nach dem Krieg die berühmte Soße kreiert; und – nach dieser Version richtet sich nun auch das Jubiläumsdatum – die Berlinerin Hertha Heuwer, die aus purer Langeweile im September 1949 mit Rest-Zutaten herumexperimentiert und die Currywurst erfunden haben will.

Höxters Currywurst-Idee kam aus Hamburg

Während die Wurst als Herzstück des Snacks in Berlin sowohl mit als auch ohne Darm serviert, aber immer in der Pfanne gebraten wird, ähnelt sie in Wolfsburg einer Bockwurst und landet im Kochtopf. In Höxter hat sich die so genannte »Bratcurry« durchgesetzt: Eine normale, würzige Bratwurst, in Scheiben geschnitten und mit Soße übergossen.

»Meine Eltern waren auf der Gastronomiemesse Internorga in Hamburg und haben die Idee von dort mit nach Höxter gebracht«, weiß Kathrin Hecker im Gespräch auf dem Höxteraner Wochenmarkt zu berichten. In der Kreisstadt gab es die Currywurst dann vor gut 50 Jahren das erste Mal zu kaufen – ob sie allerdings tatsächlich bei der Fleischerei Hecker zum allerersten Mal über die Theke ging, lässt sich heute nur schwer nachvollziehen.

Mantaplatte – der Mix macht’s

An der Rezeptur habe sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht viel geändert: »Bloß das Currypulver – das kam erst vor gut 20 Jahren hinzu«, verrät Kathrin Hecker. Beim Ketchup würden Heckers von Beginn an immer zwei bestimmte Sorten kaufen und vermischen – welche genau, das bleibt natürlich geheim.

Auch bei Andreas und Karin Glänzer geht am Tag die ein oder andere Mantaplatte, also die Kombination aus Currywurst und Pommes, über die Theke: »Bei 60 bis 70 Prozent der Bestellungen ist eine Currywurst dabei«, verraten die beiden, welche Dimension die Liebe der Höxteraner zur Currywurst annimmt. Brötchen oder Weißbrot werden je nach Imbissstand gerne dazu gereicht.

Wurst als Welterbe?

Was eine gute Soße ausmacht? »Eine ausgewogene Grundschärfe und wenig Säure«, sagt Andreas Glänzer. »Wenn sie schon leicht orange aussieht, ist sie meist nix«, betont seine Frau, dass auch die Farbe eine wichtige Rolle spielt.

Übrigens: Passend zum 70. Geburtstag hat auch der österreichische Fernsehkoch Johann Lafer gefordert, die Currywurst solle doch bitte endlich offiziell zum Weltkulturerbe ernannt werden. »Sie ist genauso ein deutsches Kulturgut wie das Hamburger Fischbrötchen«, unterstützt ihn Imbiss-Betreiber Andreas Glänzer. Prominente Unterstützer gibt es in jedem Fall. Denn wie sang schon Grönemeyer: »Wat schönret gibt et nich«.

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