Mo., 16.09.2019

»Mobile Schätzchen« mit 48 Oldtimern – mit Video Jedes Auto erzählt eine Geschichte

Da schauen die autobegeisterten Besucher auf den Marktplatz in Höxter ganz genau hin: Antonius Schulte (41) ist Lehrer an einer Förderschule und hat ein Faible für historische Fahrzeuge. Dieser Mercedes von 1939 war der älteste bei den »Mobilen Schätzchen«.

Da schauen die autobegeisterten Besucher auf den Marktplatz in Höxter ganz genau hin: Antonius Schulte (41) ist Lehrer an einer Förderschule und hat ein Faible für historische Fahrzeuge. Dieser Mercedes von 1939 war der älteste bei den »Mobilen Schätzchen«. Foto: Marius Thöne

Von Marius Thöne

Höxter (WB). Vorsichtig klebt Reiner Wüllrich die Startnummer auf den gelben Lack seines Opel Kadetts C. »Hoffentlich hält die überhaupt. Ich habe das Auto gestern gut gewachst«. Der Lüchtringer war am Sonntag einer von 48 Startern bei der großen Oldtimerausfahrt »Mobile Schätzchen«.

Der Opel, Baujahr 1978 mit 60 Pferdestärken unter der Haube, ist seit 19 Jahren im Besitz des 47-Jährigen. Mit Ausnahme eines neuen Kotflügels und einer frischen Lackierung in Jamaika-Gelb befindet sich der Wagen weitgehend im Originalzustand. Für die Ausfahrt hat Wüllrich sein Gefährt auf Vordermann gebracht. »In die Waschanlage fahre ich nicht. Mein Auto bekommt Streicheleinheiten bei einer Handwäsche«, sagt er. Wüllrich liebt alte Autos, ihre klaren und unterscheidbaren Formen. »Heute sehen die Modelle der Hersteller doch alle irgendwie ähnlich aus«.

Streicheleinheiten für das Auto

Bei der Ausfahrt »Mobile Schätzchen«, die der Automobilclub Höxter (AC) und das WESTFALEN-BLATT gemeinsam ausrichteten, mussten die Teilnehmer auf einem gut 60 Kilometer langen Parcours durch den Nordkreis unterschiedliche Aufgaben lösen. Jörg Sartorius, Rallye-Audi-Fahrer aus Beverungen, spricht von einer »Schnitzeljagd für Erwachsene«.

Die Gewinner

Autos bis Baujahr 1945: Antonius und Katrin Schulte, Löwendorf, Mercedes 170 V.

Autos bis Baujahr 1960: Kai Felsberg und Lukas Kräling, Boffzen, Ford F100.

Autos bis Baujahr 1970: Hendrik Schoel und Sandra Dietrich, Höxter, Ford Mustang Coupe.

Autos bis Baujahr 1992: Anne Wiemers-Meyer und Bernd Wennemann, Höxter/Bremerberg, BMW E3.

Motorräder bis Baujahr 1960: Manfred Ohlenberg, Augustdorf, Herkules 317.

Die Mannschaftswertung konnte das »Team Brakel« für sich entscheiden.

Den Preis für das schönste Auto erhielt ein Jaguar Mark 2 von Armin und Christina Koch aus Herford.

Und daran durften sich in diesem Jahr erstmals auch zwei WESTFALEN-BLATT-Leser beteiligen. Jörg Fischer (43) aus Beverungen und Günter Meier (79) aus Höxter haben bei einem Preisausschreiben ihrer Heimatzeitung gewonnen. Fischer fuhr mit Jörg Sartorius in einem roten Audi, der 1984 zum ersten Mal zugelassen wurde. Meier nahm auf der Rückbank eines grünen Mercedes von 1958 Platz, den Meinolf Gröne aus Lüchtringen steuerte. Beide Gewinner waren sich nach der Tour einig: »Das war ein einmaliges Erlebnis«.

Einmaliges Erlebnis

Einmalig dürfte der Sonntag auch für Antonius Schulte (41) aus Löwendorf gewesen sein. Sein Auto ist beinahe doppelt so alt wie er. Der Mercedes, Baujahr 1939, war einer der Publikumslieblinge bei der Ausstellung der Fahrzeuge auf dem Höxteraner Marktplatz. Vor vier Jahren hat ihn Schulte in Chemnitz von einem Händler über Ebay ersteigert. Wie viel Geld er für das Vorkriegsmodell der Baureihe W136 mit 38 PS bezahlt hat, verrät Schulte nicht. »Ausgeliefert worden ist er nach Chemnitz«, sagt er. Möglicherweise sei das Auto später auch mal in Russland gelaufen. Er habe beim Restaurieren viele russische Bauteile und auch Bonbonpapier russischer Produzenten gefunden. In die Restauration hat Schulte viel Arbeit gesteckt, den Motor musste er austauschen, hat einen baugleichen gefunden, der früher mal einen Gabelstapler antrieb.

Seine Schwester nähte ihm neue Bezüge für die Sitze. Einen Blinker hat der Mercedes nicht, dafür einen Winker, der aus dem Führerhaus mechanisch bedient wird. Lackiert hat Schulte die einstmals schwarze Limousine mit dem runden Dach übrigens nicht. »Das Auto hat eine Geschichte, die soll auch sichtbar sein«, sagt der Lehrer an einer Förderschule.

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