Fr., 27.09.2019

Geschlechtergerechte Kirche: Kfd Höxter beteiligt sich an Unterschriftenkampagne Frauen erheben ihre Stimme

Zeigen mit ihrer Unterschrift Flagge für eine geschlechtergerechte Kirche: Monika Specht (von links) Beate Funnemann, Marielies Nierychlo und Eva Wiesemann. Die Kfd St. Peter und Paul Höxter beteiligt sich an der Aktionswoche.

Zeigen mit ihrer Unterschrift Flagge für eine geschlechtergerechte Kirche: Monika Specht (von links) Beate Funnemann, Marielies Nierychlo und Eva Wiesemann. Die Kfd St. Peter und Paul Höxter beteiligt sich an der Aktionswoche. Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Höxter (WB). Die Katholische Frauengemeinschaft St. Peter und Paul Höxter beteiligt sich an der laufenden Aktionswoche ihres Bundesverbandes mit dem Titel »Macht Euch stark für eine geschlechtergerechte Kirche«. Vorsitzende Eva Wiesemann und ihr Team sammelten nach der Frauenmesse am Dienstag Unterschriften und verteilten Anstecknadeln mit dem Symbol der Kampagne – dem Purpurkreuz.

»Wir wollen eine Kirche, in der Frauen Führungsaufgaben übernehmen können und mit ihren Berufungen ernst genommen werden. Wir wollen eine Kirche, in der Frauen zu allen Weiheämtern zugelassen und endlich zu 50 Prozent an allen Entscheidungen beteiligt sind.« Diese zentralen Forderungen des mit 450.000 Mitgliedern größten katholischen Frauenverbandes in Deutschland bekräftigte Eva Wiesemann mit dem Hinweis, dass das gemeinsame Aufbegehren der Kfd-Mitglieder keine Modeerscheinung sei: »In der Kirchengeschichte hat es zu allen Zeiten Frauen gegeben, die ihre Stimme erhoben haben, um auf ungerechte Strukturen und Verhältnisse aufmerksam zu machen.«

Frauen der ersten Stunde der Jesusbewegung

Diese starken Frauen nimmt sich die Kfd im Diskurs über Ämter und Dienste in der Kirche ebenso zum Vorbild wie die beiden biblischen Frauen Junia und Maria Magdalena. So wie sie sich als Frauen der ersten Stunde der Jesusbewegung zum Sohn Gottes bekannt haben, erhebt die Kfd aus dem Geist der Nachfolge Christi heraus ihre Stimme.

Purpurkreuz erinnert an Lydia

»Wir warten nicht auf eine Veränderung in der Kirche, wir leben sie«: In diesem Sinne setzen die Höxteranerinnen Zeichen. Aus voller Überzeugung tragen sie das Purpurkreuz als äußeres Zeichen für die Forderung nach einer geschlechtergerechten Kirche. Es erinnert an die Purpurhändlerin Lydia aus dem griechischen Philippi, die als erste Christin auf europäischem Boden Geschichte geschrieben hat und von Paulus getauft wurde.

»Mit dem Purpurkreuz stellen wir uns in die Folge Lydias und knüpfen an die Würde an, für die diese Farbe bei hohen kirchlichen Amtsträgern steht«, erläuterte Eva Wiesemann. »Wir sehen uns in der Tradition der feministischen Bewegung: Unzufrieden, dass Frauen der Zugang zu Weiheämtern verwehrt bleibt, fordern wir die Öffnung des Diakonats und Priesteramts für Frauen.«

"

Wir sind ein starker Verband. Das gibt uns Macht.

Eva Wiesemann

"

An keiner Stelle im Evangelium schließe Jesus Menschen aus oder weise sie ab, zitierte Höxters Kfd-Vorsitzende aus dem Appell an die Bischöfe, den die Theologin Maria Mesrian am Sonntag bei der Menschenkette der Frauen-Initiative Maria 2.0 um den Kölner Dom vor etwa 800 Menschen zum Ausdruck gebracht hatte. »Daher fordern wir den Zugang zu allen Ämtern für alle Getauften und Gefirmten.«

Diesem Anliegen schließen sich die Höxteranerinnen nachdrücklich an. Mit ihrer Unterschrift beteiligten sie sich an einer Bewegung, von der sich die Kfd Wirkung verspricht. Eva Wiesemann: »Wir sind ein starker Verband. Das gibt uns Macht.«

Kommentar

Frauen gehen wählen. In (vermeintlichen) Männerdomänen von der Bundeswehr bis zur Raumfahrt sind sie präsent. All das empfinden Mädchen, die hier und heute heranwachsen, als völlig selbstverständlich. Umso erstaunter nehmen sie zur Kenntnis, dass Frauen erst seit 100 Jahren wählen dürfen und ihre berufliche Selbstverwirklichung noch vor wenigen Jahrzehnten spätestens mit Beginn der Familienphase zu Ende war. Natürlich ist in der Gleichberechtigung noch nicht alles erreicht. Trotzdem steht das weibliche Geschlecht – der Frauenbewegung sei Dank – den Männern weitgehend auf Augenhöhe gegenüber.

In der katholischen Kirche hat diese Gleichberechtigung unzeitgemäße Grenzen. Die Kfd und die Initiative »Maria 2.0« setzen sich vehement und unter breiter Zustimmung dafür ein, diese Schranken zu überwinden und Frauen den Zugang zu allen Weiheämtern zu öffnen. Das sollte eigentlich im 21. Jahrhundert so selbstverständlich sein wie das vor 100 Jahren erkämpfte Frauenwahlrecht. Der Gott, an den wir Christen glauben, hat Frauen mit den gleichen Charismen und Talenten ausgestattet wie Männer. Als liebender Vater bevorzugt er keine seiner Kinder. Es sind Traditionen, die Frauen ausschließen und männerdominierte Machtstrukturen hervorgebracht haben. Es ist an der Zeit, diese zu durchbrechen.

Der Weg dorthin wird kein leichter sein. Die Mühlen der Weltkirche mahlen langsam. Und ob der synodale Weg der Deutschen Bischofskonferenz womöglich nur hierzulande zu mehr Geschlechtergerechtigkeit führen kann und darf, bleibt fraglich.

Trotz aller Unwägbarkeiten und trotz Gegenwindes aus dem Vatikan erweisen die Kfd und die Frauen-Initiative »Maria 2.0« der Kirche und ihrer Glaubwürdigkeit einen großen Dienst. Die Jugend sieht, dass progressive Kräfte etwas bewegen wollen. Wer erlebt, dass Menschen für Erneuerung kämpfen und dabei eine Diskussionskultur des gegenseitigen Respekts pflegen, akzeptiert, dass Ziele schwer und nicht zügig zu erreichen sind. Davon abgesehen ist die Mauer vor 30 Jahren am Ende auch unerwartet schnell gefallen. Bleiben wir also zuversichtlich. Und unterstützen wir die mutigen Frauen, die das Kirchenschiff auf Gleichberechtigungskurs bringen wollen. Ihre Aufbruchsstimmung tut der Kirche gut. Sabine Robrecht

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6960078?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F