Mi., 09.10.2019

Identität des Fahrers steht amtlich noch nicht fest – zwei Gespräche des PSU-Teams mit Feuerwehrleuten Tödlicher Unfall in Stahle: »Einer der belastendsten Einsätze«

Am Friseursalon in Stahle ist eine Gedenkstelle entstanden, das Ladenlokal wurde abgesichert. Viele Passanten halten inne. Familie und Freunde erinnern mit Kerzen und Blumen an den Verstorbenen.

Am Friseursalon in Stahle ist eine Gedenkstelle entstanden, das Ladenlokal wurde abgesichert. Viele Passanten halten inne. Familie und Freunde erinnern mit Kerzen und Blumen an den Verstorbenen. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter/Stahle (WB). Auch sechs Tage nach dem tödlichen Unfall in Stahle steht die Identität des Autofahrers noch nicht amtlich fest. Die Untersuchungen und die Vorlage eines Abschlussberichtes können laut Polizeipressestelle noch längere Zeit in Anspruch nehmen. In Stahle, Albaxen und in den Nachbarorten bewegt der Unfall die Menschen emotional weiter sehr stark.

Wie berichtet, war am 3. Oktober um 23.32 Uhr ein Golf-Fahrer mit seinem Wagen mit großer Geschwindigkeit aus Richtung Albaxen kommend in »Freias Friseursalon« an der Stahler Kreuzung B83/Holzmindener Straße gefahren. Der Mann starb in dem Unfallwagen, der sich sofort entzündet hatte und auch den Salon in Flammen setzte. Zu den Umständen des Unfallhergangs und zur DNA-Identifizierung des verbrannten Fahrers – zu dem konkrete Hinweise vorliegen – gibt es von der Polizei Höxter zurzeit keine neuen Mitteilungen. Es existiert auch keine amtliche Bestätigung für die in der Region und in sozialen Netzwerken geäußerten Hinweise auf einen jungen Mann aus dem nahen Umfeld des VW-Golf-Halters, der mit dem Auto nach Stahle gefahren sein soll.

60 Feuerwehrleute des Löschzuges Höxter Kernstadt sowie aus den Löschgruppen Albaxen, Stahle und Lüchtringen waren bei Feuer zum Teil sechs Stunden im Einsatz. Stadtbrandinspektor Jürgen Schmits nannte das Unfallgeschehen mit dem schweren Verkehrsunfall mit verstorbener Person und einem ausgedehnten Gebäudebrand einen der belastendsten Einsätze der vergangenen Jahre. Deshalb habe man noch in der Nacht mit vielen Einsatzkräften Gespräche über das tragische Geschehen geführt, und auch am 4. Oktober hätten am Abend noch einmal 20 Feuerwehrleute im Stahler Gerätehaus mit dem PSU-Team (Psychosoziale Unterstützung des Kreises Höxter) intensiv gesprochen. Neben der Gruppe der Notfallseelsorger moderierten die Fachleute solche Gespräche, um möglichen Belastungen und Traumata entgegen zu wirken. Man habe immer über den »Fall« gesprochen, über eine Person, die man noch nicht kenne.

Hilfe durch PSU-Team

Feuerwehrleute setzen sich oft Gefahren aus, um Menschen in Not zu helfen. In Extremfällen retten sie Schwerverletzte aus Trümmern, bringen unter Zeitdruck Opfer in Sicherheit oder bergen Tote. Im Einsatz sehen sie unter Umständen mit an, wie Kameraden, Verwandte oder Freunde zu Schaden kommen. Jeder Einsatz birgt dieses Risiko. Manchmal sind es auch die Erlebnisse mehrerer Einsätze, die die Seele verletzen. Die Psychosoziale Unterstützung (PSU) hilft den Einsatzkräften deshalb dabei, belastende Eindrücke zu verarbeiten. Posttraumatische Belastungsstörung Schlafstörungen, Reizbarkeit, mangelnde Konzentration oder depressive Stimmung weisen manchmal erst nach einiger Zeit darauf hin, dass die Helfer an einer Posttraumtischen Belastungsstörung (PTBS) leiden. Es ist notwendig, Einsatzkräfte auf seelische Belastungen vorzubereiten und sie nach einem Einsatz psychologisch zu betreuen.

»Beim Umgang mit traumatischen Erlebnissen wie in Stahle leistet die PSU wertvolle Unterstützung und hat sich kreisweit bewährt«, sagte Stadtbrandinspektor Jürgen Schmits. Für nicht wenige Kameraden sei der Unfall die erste Konfrontation mit solchen Realitäten gewesen. Das PSU-Team würde allen anbieten, bei Bedarf sofort weitere Gespräche zu führen.

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