Do., 10.10.2019

Neue Verträge sollen Angebot verbessern – Nahverkehrsverbund hat mehr Kontrolle Go on übernimmt 52 Buslinien im Hochstift

Die neuen Busse, die Go on anschaffen will, sollen alle das neue Markendesign (weiße Farbe mit roter Wellenlinie) erhalten und mit dem »Fahr mit«-Logo versehen werden. Hier hält ein Bus in Warburg (Kreis Höxter).

Die neuen Busse, die Go on anschaffen will, sollen alle das neue Markendesign (weiße Farbe mit roter Wellenlinie) erhalten und mit dem »Fahr mit«-Logo versehen werden. Hier hält ein Bus in Warburg (Kreis Höxter). Foto: NPH

Von Matthias Band

Paderborn/Höxter (WB). Das Verkehrsunternehmen Go on mit Sitz in Bielefeld übernimmt zum 1. August 2020 fünf der 13 sogenannten Linienbündel im Hochstift. Das wird sich auf den Busverkehr im Raum Paderborn, im Norden des Kreises Höxter, in der Warburger Börde, im Wesertal sowie auf die Städte Delbrück und Brakel auswirken.

Die fünf Linienbündel (1 Delbrück, 3 Brakel, 4 Warburger Börde, 9 Nordkreis Höxter und 11 Wesertal), die 52 Buslinien umfassen, waren europaweit ausgeschrieben worden und sind nun vom Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter (NPH) als ÖPNV-Aufgaben­träger neu vergeben worden. Die Laufzeit des Vertrages beträgt ­sieben beziehungsweise für das Linienbündel im Raum Delbrück acht Jahre. »Mit Go on haben wir einen zuverlässigen Partner an unserer Seite, mit dem wir bereits in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet haben«, sagte NPH-Verbandsvorsteher Dr. ­Ulrich Conradi am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Neu ist die Gemeinwirtschaftlichkeit

Neu an dem Vertrag mit Go on ist die sogenannte Gemeinwirtschaftlichkeit. Bislang wurden die Linien in Eigenwirtschaftlichkeit betrieben, was bedeutet, dass die Unternehmen die Buslinien auf eigenes ­Risiko betreiben. Das gilt aktuell noch für die restlichen sieben ­Linienbündel und das Nachtbusangebot im NPH-Bereich. Aber auch hier soll in den kommenden Jahren, wenn die Angebote neu ausgeschrieben werden, auf Gemeinwirtschaftlichkeit umgestellt werden.

»Wir sind bislang als öffentliche Hand gut gefahren mit der Eigenwirtschaftlichkeit. Aber dieses System funktioniert nicht mehr«, sagte Conradi. Die sich verändernden Rahmenbedingungen für die Verkehrsunternehmen wie die demografische Entwicklung führten dazu, dass es weniger Schülerverkehre und weniger Fahrgeldeinnahmen für die Unternehmen geben werde. Conradi: »Und der gesellschaftlich gewünschte Klimaschutz wird dazu führen, dass höhere Kosten wie die Anschaffung von Elektrobussen auf die Unternehmen zukommen werden.«

Umlage für die Kreise Paderborn und Höxter wird steigen

Der Vorteil der Gemeinwirtschaftlichkeit sei, dass der NPH flexibler reagieren, die Qualität besser überwachen und auch konkrete Vorgaben für den Fahrplan machen könne, was heute nicht möglich sei. »Künftig haben wir mehr Einfluss und können zusätzliche Busse bestellen, wenn sich ein Bedarf abzeichnet«, sagte Conradi. Generell wolle der NPH mehr Marketing betreiben, um weitere Fahrgäste für den öffentlichen Personennahverkehr zu begeistern. Auch die Frage, welche Preise und Tarife künftig angemessen seien, müsse gestellt werden. »Die Frage ist, woher kommen die Gelder dafür, wenn die Preise gesenkt werden«, sagte Conradi. Perspektivisch müsse vermutlich die Umlage für die Kreise Paderborn und Höxter steigen. Conradi: »Wir werden Steuergelder investieren müssen, und wir wollen das ja auch, weil wir mehr Fahrgäste im ÖPNV haben wollen. Wir gucken immer in die Großstädte, aber ich denke, dass auch im ländlichen Raum mehr möglich ist.«

Die Firma Go on gibt es seit dem Jahr 2000. Mit den fünf Linienbündeln hat sie einen Millionenauftrag an Land gezogen. Aktuell sind 23 Busfirmen aus Ostwestfalen als Gesellschafter im Go-on-Unternehmen organisiert. Zwei Linienbündel bedient Go on bereits im Hochstift, das Linienbündel 2 im Bereich Hövelhof und das Linienbündel 10 zwischen Paderborn und Bad Driburg (Egge). Derzeit verfügt das Unternehmen über 85 Busse. »Wir werden unser Volumen nun verdoppeln und weitere 85 neue Busse kaufen«, kündigte Go-on-Geschäftsführer Dirk Hänsgen an. Die neuen Busse, die den neuesten Umweltanforderungen entsprächen, sollen alle das neue Markendesign (weiße Farbe mit einer roten Wellenlinie) erhalten und mit dem »Fahr mit«-Logo versehen werden. Sie sollen barrierefrei und mit WLAN ausgerüstet sein sowie über Monitore verfügen, die den Streckenverlauf anzeigen und ­extra starke Klima­anlagen haben.

Kunden können sich ab Juni 2020 genauer informieren

Im Kreis Höxter werde sich gar nicht so viel verändern, sagte der Go-on-Geschäftsführer Hänsgen. Die Firma Weser-Egge-Bus (WEB), die sich zum Teil von Linien entbinden lassen hatte, werde wieder mit im Boot sein. Und die Firma Reifers Reisen aus Warburg soll Go-on-Mitglied werden. Hänsgen: »Es werden sogar die selben Busfahrer sein wie bisher.« Im Kern soll der Fahrplan der einzelnen Buslinien bestehen ­bleiben. Unter anderem im Schülerverkehr soll es aber dort, wo es bislang Probleme gab, Verbesserungen geben, kündigte der NPH an.

Nahverkehrskunden können sich vermutlich ab Juni 2020 über das neue Angebot in der »Fahr-mit«-Mobithek, in den NPH-Centern und unter Tel. 05251/2930400 und im Internet unter www.fahr-mit.de informieren.

Kommentar

Dass der ÖPNV ein Zusatzgeschäft ist, ist keine neue Erkenntnis. Dass sich jetzt aber auch der regionale Busverkehr für die heimischen Unternehmen nicht mehr rechnet, schon. Deswegen übernimmt nun der NPH das Risiko, erhält dadurch aber auch mehr Einfluss. Das ist gut so und führt hoffentlich dazu, dass es keine überfüllten Busse mehr im Schülerverkehr gibt, weil der zweite Bus schon bereitsteht, wenn der erste losgefahren ist.

Wenn die Gesellschaft wirklich mehr öffentlichen Personennahverkehr und Klimaschutz will, dann wird das die öffentliche Hand, also im Endeffekt jeder einzelne von uns mitfinanzieren müssen. Ein Elektrobus kostet etwa doppelt so viel wie ein Dieselbus. Ganz zu schweigen von der Ladeinfrastruktur an den Bushalteendstationen, von der bislang noch niemand spricht.

Und auch die Preise müssen sinken, damit mehr Menschen Busse statt Autos nutzen. Auch das wird die öffentliche Hand gegenfinanzieren müssen. Klimaschutz bedeutet Einschnitte – und Klimaschutz kostet Geld. Das sollte jedem klar sein.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6990374?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F