Fr., 11.10.2019

Archäologen untersuchen Stadtwüstung Corvey Forschen ohne Bagger und Spaten

Mario Wallner vom Ludwig-Boltzmann-Institut nimmt Magnetikmessungen auf dem Gelände der 1265 zerstörten Stadt Corvey vor.

Mario Wallner vom Ludwig-Boltzmann-Institut nimmt Magnetikmessungen auf dem Gelände der 1265 zerstörten Stadt Corvey vor. Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Höxter (WB). Die 1265 wüst gefallene Stadt Corvey bei Höxter – das Pompeji von Westfalen – kann virtuell wieder auferstehen. Daran arbeitet ein Forscherteam des LWL und eines Fachinstituts aus Wien.

Die Fachleute untersuchen mittels modernster Technologien ohne Bagger und Spaten die Überreste der mittelalterlichen Siedlung um das ehemalige Kloster Corvey. Oberflächlich ist von der ursprünglich großen Siedlung, die im Juli 1265 im Zuge einer Fehde durch Bischof Simon von Paderborn, Corveyer Ministerialen und Bürger von Höxter verwüstet wurde, nichts mehr zu sehen. Frühere Ausgrabungen und Prospektionen haben aber gezeigt, dass sie sich über etwa 40 Hektar erstreckte. Darin enthalten ist der acht Hektar große Klosterbezirk, auch Civitas genannt. Er bildet zusammen mit dem karolingischen Westwerk das eigentliche Weltkulturerbe.

»Die Stadtwüstung ist die Pufferzone zum Welterbe«, sagt Höxters Stadtarchäologe Andreas König. »Der Managementplan für das Welterbe sieht vor, dass hier keine zerstörenden Bodeneingriffe mehr zulässig sind.« Dazu gehören auch archäologische Grabungen. Also trifft es sich gut, dass neue Technologien zerstörungsfreie Untersuchungen ohne Spaten ermöglichen.

Virtuelle Archäologie aus Wien

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe arbeitet dabei mit dem Ludwig-Boltzmann-Institut für archäologische Prospektion und virtuelle Archäologie aus Wien zusammen. Zu dessen Referenzobjekten gehören internationale Fundstellen wie Stonehenge. »In dieser Liga spielt Corvey durchaus mit«, ordnet Joris Coolen von der LWL-Archäologie für Westfalen das Projekt als hochrangig ein. Und er deutet auf einen Traktor, der in dieser Woche auf den Feldern rund um das stillgelegte Sägewerk unterwegs war. Das Fahrzeug schiebt Radarsonden vor sich her. »Wir senden Radarstrahlen aus, die von den Mauern im Boden reflektiert werden und uns so ein Bild liefern.«

Angefangen ist das Team mit diesen hochauflösenden Radarmessungen ganz bewusst an der Marktkirche der Stadtwüstung, deren Standort aus früheren Grabungskampagnen bekannt ist. Der Testlauf hat gezeigt, dass die Methode funktioniert. »Wir sehen die Mauern«, erläutert Joris Coolen diese, wie er sagt, »viel versprechenden Daten«.

Magnetikmessungen sind die Lösung

Parallel arbeiten die Forscher mit Magnetikmessungen, die Befunde wie Öfen und verfüllte Gruben erkennen lassen. Dass beide Methoden Erkenntnisse liefern, die eine virtuelle Rekonstruktion ermöglichen, hoffen alle Beteiligten. »Wir stehen aber erst am Anfang«, so Coolen. Die Untersuchungen werden Jahre dauern. Höxters Baudezernentin und LGS-Geschäftsführerin Claudia Koch ist optimistisch, dass zur Landesgartenschau 2023 ein erstes Element präsentiert werden kann. Die Untersuchungen »sind die Grundsteinlegung für ein neues touristisches Highlight«.

Dieses rankt sich um eine Stadt, die in einer Linie mit den ältesten westfälischen Städten steht, betont Andreas König. Mit 200 bis 400 Häusern und maximal 2500 Einwohnern war Corvey eine Mittelstadt. Da sie auch eine Weserbrücke hatte, machte sie dem benachbarten Höxter Konkurrenz. Bürger Höxters beteiligten sich deshalb an der Plünderung im Juli 1265. In jener Nacht brannte die Stadt Corvey, deren spätromanischer Grundriss bis heute unter der Erde schlummert.

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