Mi., 23.10.2019

Beteiligte am Projekt »Smart Country Side« aus den Kreisen Lippe und Höxter ziehen positive Bilanz Digitalisierung bietet beste Chancen

Im Dorfgemeinschaftshaus Brakelsiek sind zum Abschluss des von den Kreisen Lippe und Höxter gemeinsam durchgeführten Projektes »Smart Country Side« die Ergebnisse der beteiligten Dörfer präsentiert worden – hier mit den Landräten Friedhelm Spieker (Höxter, 2. von rechts) und Dr. Axel Lehmann (Detmold, 5. von rechts).

Im Dorfgemeinschaftshaus Brakelsiek sind zum Abschluss des von den Kreisen Lippe und Höxter gemeinsam durchgeführten Projektes »Smart Country Side« die Ergebnisse der beteiligten Dörfer präsentiert worden – hier mit den Landräten Friedhelm Spieker (Höxter, 2. von rechts) und Dr. Axel Lehmann (Detmold, 5. von rechts). Foto: Heinz Wilfert

Höxter/Detmold (WB/nf). Vor drei Jahren hat das Projekt »Smart Country Side« (SCS) in den Kreisen Höxter und Lippe begonnen, ländliche Räume zukunftsfähig zu machen. Die Beteiligten haben jetzt zum Abschluss eine positive Bilanz gezogen.

 

Bürger erprobten im Projekt das digitale Dorf von morgen und bewiesen unter dem Motto »Leben auf dem Land – aber in der Welt zuhause«, dass sie über den Mut zum Wandel verfügen. Dass dies sehr gut gelungen ist, zeigte sich in der gemeinsamen Abschlussveranstaltung und der Präsentierung der einzelnen Dorfprojekte in Brakelsiek (Lippe). Zur Umsetzung waren bedarfsgerechte und nutzerfreundliche Lösungen gefragt. »Wir haben es geschafft, mit dem Projekt neue Impulse für das Leben in unseren Dörfern zu setzen und können stolz auf die Ergebnisse sein«, sagte Dr. Axel Lehmann, Landrat des Kreises Lippe. Den Bürgern empfahl er: »Machen Sie weiter und bringen sich ein!«

Förderung aus EU-Mitteln

Das Projekt sei vorbildhaft, weil sich mit Förderung aus EU-Mitteln gleich zwei Kreise (Lippe und Höxter) gemeinsam auf den Weg gemacht hätten. Zum Erfolg des Prozesses habe auch der gleichzeitige Ausbau des Breitbandnetzes beigetragen. »Mit Smart Country Side ist es gelungen, deutschlandweit als Vorreiter vorwegzugehen«, betonte Höxters Landrat Friedhelm Spieker. Nicht nur für die beteiligten Orte sei das Projekt ein Gewinn: »Durch die modellhafte Entwicklung von Lösungen kann deutschlandweit der ländliche Raum von den Ergebnissen profitieren«. Ländliche Räume wie die Kreise Lippe und Höxter stünden vor besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Digitalisierung biete hierbei beste Chancen, Defizite auszugleichen und die Lebensqualität zu erhöhen.

Ein Plädoyer für die Zukunft der Dörfer hielt Hans-Werner Gorzolka aus Ovenhausen, das mit Sande­beck, Merlsheim, Eversen, Wehrden und Rösebeck zu den sechs »Smart Country Dörfern« im Kreis Höxter gehörte. »Zukunft ist gestaltbar und sie muss im Kopf beginnen«, zitierte er Bundespräsident Steinmeier. Für die Dorfentwicklung brauche es aber »Überzeugungstäter mit einem klaren inneren Kompass« – und einer Mischung aus Optimismus und Realismus. Das »SCS«-Projekt sei der klare Gegenentwurf, sich aus allem rauszuhalten.

Soziale Innovationen

Von unschätzbarem Wert hätten sich längst das Ehrenamt und der bürgerschaftliche Beitrag erwiesen. Dass gerade Digitalisierung und soziale Innovationen dabei helfen können, ländlich geprägte Räume lebenswert und zukunftsfähig zu gestalten, verrieten die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen. So wurden in allen Modelldörfern erfolgreich der »Dorffunk« und neue Webseiten (für Dorf und Gemeinde) eingeführt. Die »Dorffunk-App« soll die dörfliche Gemeinschaft unterstützen und helfen, die Kommunikation zu fördern.

Im Kreis Höxter wurden zur Einführung von Dorfseiten und »Dorffunk« weitere neun digitale Anwendungen aus Modellorten entwickelt und erprobt – zum Beispiel die Plattform »Kirche digital«, die Pfarrbriefe, 360 Grad-Kirchenansichten und Tageslosungen sowie Gruppen-Chats von Messdienern und Firmlingen ermöglicht. Zu den neuen Anwendungen im Kreis Höxter gehört auch eine »Immobilien-Plattform«, die Neubürger im Dorf über die Online-Bereitstellung von hilfreichen Tipps (von ortsansässigen Handwerkern und möglichen Fördermitteln) sowie über themenbezogenen Gruppen-Chats in der Bauphase digital begleitet.

Weitere Umsetzungsprojekte in Kooperation mit der Caritas Deutschland ist beispielsweise die Plattform »Das sorgende Dorf«, mit der bestehende analoge Hilfsangebote für Menschen digital ergänzt werden sowie die »Smarte Bürgerhalle«, die es drei Dörfern ermöglicht, Licht, Heizung Jalousien, Medien und Verbräuche digital zu steuern.

140 Digital-Experten ausgebildet

Im Kreis Höxter wurden in den 18 Monaten 140 Dorf-Digital-Experten ausgebildet und in den betreffenden Modellorten »digitale Klassenzimmer« eingerichtet. In denen könnten selbst organisierte Kurse für die Dorfgemeinschaften stattfinden. Dieses Projekt wurde im Dezember 2018 mit dem Innovationspreis des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung ausgezeichnet. »Wir sind stolz, dass wir anderen Kreisen und Regionen einen Einblick in unsere Erfahrungen geben können«, zog Friedhelm Spieker am Ende sein positives Fazit. Die erarbeitete Handlungsbroschüre könne unter »www.innovation-landlab.de« im Netz heruntergeladen werden.

 

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