Fr., 01.11.2019

Vom Keller bis zum Dach: Krankenhaus in Höxter steckt voller Technik 800 PS springen im Notfall an

Von Marius Thöne   

Höxter (WB). Fast fünf Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht das Höxteraner St.-Ansgar-Krankenhaus jedes Jahr. Das entspricht etwa dem Energieverbrauch von 1300 Vier-Personen-Haushalten. Etwa die Hälfte des Stroms produziert das Krankenhaus mit Hilfe eines Blockheizkraftwerkes selbst.

Die Klinik mit fast 400 Betten steckt vom Keller bis zum Dach voller Technik – für die Strom- und Wasserversorgung, die Lüftung und die Aufzüge. Der Herr über die Anlagen ist Norbert Henke (62). Mit zwölf Mitarbeitern kümmert sich der Elektromeister darum, dass immer alles funktioniert – 24 Stunden, sieben Tage die Woche.

Im Keller ist die Heizungs- und Lüftungstechnik untergebracht. Herzstücke des Heizungsraumes sind das Blockheizkraftwerk (BHKW), das mit einer Leistung von rund 550 Kilowatt für warmes Wasser sorgt und zugleich Strom produziert. »Den Strom verbrauchen wir ausschließlich selbst, wir speisen nichts in Netz ein, das rechnet sich nicht«, sagt Henke. Wenn die erzeugte Wärme nicht sofort abgenommen werden kann, werden zunächst Pufferspeicher mit einem Volumen von 30.000 Litern aufgeheizt. Erst dann schaltet sich das Heizkraftwerk ab.

BHKW ist das Kraftpaket im Keller

»Normalerweise kommen wir bis zu einer Außentemperatur von null Grad damit gut zurecht«, berichtet der Boffzener. Wird es kälter, springt ein Kessel an, der sowohl mit Heizöl als auch mit Gas betrieben werden kann. »Davon hatten wir bis 2015 zwei, seitdem das BHKW da ist, brauchen wir den verbliebenen noch zur Reserve«, sagt der Haustechniker.

Apropos Reserve: Was passiert eigentlich, wenn im Krankenhaus einmal der Strom ausfällt? Dann kommt ein 800 PS starker Schiffsdieselmotor aus den 1970er Jahren zum Einsatz, der ebenfalls im Keller des Krankenhauses steht. Er sorgt dafür, dass die Versorgung mit Strom und warmem Wasser für 48 Stunden aufrecht erhalten werden kann. »Allerdings nicht im Vollbetrieb«, schränkt Henke ein. Operationen könnten zu Ende geführt werden und müssten anschließend auf das Nötigste reduziert werden. Henke arbeitet seit 2009 im St.-Ansgar-Krankenhaus. »In den vergangenen zehn Jahren haben wir den Dieselmotor nicht gebraucht«, sagt er. Zum Einsatz käme er, wenn es zu einem Blackout kommen würde, ähnlich wie 2005 nach einem Schneesturm im Münsterland. Das Wasser würde dann mittels Heizstäben erwärmt, die in die Speicher eingebaut worden sind. Bei einem Heizungsausfall kann außerdem ein so genannter Wärmecontainer angeschlossen werden, der dann vor dem Gebäude aufgestellt wird.

Umstellung auf LED-Beleuchtung

Ausgeklügelt ist im St.-Ansgar-Krankenhaus auch das Lüftungssystem. Damit warme Abluft nicht ungenutzt verpufft, gibt es auf dem Dach Anlagen zur Wärmerückgewinnung. Das spart Energie. Energiesparen ist ohnehin ein wichtiges Thema in der größten Klinik im Kreis, die 1978 eröffnet wurde. Immer wieder wird in moderne Technik investiert. So wurden in den vergangenen Jahren an der Heizungsanlage hocheffiziente Zirkulationspumpen eingebaut. Die Beleuchtung wird derzeit auf LED-Technik umgestellt. Dabei gilt Devise: Je länger eine Lampe brennt, desto früher wird sie durch die energiesparende Technik ersetzt.

Saniert wurde im vergangenen Jahr die Trinkwasseranlage. Dabei stand insbesondere die Legionellenbekämpfung im Vordergrund. Wurden diese bisher chemisch bekämpft, erfolgt die Desinfektion nun thermisch bis 70 Grad in einer speziellen Anlage.

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