Fr., 15.11.2019

Panne: Landrat und Bürgermeister gratulieren Witwe aus Höxter zur Goldhochzeit »Das hat mich sehr getroffen«

Ihr Bild in der Zeitung sehen möchte Roswitha Höppner nicht. Trotzdem hat sie nach langem Überlegen ihren Fall öffentlich gemacht, weil sie möchte, dass vor dem Versenden von Glückwunschschreiben künftig genauer hingesehen wird.

Ihr Bild in der Zeitung sehen möchte Roswitha Höppner nicht. Trotzdem hat sie nach langem Überlegen ihren Fall öffentlich gemacht, weil sie möchte, dass vor dem Versenden von Glückwunschschreiben künftig genauer hingesehen wird. Foto: Marius Thöne

Von Marius Thöne

Höxter (WB). Stellen Sie sich vor, Ihr Ehepartner stirbt und vier Monate später gratulieren Ihnen Bürgermeister und Landrat zur Goldenen Hochzeit. Roswitha Höppner aus Höxter hat das erlebt. Die Briefe aus Stadt- und Kreishaus machen sie immer noch traurig.

Ihr Ehemann Hans-Dieter ist am 26. April dieses Jahres gestorben, exakt vier Monate vor seiner Goldhochzeit. Am 27. August holte Roswitha Höppner dann ein großes Kuvert aus dem Briefkasten. Darin: zwei offizielle Glückwunschschreiben zum Jubelfest, eines unterzeichnet von Bürgermeister Alexander Fischer, das zweite von Landrat Friedhelm Spieker. »Ich hoffe, dass Sie noch viele Jahre glücklich und gemeinsam verleben können«, schrieb Fischer. »Als ich das gelesen habe, musste ich mich erst einmal setzen, das hat mich sehr schockiert«, blickt Roswitha Höppner zurück. Sie hätte gerne mit ihrem Ehemann noch Goldene Hochzeit gefeiert. »Aber es war uns leider nicht vergönnt«, sagt sie. Der Hochzeitstag sei in diesem Jahr für sie ohne hin nicht einfach gewesen. »Die beide Briefe haben mich dann noch zusätzlich betroffen gemacht«.

Hochzeitstag nicht einfach

Die 74-Jährige hätte Verständnis gehabt, wenn ihr Mann zum Goldhochzeitstermin erst ein paar Tage tot gewesen wäre. »Aber dieser Fall ist jetzt schon ein wenig anders gelagert«, sagt sie und fragt sich, ob sich denn in den Verwaltungen niemand ernsthaft mit solchen Glückwunschschreiben befasst. »Mein Mann ist beim Einwohnermeldeamt ordnungsgemäß abgemeldet worden, das hätte dort auffallen müssen«, meint die Witwe verärgert. »Das funktioniert doch heute sicherlich alles mit Hilfe von Computern«, vermutet die rüstige Seniorin aus der Kernstadt.

Stadt versendet beide Briefe

Stadtsprecher Sebastian Vogt bedauerte den Vorfall gestern sehr. »Dafür können wir uns nur entschuldigen«, sagte er auch im Namen von Bürgermeister Alexander Fischer. Vogt erläuterte, dass die Glückwunschschreiben gemeinsam mit dem Kreis jeweils schon am Anfang des Jahres erstellt und dann von der Stadt zum Termin verschickt würden. »Bevor das passiert, gleichen wir die Daten im Einwohnermeldeamt noch einmal ab«, berichtete Vogt. Im Fall von Frau Höppner sei an dieser Stelle »leider etwas schiefgelaufen«. Normalerweise dürfe ein solch »bedauerlicher Fehler« nicht passieren. Vogt wies darauf hin, dass es schon einmal zu Überschneidungen kommen könne, beispielsweise wenn jemand im Ausland stirbt. »Dann ist es schon vorgekommen, dass die Sterbeurkunde hier erst nach einem Ehejubiläum oder Geburtstag vorgelegen hat«, so Vogt. Die Stadt möchte sich bei Frau Höppner noch schriftlich entschuldigen.

Großes Bedauern bei Stadt und Kreis

Auch Thomas Fuest, Pressesprecher von Landrat Friedhelm Spieker, drückte sein Bedauern aus. »Der Kreis Höxter bedauert sehr, dass das Schreiben versehentlich versendet worden ist. Dies hätte nicht passieren dürfen. Der Ehefrau und allen Angehörigen des Verstorbenen gilt unser tiefes Mitgefühl.«

Kommentare

Dr. Lindemann

Oha, Dr. Lindemann! Empathie geht aber anders. Man könnte fast denken, Sie fühlten sich persönlich angegriffen.
Ein genaueres Lesen des Artikels hätte einige Ihrer Vorhaltungen klären können. Frau Höppners Intention war es eben nicht, sich „Luft“ zu machen, sondern „dass vor dem Versenden von Glückwunschschreiben künftig genauer hingesehen wird“ (s. Bildunterschrift), um anderen ein solches Erlebnis zu ersparen. Dass es sich nicht nur um einen Einzelfall handelt, wird anhand der angesprochenen Problematik der – sicherlich seltenen – Überschneidungen deutlich. Nur, weil Sie keine Kenntnis über ähnlich gelagerte Fälle haben, heißt das nicht, dass es sie nicht gibt.Des Weiteren werden Sie, wenn Sie denn die Samstagsausgabe des WB gelesen haben, festgestellt haben, dass auch anderen – für Sie vielleicht wichtigeren – Themen Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in einem Trauerfall verständnisvollere Menschen um sich haben, die nicht völlig grundlos (?) in Form von peinlichen Kommentaren auf Ihnen herumhacken.

"... künftig genauer hingesehen wird"

Oha! Da musste sich die "rüstige" Frau wohl nach Monaten Luft machen. Wie viele Glückwünsche sind denn noch zu beanstanden? Betroffene bitte sofort melden! Kann es sein, dass dies ein bedauerlicher und unglücklicher Einzelfall ist? Und Frau Höppner wünsche ich, dass sie im Leben keinen Fehler gemacht hat. Da frage ich mich welches Verhalten hier insgesamt peinlicher zu beurteilen ist. Und dem WB kann man zur Kenntnis geben, dass es sicherlich andere Themen gibt, denen mehr Aufmerksamkeit im Kreis Höxter gewidmet werden sollten. Dem Landrat sei jedoch angeraten hier nicht länger von Ehefrau, sondern Witwe zu reden.

2 Kommentare

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