»Fill the bottle«: Schüler des Berufkollegs machen Umwelt-Challenge
Kampf den Kippen

Höxter (WB). In besonderer Mission sind gut 60 Schüler des Berufskollegs in Höxter am Mittwoch auf dem Höxteraner Weihnachtsmarkt unterwegs. In der Aktion „Fill the bottle“ (fülle die Flasche) werden sie die Innenstadt von Zigarettenkippen befreien .

Montag, 02.12.2019, 00:06 Uhr aktualisiert: 02.12.2019, 05:04 Uhr
Schnell weggeworfen: Bis eine Zigarettenkippe verrottet ist, vergehen etwa 15 Jahre. Ihre zahlreichen Giftstoffe gelangen in dieser Zeit in die Umwelt. Foto: Louis Ruthe
Schnell weggeworfen: Bis eine Zigarettenkippe verrottet ist, vergehen etwa 15 Jahre. Ihre zahlreichen Giftstoffe gelangen in dieser Zeit in die Umwelt. Foto: Louis Ruthe

Die Idee stammt von zwei französischen Teenagern. Einer von ihnen hatte ein Foto von einer Flasche mit Zigarettenstummeln auf Twitter gepostet und dazu geschrieben: „20 Minuten, um diese Ein-Liter-Flasche zu füllen.“ Ein Freund von ihm retweetet das Bild und fügte den Hashtag #FilltheBottle hinzu.

Aktion aus Frankreich

Auch Sonja Sprock, Lehrerin am Berufskolleg in Höxter, hörte von der Aktion, die via Instagram inzwischen weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt ist. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Silke Niemeier, Michaela Lücking-Freytag und Britta Gohs organisiert sie einen Umwelttag, an dem sich drei Klassen des Berufskollegs mit etwa 60 Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren beteiligen. „Bewaffnet“ mit PET-Flaschen und Handschuhen werden die jungen Umwelthelfer die Stadt entlang dreier Routen – durch die Innenstadt, entlang des Walls und vom Floßplatz aus – von weggeworfenen Zigarettenstummeln befreien.

Parallel zu „Fill the bottle“ betreibt das Berufskolleg am Mittwoch, 4. Dezember, von 9 bis 13 Uhr einen Stand auf dem Höxteraner Weihnachtsmarkt. Hier werden Kaffee und selbst gebackener Kuchen angeboten. Zusätzlich gibt es auch „Die gute Schokolade“. Diese Bio-Schokolade wird eigens für die Kampagne „Plant for the Planet“ gefertigt. Ein Teil des Verkaufspreises (33 Cent) und der Überschuss aus dem Kuchenverkauf gehen an die Baumpflanzaktion, bei der bereits 14 Milliarden Bäume im Kampf gegen den erhöhten CO2-Ausstoß des Menschen gepflanzt wurden.

Sonja Sprock: „Wir würden uns freuen, wenn wir den Erlös nicht einfach überwiesen müssten, sondern selbst hier in Höxter eine Baumpflanzaktion starten könnten.“ Eine Anfrage an die Stadt Höxter haben die Lehrerinnen gestellt, auf eine Antwort warten sie aber noch.

Grundwasser gefährdet

„Wir haben uns unter anderem in dem Gesundheitskurs der Schule über die Themen Nachhaltigkeit und auch Rauchen unterhalten“, berichtet Britta Gohs. Etwa 900 Jugendliche aus dem gesamten Nordkreis bereiten sich in Höxter auf Berufe in der Wirtschaft und der Verwaltung vor.

Zigarettenkippen zählen bei vielen wegen ihrer geringen Größe zu den lässlichen Umweltsünden. Das Gegenteil ist der Fall: In den Filtern sind Schadstoffe in hoher Konzentration enthalten, die in der Masse sogar das Grundwasser gefährden. Jeder einzelne Stummel kann zwischen 50 und 500 Liter Trinkwasser kontaminieren. Das Wegwerfen dauert nun den Bruchteil einer Sekunde, etwa zwei Drittel aller Zigaretten, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO, werden so „entsorgt“. Bis die Kippe aber endgültig verrottet ist, vergehen gut und gern 15 Jahre. Darüber hinaus werden die Stummel immer wieder von Tieren, meist von Vögeln, aufgenommen, die daran nicht selten verenden.

Zeichen setzen

„Wir möchten ein Zeichen gegen das achtlose Verschmutzen der Umwelt setzen“, sagt Michaela Lücking-Freytag. Ein Erfolg wäre die Sammelaktion, da ist sie sich mit ihren Lehrerkolleginnen und den Schülern einig, wenn möglichst wenige Kippen in den Flaschen landen. „Das spräche ja dafür, dass die Leute in Höxter vernünftiger sind“, erklärt Sonja Sprock. Am Ende werden die gefüllten Flaschen an den Abfallservice des Kreises als Sondermüll übergeben und die Klasse mit dem größten Sammelerfolg auf Kosten des Fördervereins zum Pizza essen eingeladen. Außerhalb der „Fill the bottle“-Aktion ist es aber nicht sinnvoll, Zigarettenkippen in Flaschen zu „entsorgen“. Vor allem aus Glasflaschen lassen sich die giftigen Stummel bei der Reinigung und Wiederverwertung nur sehr schlecht entfernen. Einen tragbaren Ascher für die Hosentaschen gibt es im Internet übrigens schon ab zwei Euro, knapp ein Drittel von dem, was ein Raucher für eine Packung Glimmstängel bezahlt.

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