Di., 03.12.2019

Christian Haase fordert bei der AWO moralische statt gesetzliche Pflicht Freiwilligendienst neu denken

Duell am Kickertisch: Nach der Gesprächsrunde spielen die Bundesfreiwilligendienstler Tjorben Eggers (von links) und Marleen Vogt mit Torsten Klute, Vorstand AWO OWL, und dem Abgeordneten Christian Haase eine Runde Tischfußball.

Duell am Kickertisch: Nach der Gesprächsrunde spielen die Bundesfreiwilligendienstler Tjorben Eggers (von links) und Marleen Vogt mit Torsten Klute, Vorstand AWO OWL, und dem Abgeordneten Christian Haase eine Runde Tischfußball. Foto: Angelina Zander

Höxter (WB/AZ). CDU-Bundestagsabgeordneter Christian Haase macht sich für die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht stark. Um das Thema ging es am Montag auch bei einem Besuch Haases bei der Arbeiterwohlfahrt in Höxter. Dort informierte sich der Parlamentarier über die Arbeit von Bundesfreiwilligen, so genannten Bufdis.

„Grundsätzlich bin ich dafür, dass junge Menschen die Möglichkeit bekommen, ein Jahr etwas für den Staat zu tun. Aber wir sollten eine moralische Pflicht einführen“, meint Christian Haase. Das Modell des Freiwilligendienstes müsste verpflichtender, dafür aber neu definiert werden. Die Einführung einer gesetzlichen Pflicht sei nicht in seinem Sinne. „Vielleicht sind die Möglichkeiten heute nicht immer klar. Unter jungen Erwachsenen sollte das Gefühl herrschen: Das ist etwas Positives.“ Dafür müsse man die Bekanntheit steigern und die verfügbaren Plätze ausweiten, meint Haase.

AWO für die Erhaltung des Freiwilligendienstes,

Die AWO OWL positionierte sich dagegen klar für die Erhaltung des Freiwilligendienstes, wie Vorstand Torsten Klute klar machte. „Für die AWO ist es klar, dass die Priorität auf der Stärkung des Freiwilligendienstes liegt.“ So sollten mehr Leute für diesen Einsatz begeistert werden. Er gab außerdem zu Bedenken, dass in Zeiten der Wehrpflicht der Zivildienst eher die Ausnahme gebildet habe.

Ute Diekmann, Koordinatorin für Freiwilligendienste der AWO, sieht bei der Dienstpflicht Schwierigkeiten. Zum einen sei sie nicht mit dem aktuellen Grundgesetz zu vereinbaren. Zum anderen müsse zunächst eine passende Infrastruktur geschaffen werden. Also: Eine ausreichende Zahl an Einsatzstellen, ausreichend finanzielle Mittel sowie Personal.

Konstante Finanzierung gefordert

„Wir bitten die Politik immer, eine verlässliche Finanzierung über die Haushaltsjahre hinaus sicherzustellen. Die Freiwilligendienste liegen quer zu den Haushaltsjahren, also immer von Sommer bis Sommer.“ Würde eine konstante Finanzierung gewährleistet, könne man langfristig auch über eine Aufstockung des Personals nachdenken, sagte sie. Das ließ auch Haase am Montag zweifeln: „Was machen wir mit denen, die keine Stelle finden?” Manche würden Empathie für ihre Aufgabe empfinden, andere nicht. Und um die, die keine geeignete Stelle finden, müsste man sich dann kümmern.

Junge, motivierte Menschen

Die Motivation, sich im sozialen Bereich zu engagieren, hatten die Bufdis Marleen Vogt (18) und Tjorben Eggers (18). Sie haben im August und September dieses Jahres ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD) in der Tagesgruppe im Dieter-Heistermann-Zentrum der AWO absolvieren. Marleen Vogt ist sich nach ihrem Abitur im Sommer sicher gewesen, dass sie im sozialen Bereich tätig sein möchte. Tjorben Eggers war dagegen unschlüssig, in welche Richtung es gehen soll. Den sozialen Bereich hatte er für sich ausgeschlossen. Durch die Empfehlung einer Nachbarin hatte er einen Probetag bei der AWO absolviert und sich dann für den BFD entschieden.

Kinderparlament stimmt ab

„Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass auch Abiturienten nicht für sich geklärt haben, wie es weitergeht. Aber man muss nicht bis nach Australien fahren, um das richtige Leben kennenzulernen“, sagte Haase. Die beiden jungen Erwachsenen berichteten aus ihrem Alltag in der Tagesgruppe, der zehn Kinder im Alter zwischen sieben und 13 Jahren angehören. Sie betonten, dass sie zwar viel Verantwortung haben, aber auf die Unterstützung der drei Fachkräfte setzen könnten. Marleen Vogt erzählte, dass es ein Kinderparlament gibt. Aktuell werde diskutiert, wie der Toberaum umgestaltet werden kann.

Kommentare

Versklavung

Allgemeine Dienstpflicht ist eine nette Umschreibung für Zwangsarbeit und Ausbeutung für wenig Geld. Dann fangen wir am Besten gleich mit Herrn Haase an und versklaven ihn für 1 Jahr Schultoiletten reinigen für eine Vergütung in Höhe der Grundsicherung. Diejenigen die Dienstpflicht toll finden sind alles die Leute die wissen das sie selber es nicht machen müssen.

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