Leon Schröder und weitere sechs junge Menschen im Rollstuhl wollen New York erleben
Lebenstraum soll in Erfüllung gehen

Rolfzen/Höxter (WB). Leon Schröder (22) ist großer Schalke-Fan. In der Arena singt er wie viele tausende Anhänger „Ein Leben lang...“. Dann vergisst er auch für einen Moment, dass er sein Leben lang an den Rollstuhl gefesselt ist. Obwohl er an der Muskeldystrophie Duchenne leidet, hat der Rolfzener eine beeindruckende Hingabe und ganz besondere Ziele – unter anderem will er mit sechs Freunden, die ebenfalls im Rollstuhl sitzen, einmal New York erleben. Dafür sammeln sie derzeit Spenden, denn die Reise wird ein logistischer Kraftakt. Benötigt werden 80.000 Euro.

Freitag, 13.12.2019, 20:07 Uhr aktualisiert: 13.12.2019, 20:30 Uhr
Leon Schröder ist begeistert, wie stark sich Sabrina Raschke für seinen Traum einsetzt. Mit sechs Freunden will er im Rollstuhl New York erleben. Das Plakat zur Aktion hält er in seiner Roboterhand – er kann nur noch die Daumen leicht bewegen. Foto: Dennis Pape
Leon Schröder ist begeistert, wie stark sich Sabrina Raschke für seinen Traum einsetzt. Mit sechs Freunden will er im Rollstuhl New York erleben. Das Plakat zur Aktion hält er in seiner Roboterhand – er kann nur noch die Daumen leicht bewegen. Foto: Dennis Pape

Leon Schröder weiß, dass „ein Leben lang“ mit Duchenne nicht so lange sein wird, wie bei einem gesunden Menschen. Und nicht zuletzt deshalb hat der junge Mann Träume, die er verwirklichen will – Ziele, für die er sich voller Tatendrang einsetzt. Wer mit ihm spricht, spürt Lebensfreude – Freude auf das, was da noch kommen wird.

Ausbildung beim Kreis Höxter

Auch, wenn er und seine Freunde nicht wissen, wie viel Zeit ihnen dafür noch bleibt. „Ich mache im kommenden Jahr mein Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Detmold und beginne danach meine Ausbildung beim Kreis Höxter als Verwaltungsfachangestellter – darauf freue ich mich schon jetzt“, sagt Leon Schröder.

Die sieben jungen Menschen – Leon, Alex (25), Alessa (28), Elyesa (20), Felix (21), Rayk (20) und Simon (21) – sind allesamt von Duchenne oder einer anderen Muskelkrankheit betroffen. Duchenne beginnt im Kleinkinderalter mit einer Schwäche der Becken- sowie Oberschenkelmuskulatur und schreitet schnell voran. Die Geh- und Stehfähigkeit ist meist im Kleinkinderalter nicht mehr vorhanden. Im Verlauf baut sich unter anderem auch die Atemhilfsmuskulatur ab.

Leon Schröder ist großer Schalke-Fan. In seinem Zimmer hängt auch ein Bild mit Jahrhundert-Trainer Huub Stevens.

Leon Schröder ist großer Schalke-Fan. In seinem Zimmer hängt auch ein Bild mit Jahrhundert-Trainer Huub Stevens. Foto: Dennis Pape

Eine Aussicht auf Heilung gibt es bislang nicht – deshalb haben die Freunde das gemeinsame Motto „Lebe den Moment“. Sie kommen nicht nur aus Bielefeld und Herford, sondern aus der gesamten Bundesrepublik, haben sich jedoch bei der jährlichen Therapie in der Weserberglandklinik in Höxter kennengelernt.

„In diesem Jahr ging es wieder in die WBK – wie immer mit dem traurigen und ungewissen Gedanken, ob man den Verlust seiner Freunde verkraften muss. Um so schöner ist es, wenn man alle Freunde wiedersehen und unvergessliche Momente gemeinsam erleben kann“, sagt Leon Schröder. Allein in den vergangenen Jahren haben sie sieben ihrer Freunde verloren.

Für den Traum mit Stars bei der „1Live Krone“ gesprochen

„Dieses Mal hatte ich die Möglichkeit, einige tiefgründige Gespräche zu führen – dabei wurde deutlich, dass die Freunde einen gemeinsamen Traum haben: New York“, erzählt Sabrina Raschke, die die Gruppe ehrenamtlich betreut und sich aufopfernd dafür einsetzt, dass genügend Spendengelder für die gemeinsame Reise zusammen kommen. Unter anderem hat sie bereits viele Kontakte zu Firmen und Fluggesellschaften geknüpft.

Außerdem hat sie bei der Radio-Award-Verleihung „1Live Krone“ in Bochum Stars wie Joris, Nico Santos sowie Felix Jaehn vor dem roten Teppich angesprochen und um Unterstützung gebeten. „Wir tun alles für diesen Traum“, sagt sie. Leon und Sabrina lächeln sich dabei an – die Zuversicht ist spürbar. „Sie ist unser Star“, meint der junge Mann.

Ob es mit der Reise vom 21. Mai bis zum 2. Juni 2020 wirklich klappt, steht noch in den Sternen. Bislang sind zwar bereits 20.000 Euro an Spendengeldern zusammengekommen – doch benötigt werden wohl 80.000 Euro. Sabrina Raschke hat ein Reisebüro kontaktiert, allein die Kosten für die Flüge würden sich wohl auf etwa 50.000 Euro belaufen.

Hoher logistischer Aufwand

Die Tatsache, dass Leons Mutter Sabine alle Autositze ausbauen muss, um ihren Sohn mit Dusch- und Toilettenstuhl, Atemgerät, Patientenlifter und Spezialmatratze zur Reha zu fahren, lässt erahnen, wie aufwendig eine Flugreise für die Gruppe um die sieben Rollstuhlfahrer sowie die dringend benötigten sieben Begleitpersonen ist.

Dazu käme noch ein behindertengerechtes Hotel. „Das wird ein Abenteuer für alle Beteiligten“, sagt Sabine Schröder, während ihr Sohn noch einmal unterstreicht: „Es wäre für uns das Größte, einmal New York zu erleben. Wir lieben Abenteuer.“

Sabrina Raschke wirbt derweil weiter für Spenden, bestmöglich soll der Betrag bis Ende Januar zusammenkommen: „Die Gruppe hat es sich wirklich verdient. Der tägliche Kampf um das Leben und viele Dinge, die für gesunde Menschen normal sind, ist kräftezehrend. Neue und vor allem schöne Eindrücke sollen ihr Leben erfüllen – so lange es noch geht.“

Infostand bei Weihnachtsmarkt

Informiert wird unter anderem am Samstag, 14. Dezember, bei einem Weihnachtsmarkt in der WBK von 14 bis 16 Uhr in Höxter. Auch dort werden Spenden gesammelt. Für Fragen steht Sabrina Raschke zur Verfügung unter Telefon 0172/6513243 oder per E-Mail an sabrina.hellenkamp@freenet.de. Spenden sind im Internet möglich. Außerdem können Spenden auch auf folgendes Konto überwiesen werden:

Empfänger: Rückenwind e.V. oder Spendenkonto New York 2020; IBAN: DE61 4805 0161 0044 1957 82; BIC: SPBIDE3BXXX.

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