„Horror-Haus“ in Höxter: Paderborner Gericht prüft, ob Verurteilter in der Psychiatrie bleiben soll
Neues Gutachten zu Wilfried W.

Höxter (WB). 16 Monate nach dem Urteil im „Horror-Haus“-Prozess droht dem verurteilten Wilfried W. (49) die Verlegung aus der Gerichtspsychiatrie ins Gefängnis.

Donnerstag, 30.01.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 30.01.2020, 09:14 Uhr
Wilfried W. an einem Verhandlungstag während des zwei Jahre dauernden Prozesses vor dem Landgericht Paderborn Foto: dpa
Wilfried W. an einem Verhandlungstag während des zwei Jahre dauernden Prozesses vor dem Landgericht Paderborn Foto: dpa
Erstes Gutachten: Michael Osterheider.

Erstes Gutachten: Michael Osterheider. Foto: dpa

Der Mann und seine Ex-Frau Angelika W . (51) hatten in ihrem Haus in Höxter-Bosseborn über Jahre Frauen gequält, zwei waren gestorben. Im Oktober 2018 verurteilte das Landgericht Paderborn Angelika W. wegen Mordes und versuchten Mordes zu 13 Jahren Haft, ihren Ex-Mann zu elf Jahren. Er galt wegen einer Intelligenzminderung und einer Persönlichkeitsstörung als vermindert schuldfähig. Aktuell sitzt er in der Christopherus-Klinik für Forensische Psychiatrie in Münster.

Zweites Gutachten: Nahlah Saimeh.

Zweites Gutachten: Nahlah Saimeh. Foto: dpa

„Die Voraussetzungen für so eine Unterbringung werden einmal im Jahr überprüft“, sagt Dr. Steffen Vahlhaus, Sprecher des Landgerichts Münster, dessen Strafvollstreckungskammer für Wilfried W. zuständig ist. Im Zuge der Überprüfung habe die Kammer auch eine Stellungnahme der Psychiatrie angefordert.

Dr. Carsten Ernst, einer der Anwälte von Wilfried W.: „Die Psychiater sind der Ansicht, dass mein Mandant nicht in ihre Klinik gehört. Sie halten ihn für voll schuldfähig und meinen, er stelle weiterhin eine Gefahr dar. Das sehe ich vollkommen anders.“ Sollte die Strafvollstreckungskammer den Münsteraner Ärzten folgen, drohe Wilfried W. die Verlegung in ein normales Gefängnis. „Und die Staatsanwaltschaft Paderborn könnte die nachträgliche Verhängung der Sicherungsverwahrung beantragen. Dann käme mein Mandant so schnell nicht mehr frei.“ Ursprünglich hatte Wilfried W. gehofft, nach ein paar Jahren Therapie entlassen zu werden.

Drittes Gutachten: Henning Saß.

Drittes Gutachten: Henning Saß. Foto: dpa

Das Landgericht Münster hat jetzt den Psychiater Henning Saß mit der Untersuchung von Wilfried W. beauftragt. Saß war auch Gutachter im NSU-Prozess und im Prozess um den Oldenburger Krankenpfleger Niels Högel.

Es ist nicht der erste Streit um den Zustand von Wilfried W. Im Prozess vor dem Landgericht Paderborn hatte der später wegen widersprüchlicher Angaben abgelöste Gutachter Prof. Michael Osterheider Wilfried W. als schuldfähig und weiterhin gefährlich bezeichnet. Nach dem Gutachterwechsel erklärte die Psychiaterin Dr. Nahlah Saimeh hingegen, Wilfried W. sei nur vermindert schuldfähig und gehöre in die Psychiatrie. Dem war das Landgericht Paderborn gefolgt.

Das Horror-Haus in Bosseborn: So sieht es heute aus.

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