Di., 18.02.2020

Mehr Anerkennung für Ehemalige - neuer Verband im Kreis geplant - neue Abzeichen können bestellt werden Alle Bundeswehrsoldaten sind nun Veteranen

Oberstleutnant a.D. Hartwig Zahler hat bei der Luftwaffe in Borgen-treich und Auenhausen an verantwortlicher Stelle gedient. Er lebt in Calenberg. Hier zeigt er das Veteranenabzeichen, das alle aktiven und früheren Bundeswehrsoldaten bestellen können.

Oberstleutnant a.D. Hartwig Zahler hat bei der Luftwaffe in Borgen-treich und Auenhausen an verantwortlicher Stelle gedient. Er lebt in Calenberg. Hier zeigt er das Veteranenabzeichen, das alle aktiven und früheren Bundeswehrsoldaten bestellen können. Foto: Jürgen Vahle

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). In Deutschland gibt es mehr als zehn Millionen Veteranen. Einige tausend ehemalige Wehrpflichtige, Zeit- und Berufssoldaten leben im Kreis Höxter. Mehr Verständnis und Anerkennung für Soldaten, vor allem für die, die im Auslandseinsatz waren - das wünschen sich nicht nur der frühere Oberstleutnant Hartwig Zahler, sondern viele ehemalige Bundeswehrangehörige. Dabei helfen soll der neue Status „Veteran“ und „Veteranin“, um den in Deutschland seit Jahren eine emotionale Debatte zwischen Verteidigungsministerium, militärischen Interessenvertretungen wie den Reservisten und dem Bundeswehrverband geführt wurde. Veteranen sind nun nach der Einigung seit 2019 offiziell alle aktiven und alle ehrenhaft ausgeschiedenen Bundeswehrsoldaten. Sie dürfen auch das neu gestiftete Veteranenabzeichen öffentlich tragen, das jeder frühere Soldat im Internet bestellen kann.

Im Kreis Höxter gibt es, wie in Höxter, viele ehemalige und aktive Soldaten. Foto: Michael Robrecht

Hartwig Zahler (76) möchte die Ehemaligen- und Veteranenarbeit zwischen Höxter, Bad Driburg und Warburg auf neue Füße stellen und bekannter machen. Er plant eine kreisweit tätige Veteranen-Vereinigung. „Es gibt sehr viele Männer und Frauen im Kreis, für die so eine Kameradschaft interessant sein könnte.“ Die Neugründung sei keine Konkurrenz zu den aktiven Reservistenkameradschaften, sondern wende sich an alle, die einmal eine Bundeswehruniform getragen haben, sagt Zahler, der in Calenberg wohnt.

Das vom Bundesverteidigungsministerium eingeführte Veteranenabzeichen der Bundeswehr sei noch nicht sehr bekannt, aber das wolle er im Kreis Höxter zumindest ändern, sagt der frühere Soldat. So sind bisher bundesweit erst 35.400 Anträge für das neue Abzeichen eingegangen, darunter 7.200 von aktiven und 28.200 von ehemaligen Soldaten. Das Veteranenabzeichen soll die Werte in den Vordergrund stellen, die alle Soldatinnen und Soldaten verbinden: Gemeinschaft, Kameradschaft und Pflichterfüllung im Dienst an der Gesellschaft. Das Abzeichen darf aber nicht an der Uniform getragen werden. Es darf nur an der Zivilkleidung angebracht werden. Identifikation und Wiedererkennung in der Öffentlichkeit, für Aktive und Ehemalige gleichermaßen, seien das Ziel des neuen Veteranenabzeichen, erläutert der Offizier a.D. Hartwig Zahler. Besonders Heimkehrer aus Auslandseinsätzen fühlten sich nicht selten vom Dienstherrn vernachlässigt und von der Gesellschaft wenig gewürdigt. Das sei an jedem Standort zu hören. Einen ersten Schritt habe die Gerberding-Stiftung „Courage“ in Höxter und Holzminden vor einigen Jahren mit der Aktion „Gelbes Band“ gestartet. Auf den Bändern werden auch heute immer noch gute Wünsche an Soldaten im Auslandseinsatz verschickt. Hier knüpft das Veteranen-Projekt an.

„Alle Veteranen eint, ob sie in Auslandseinsätzen, im Kalten Krieg oder als Wehrdienstleistende gedient haben, dass sie sich in der Uniform der Bundeswehr für Frieden und Freiheit unseres Landes eingesetzt haben. Dafür gebührt ihnen ein Leben lang Anerkennung und Sichtbarkeit in unserer Gesellschaft“, sagen Zahler und seine bundesweiten Mitstreiter. Sie alle eint ihr Dienst für das Land in den Einsätzen, den einsatzgleichen Verpflichtungen, bei Übungen und im täglichen Dienst in den Standorten im In- und Ausland. „Um diese verdiente Wertschätzung zu verdeutlichen, gehen wir künftig von einem umfassenden Verständnis des Begriffs ,Veteran‘ aus“, sagt Oberstleutnant Hartwig Zahler.

Dem „Veteran“ aus Calenberg sind einige Aussagen über seine seit Jahren betriebene Ehemaligenarbeit wie in Borgentreich wichtig: „Mein Engagement geht jetzt in die Veteranenarbeit über und ist aus meiner Intention nicht nur nostalgische Kameradschaftspflege, sondern hat einen geistigen und bildungspolitischen Hintergrund. Die zurzeit unsichere Weltordnung lässt die Menschheit zwischen den Polen und Spannungen von Angst und Hoffnung leben. Werte und Rechte geraten ins Wanken, extrem denkende Minderheiten wittern auch in Deutschland ihre Chance. Eine lange befriedete Gesellschaft birgt für eine Demokratie stets die Gefahr von Gleichmut und Unwachsamkeit – und extreme Kräfte, wie zuletzt in Erfurt, entwickeln Strategien, die den Staat angreifen werden. Dagegen muss etwas getan werden.“ Zahler: „Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit, und hier kann ein Veteranen-Verband im Kreis Höxter aktiv einen aktiven Beitrag leisten, um sich mehr für die Grundwerte der Gesellschaft einzusetzen. Viele gesellschaftliche und politische Kräfte versäumen, sich der Auseinandersetzung zu stellen. Wir müssen unsere Werte erhalten und sichtbar und spürbar für die Basis unser Gedankengut verteidigen.“

Hartwig Zahler kündigt an, dass der neue Kreis-Veteranen-Verband Treffen und Geselligkeiten anbieten wolle und ebenso Bildungsfahrten organisiere und Ausstellungen zeige. Eine große Foto- und Text-Präsentation über die Jahrzehnte des Kalten Krieges in OWL und im Kreis Höxter sei auf der Warburger Oktoberwoche, in Borgentreich und Lemgo mit Erfolg gezeigt worden und werde ab 9. Mai in der Alten Waage in Brakel aufgebaut. Für Höxter suche man noch eine Ausstellungsmöglichkeit für 50 Meter Stellwände. Hartwig Zahler erinnert daran, dass neben den vielen tausend wehrpflichtigen Männern im Kreis auch frühere Soldaten aus den umliegenden heutigen und früheren Kasernen Höxter, Borgentreich, Dössel, Augustdorf, Auenhausen und Holzminden zum Teil schon organisiert seien oder vielleicht jetzt bei den „Veteranen“ mitmachen möchten. Zahler hofft auch auf Gleichgesinnte aus Bundeswehr- und Reservistenverband. Im Warburger Land könne die bestehende Borgentreicher Kameradschaft der Ehemaligen Grundpfeiler des neuen Verbandes werden. Eine erste „Veteranenkameradschaft Warburger Land“ wird zuerst eingerichtet. Die neue Gruppe sei offen für alle Bürger. Wer nur in der früheren DDR-Armee NVA gedient hat, ist vom Veteranen-Begriff der Bundeswehr aber ausgeschlossen.

Abzeichen bestellen

Was muss getan werden, um das Veteranenabzeichen zu bekommen – einfach warten, bis sich die Bundeswehr meldet? Nein, Eigeninitiative ist angesagt! Das Abzeichen erhalten aktive und ehemalige Soldaten nur auf Antrag. Aktive Soldaten wenden sich an ihren Disziplinarvorgesetzten oder Kompaniefeldwebel. Ehemalige Soldaten und Reservisten können sich an das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr wenden (Abteilung VI). Das Abzeichen wird ihnen auf dem Postweg zugestellt. Die Zusendung kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Infos und Bestellseiten für das neue Veteranenabzeichen: www.bundeswehr.de/de/ueber-die-bundeswehr/die-reserve-der-bundeswehr und www.dbwv.de/aktuelle-themen/service-recht/beitrag/news/fragen-und-antworten-zum-neuen-veteranenabzeichen. Interessierte können sich bei Fragen und zur Kontaktaufnahme auch an Oberstleutnant Hartwig Zahler, hartwig.zahler@t-online.de oder Telefon 05641-747166 (Handy 01716838854) wenden.

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