Geschäftsleute an der Nicolaistraße in Höxter schlagen Alarm wegen Planung
„LGS treibt uns in den Ruin“

Höxter (WB). Seit dem Mittelalter gilt die Nicolaistraße in Höxter als „Einfallstor“ in die Altstadt. Doch mit der Landesgartenschau 2023 könnte sich das womöglich ändern. Dagegen laufen die ansässigen Geschäftsleute Sturm und wollen sich in den nächsten Tagen zu einer Krisensitzung treffen. Kernaussage ihrer Kritik: „Die von der LGS-Gesellschaft geplante Sperrung der Nicolaistraße kostet wirtschaftliche Existenzen!“

Donnerstag, 12.03.2020, 11:35 Uhr aktualisiert: 15.03.2020, 17:06 Uhr
Die Anlieger der Nicolaistraße sind besorgt wegen der Pläne für die LGS. Foto: Harald Iding
Die Anlieger der Nicolaistraße sind besorgt wegen der Pläne für die LGS. Foto: Harald Iding

Zuletzt hatte Höxters Baudezernentin und LGS-Geschäftsführerin Claudia Koch betont, dass es kein dort gewünschtes Brückenbauwerk über die Straße geben werde. Man wolle vielmehr die beiden Wallstücke am Berliner Platz ausschließlich für die LGS-Besucher zugänglich machen. Die Nicolaistraße würde also zur Sackgasse. Eine barrierefreie Brücke, so argumentiert Koch, sei gestalterisch nicht ansprechend.

Die Anlieger fühlen sich im Vorfeld der LGS daher abgehängt. Dr. Corinna Wodarz, die in Höxter aufgewachsen und Leiterin des Museums im „Hütteschen Hauses“ ist, versteht nicht, warum die Stadt beziehungsweise die „LGS 2023 GmbH“ nicht auf die Interessen der Bürger und Geschäftsleute Rücksicht nehmen will.

Schon vor zwei Jahren Kritik angemeldet

„Fast zwei Jahre ist es her, dass ich Frau Koch nach der ersten Präsentation in der Stadthalle darauf hingewiesen habe, dass eine Sperrung der Nicolaistraße während der LGS zur Konsequenz haben wird, dass ein Großteil der dortigen Geschäfte zumachen wird. Wenn die Stammkundschaft nicht ins Geschäft kommen kann, bedeutet das auch das wirtschaftliche Aus. Nun wird eine Brücke abgelehnt aus ästhetischen Gründen! Ästhetische Gründe sind also wichtiger als die Zukunft von zehn Geschäften, ihren Inhabern und den Mitarbeitern..“

Wodarz Vorschlag: „Wie wäre es denn mit einer Fußgängerbrücke über die Straße – und für Rollstuhlfahrer sowie Kinderwagen wird ein ebenerdiger Zugang über die Straße geschaffen. Der muss natürlich bewacht, geöffnet und geschlossen werden. Aber das scheint mir das kleinere Übel gegenüber dem finanziellen Ruin von zehn Geschäften zu sein!“

„Wir sind bereit, diesen Kampf aufzunehmen“

Wodarz habe nach eigenen Angaben schon 2018 gegenüber Koch erklärt, dass die Geschäftsinhaber in der Nicolaistraße die Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Existenz nicht widerspruchslos hinnehmen werden.

„Wir sind bereit, diesen Kampf aufzunehmen. Ich stelle mir zunächst Plakate vor, die erklären, was die Sperrung für die betroffenen Geschäfte bedeutet. ‚LGS – Nein Danke‘-Plakate bis hin zu einer Unterschriftenaktion gegen die LGS kann ich mir als letztes Mittel ebenfalls vorstellen.“

Einfluss auf das tägliche Leben

Geschockt von den LGS-Plänen ist auch Ruth Schneider, die ein Haarstudio (Frisuren und Perücken) in der Nicolaistraße 7 betreibt. Sie sagte dem WESTFALEN-BLATT: „Grundsätzlich finde ich die Landesgartenschau eine tolle Sache. So bekommt Höxter etwas Neues. Aber unsere Straße auf einer Seite dicht zu machen – dass wird erhebliche negative Konsequenzen haben. Wir haben Kunden, die nicht gut zu Fuß sind, auch Ältere und Kranke sind darunter. Da muss es eine Lösung geben. Wir werden sonst große finanzielle Probleme bekommen.“

Ein Haus weiter ist das Ehepaar Burkhard und Petra Holstein (Brillen-Fachgeschäft) äußerst besorgt. „Die Laufkundschaft würde wegbrechen – und die LGS mit der jetzigen Planung uns sowie auch andere in den Ruin treiben. Das dürfen wir nicht zulassen!“

Wodarz kritisiert auch: „Es gibt gute Gründe, eine LGS nicht auf Flächen durchzuführen, die von vielen Bewohnern der Stadt täglich genutzt werden. Nicht umsonst wird eine LGS in der Regel von Städten durchgeführt, die einen Kur- oder Schlossplatz haben. Solche Flächen gibt es in Höxter nicht. Deshalb muss die LGS hier auch tief in das tägliche Leben der Höxteraner eingreifen.“

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