Betroffener nennt 200 Kontaktpersonen – 30 bereits in Quarantäne
Corona-Fall in Holzminden

Holzminden/Höxter  (WB). Der Landkreis Holzminden hat seinen ersten Corona-Fall: Bei einer 28-jährigen Person ist das Virus am Mittwochnachmittag nachgewiesen worden.

Donnerstag, 12.03.2020, 15:49 Uhr aktualisiert: 12.03.2020, 19:04 Uhr
Der Landkreis Holzminden hat seinen ersten Corona-Infizierten. Foto: dpa
Der Landkreis Holzminden hat seinen ersten Corona-Infizierten. Foto: dpa

Holzmindens Landrat Michael Schünemann betonte am Donnerstagvormittag in einer eigens einberufenen Pressekonferenz: „Unser Ziel ist es, die schnelle Ausbreitung zu verhindern. Entsprechende Maßnahmen sind eingeleitet worden. Es gibt einen Krisenstab.“ Die infizierte Person zeige leichte Erkältungssymptome und sei unter Quarantäne gestellt worden.

„Sollte sich der Gesundheitszustand verschlechtern, wird der Patient ins Holzmindener Krankenhaus eingeliefert. Wir sind auf alles entsprechend vorbereitet“, stellte Ärztin Dr. Ursula Schaper vom Gesundheitsamt des Landkreises heraus.

Die infizierte Person, die aus dem Norden des Landkreises kommt, habe bereits 200 Kontaktpersonen angegeben. Diese würden momentan von Mitarbeitern des Kreises angerufen oder hätten sich bereits selbst gemeldet, berichtete Schünemann. 30 von den 200 Kontaktpersonen seien unter Quarantäne gestellt worden. Der 28-Jährige habe zudem Kontakt zu der am Vortag positiv getesteten Person im Landkreis Hameln-Pyrmont (wir berichteten) gehabt. Zuletzt sei er Gast einiger Partys und einer Geburtstagsfeier gewesen.

Mehr als 100 Anrufe in der Nacht

„In der Nacht zu Donnerstag, nachdem der erste Corona-Fall bei uns einige Stunden zuvor bestätigt worden war, gab es in der Verwaltung des Landkreises bereits mehr als 100 Anrufe“, so Schünemann. Eine Hotline (Tel. 05531/707700) war bereits vorher eingerichtet worden. Die Hotline ist jeweils von 8 bis 16 Uhr erreichbar. „Es gibt einen Krisenstab, dem Polizei und Rettungsdienste angehören“, berichtete der Landrat.

Landrat Michael Schünemann und Dr. Ursula Schaper vom Gesundheitsamt warnen nach dem ersten Corona-Fall im Landkreis Holzminden in einer Pressekonferenz vor Panikmache.

Landrat Michael Schünemann und Dr. Ursula Schaper vom Gesundheitsamt warnen nach dem ersten Corona-Fall im Landkreis Holzminden in einer Pressekonferenz vor Panikmache. Foto: Jürgen Drüke

Eine Abstrichstation werde zudem auf dem Gelände der Feuerwehrzentrale in Holzminden eingerichtet. „Hier werden Personen getestet, die akute Symptome zeigen. Man kann allerdings nicht einfach so kommen und einen Abstrich vornehmen lassen. Das würde die Kapazitäten sprengen“, sagte Dr. Ursula Schaper. Es müsse sich beispielsweise um Personen handeln, die Kontakt mit einem Infizierten gehabt hätten und bei denen die Symptome ausgeprägt seien.

Ausbreitung verhindern

„Nach der Bestätigung des ersten Corona-Falls haben wir alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet. Unser Ziel ist es, die Ausbreitung zu verhindern. Es gilt insbesondere Seniorenheime, Kitas und Schulen zu schützen.“ Landrat Schünemann widersprach Gerüchten in den sozialen Medien, in denen die Zahl der Infizierten im Landkreis bereits mit fünf Personen angegeben worden waren: „Stand jetzt haben wir einen bestätigten Fall.“

Hygiene einhalten

„Es ist wichtig, dass alle Hygiene-Maßnahmen befolgt werden.“ Das seien unter anderem oftmaliges und sehr gründliches Händewaschen, Abstand halten, keine Hände schütteln sowie die Desinfektion, so Dr. Schaper. Es handele sich um reine Vorbeugemaßnahmen wie bei jeder Grippewelle. Dabei gelte es, insbesondere chronisch Kranke und ältere Menschen zu schützen. „Die Solidarität von uns allen ist gefordert.“

„Die Situation wird sich in Bezug auf den Umgang mit dem Virus nahezu täglich ändern“, schätzte Schünemann. Der Landrat des Landkreises Holzminden steht dabei mit Friedhelm Spieker, dem Landrat des Kreises Höxter, in Kontakt. „Beide Nachbarkreise arbeiten zusammen und koordinieren sich. Wir arbeiten über Grenzen hinweg. Das ist angesichts der Lage wichtig.“

Fast alle Veranstaltungen absagen

Alle Hauptverwaltungsbeamten des Landkreises seien übereingekommen, auch allen Organisatoren von Veranstaltungen unter 1000 Personen eine Absage zu empfehlen. „Der Schutz der Bevölkerung muss angesichts der fortschreitenden Ausbreitung des Coronavirus im Vordergrund stehen“, appellierte Landrat Schünemann. Das traditionelle Kükenfest in Holzminden ist am Donnerstag bereits abgesagt worden. Im Kreis Höxter sind ebenfalls weitere Veranstaltungen abgesagt worden.

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