Isolierstationen eingerichtet – zwölf Menschen im Kreis Höxter in Quarantäne – Firmungen abgesagt
Corona legt öffentliches Leben lahm

Höxter (WB). Das Corona-Virus legt das öffentliche Leben im Kreis Höxter weitgehend lahm. Schulen und Kindergärten bleiben von Montag an geschlossen. Die Technische Hochschule verschiebt den Beginn des Sommersemesters auf den 20. April. Bis Freitagnachmittag hatten die Behörden zwölf Menschen in häusliche Quarantäne geschickt . Einen nachgewiesenen Coronakranken gab es bis zum Abend aber noch nicht.

Freitag, 13.03.2020, 21:30 Uhr
Der Auftritt der Kabarettistin Frieda Braun am 14. März in der ausverkauften Stadthalle Höxter (Foto) ist abgesagt worden. Auch die AfD-Kundgebung in der Stadthalle sowie die Gegenveranstaltungen am 28. März dürfen nicht stattfinden.  Foto: Harald Iding, Montage
Der Auftritt der Kabarettistin Frieda Braun am 14. März in der ausverkauften Stadthalle Höxter (Foto) ist abgesagt worden. Auch die AfD-Kundgebung in der Stadthalle sowie die Gegenveranstaltungen am 28. März dürfen nicht stattfinden.   Foto: Harald Iding, Montage

Coronafrei

In Nordrhein-Westfalen gehört Höxter damit zu den letzten drei Kreisen ohne bestätigten Coronafall. Die Ordnungsämter der jeweiligen Städte würden bei den Quarantänefällen Anordnungen für die betroffenen Personen aussprechen, erläuterte Kreissprecher Thomas Fuest. Dabei handele es sich überwiegend um Bürger, die in Risikogebieten in Norditalien waren oder nachweislich Kontakt zu amtlich bestätigten Coronafällen hatten.

Noch zwei Tage Betreuung

Die Entscheidung der Landesregierung, Schulen und Kindergärten ab Montag bis zum Ende der Osterferien am 17. April zu schließen, stellt viele Eltern im Kreis vor ein Betreuungsproblem. Damit sie Gelegenheit haben, sich auf diese Situation einzustellen, könnten sie bis einschließlich Dienstag ihre Kinder zur Schule schicken. „Die Schulen stellen an diesen beiden Tagen während der üblichen Unterrichtszeit eine Betreuung sicher. Die Einzelheiten regeln die Schulleitungen, die wie die Kita-Leitungen auch direkte Ansprechpartner der Eltern bei Problemen sind. Für Lehrerinnen und Lehrer gilt, dass sie am Montag und Dienstag in ihren Schulen sein müssen, um notwendige Absprachen zu treffen“, sagte Höxters Schulrat Hubert Gockeln am Freitag. Betroffen von der Entscheidung der Landesregierung ist auch das Ganztagsangebot an den Schulen. Wichtig ist dem Schulrat, dass die Schulen Möglichkeiten schaffen, um mit Eltern kommunizieren zu können. Für Schüler in der dualen Ausbildung sowie in Praktika beschränke sich die Maßnahme der Landesregierung auf den Ausfall des Unterrichts. Auch Kreis Holzminden sind alle Schulen bis zum 17. April geschlossen.

Nur hinten einsteigen

Betroffen von den Schulschließungen ist auch der Busverkehr. Wie das Unternehmen Weser-Egge-Bus am Freitag mitteilte, fahren die Busse von Montag an gemäß dem Ferienfahrplan. Alle Fahrten, die im Fahrplan mit einem S für Schultage gekennzeichnet seien, entfielen. Darüber hinaus dürften Fahrgäste künftig nur hinten einsteigen. Die vordere Tür bleibe geschlossen, um die Busfahrer keiner unnötigen Infektionsgefahr auszusetzen.

Mobiler Diagnosedienst

Das Kreisgesundheitsamt Höxter und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe bereiten derzeit die Einrichtung eines mobilen Diagnosedienstes im Kreis Höxter vor, um bei begründeten Verdachtsfällen auf das Coronavirus Tests durchführen zu können. Damit sollen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie die Kliniken entlastet werden. Der Dienst soll in der kommenden Woche seine Arbeit aufnehmen. Wo ist noch unklar.

Isolationsräume

Die Katholische Hospitalvereinigung hat in jedem ihrer vier Krankenhäuser Isolationsräume eingerichtet. Am St. Ansgar in Höxter wurde von einer extra einberufenen Task-Force ein bestimmter Isolationsbereich festgelegt. Für den Fall, dass ein Patient mit einem begründeten Verdachtsfall nach entsprechender Anamnese durch den Hausarzt in einer der Notaufnahmen vorstellig wird, wird er in einen dieser festgelegten Räume gebracht. „Unser Personal ist entsprechend sensibilisiert und vorbereitet und wird auch jetzt weiter regelmäßig informiert und auf den neuesten Stand gebracht“, sagt Klinik-Chef Christian Jostes.

Auf Besuche verzichten

Das Klinikum Weser-Egge bittet darum, auf Besuche in den Krankenhäusern zu verzichten. Die Besuchszeiten werden aber nicht eingeschränkt. „Wir möchten niemandem verbieten, unsere Häuser zu betreten“, sagt Jostes, „dennoch sollte sich jeder hinterfragen, ob im Zweifel auch ein Anruf bei dem Angehörigen ausreicht. Als größter Arbeitgeber im Kreis Höxter haben wir zusätzlich eine Fürsorgepflicht auch gegenüber unseren Mitarbeitern, so dass weniger Kontakt mehr Sicherheit für den Patienten als auch für unsere Mitarbeiter bedeutet.“

Besonders bittet er Erwachsene und Kinder mit Erkältungssymptomen die Krankenhäuser nicht zu betreten. Sollten Besuche zwingend erforderlich sein, so sollten die Hände gründlich desinfiziert werden. Außerdem sollte auf direkten Körperkontakt mit den Patienten verzichtet werden. In der Kinder- und Jugendklinik in Höxter sollen nur die Eltern die kleinen Patienten zu Besuch kommen. Die Cafeterien sollen weiterhin geöffnet bleiben, aber nur für die Mitarbeiter. Gottesdienste in den Krankenhauskapellen finden nicht mehr statt.

Veranstaltungsabsagen

Die meisten Kultur- und Festveranstaltungen im Kreis fallen ab sofort aus . Die Kulturgemeinschaft Beverungen hatte sich kurzfristig am Freitag entschieden, den ausverkauften Auftritt des Humoristen Christoph Sieber am Freitagabend abzusagen. TV-Star Frieda Braun kommt wegen Corona an diesem Samstag nicht nach Höxter. 650 Zuschauer sind betroffen. Ersatztermin ist Samstag, 24. Oktober. Die Karten behalten ihre Gültigkeit. Auch für die weiteren Veranstaltungen in der Stadthalle bemühen sich die Veranstalter um Ersatztermine.

Schutzmaßnahmen im Amt

In Borgentreich werden die Bürger gebeten, sich ab Montag telefonisch im Rathaus anzumelden. „Offene Sprechstunden wird es vorläufig nicht mehr geben“, sagte Bürgermeister Rainer Rauch. Das gilt aber nicht für alle Städte. Zwar ist auch Brakels Stadtoberhaupt Hermann Temme um die Gesundheit seiner Mitarbeiter besorgt. Auf eine Terminvereinbarung will er aber verzichten – zumindest vorerst. „Vielleicht ist die Lage am Montag so, dass wir eine andere Entscheidung treffen müssen“, sagte er Freitagmittag.

Firmung abgesagt

Dem Schutz vor dem Corona-Virus dient auch die Absage der Firmfeiern im Erzbistum. Direkt betroffen sind unter anderem die Pastoralverbünde Höxter und Brakel. In Brakel sind beispielsweise auch alle Termine in der Firmvorbereitung (Basiskurse und Gottesdienste) abgesagt worden.

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