Weil Landwirte Wegerecht verweigern: Verein Holzminden-Höxter will klagen
Hängepartie für Tierschützer

Holzminden/Höxter (WB). Der Umzug des Tierheims Holzminden von den Gärten am Ziegeleiweg an den südöstlichen Stadtrand in das frühere Anwesen Celten oberhalb von Lüchtringen hakt. Wie berichtet, sollte der Hof längst bezogen sein, jedoch fehlen Genehmigungen. Eine Hängepartie. Die Situation ist verfahren. Die Fronten mit den Grundstücksnachbarn sind verhärtet.

Dienstag, 17.03.2020, 18:51 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 19:18 Uhr
Jens-Uwe Müller (links), Vorsitzender des Tierschutzvereins Höxter-Holzminden, und Tierheimleiter Carsten Voß kommen nicht weiter mit ihren Planungen zum Umbau des frühen Celten-Landsitzes in Sollingnähe nahe Lüchtringen an der Straße nach Fohlenplacken. Foto: Michael Robrecht
Jens-Uwe Müller (links), Vorsitzender des Tierschutzvereins Höxter-Holzminden, und Tierheimleiter Carsten Voß kommen nicht weiter mit ihren Planungen zum Umbau des frühen Celten-Landsitzes in Sollingnähe nahe Lüchtringen an der Straße nach Fohlenplacken. Foto: Michael Robrecht

Neues Tierheim: Pläne in der Warteschleife

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Der Tierschutzverein Holzminden-Höxter (233 Mitglieder) hat mit Neugestaltungsarbeiten im Tannenhof am Allernbusch begonnen, darf aber nicht weitermachen. Knackpunkt: Den Tierschützern, die das 8700 Quadratmeter große Gehöft mit alter weißer Villa, Scheunen und Nebengebäuden durch zwei Erbschaften kaufen konnten, fehlt überraschend ein wichtiges Wegerecht für die Grundstückszufahrt.

Kein Wegerecht

In einer Pressekonferenz berichtete Tierheimvereinsvorsitzender Jens-Uwe Müller, dass die Feldwegeinteressengemeinschaft Holzminden nicht bereit sei, dem Tierheim das Wegerecht einzuräumen. 60 Meter Weg, der der Feldweg-IG gehört, ist der Streitpunkt. Die Landwirte hatten zuletzt in der Jahresversammlung mit großer Mehrheit die Ansiedelung des Tierschutzvereins abgelehnt. „Keiner hat etwas gegen Tierschutz, aber nicht an dieser Stelle“, wird Friedrich Schütte, Vorsitzender der Feldwegeinteressentschaft, zitiert. „Wir wollen den Tannenhof zügig umbauen“, unterstreicht Jens-Uwe Müller. Man müsse jetzt juristisch vorgehen und eine gerichtliche Klärung herbeiführen: „Wir hängen in der Luft. Wir werden daher einen Anwalt einschalten und das Notwegerecht einklagen.“ Wie lange das dauert? Niemand weiß es, und das ärgert die Tierschützer – darunter auch viele aus dem Raum Höxter. Die zurzeit 41 Katzen und vier Hunde brauchten ein neues Zuhause, zumal der alte Standort nahe der Weserbrücke in die Jahre gekommen sei und nicht erweitert werden könne.

Jens-Uwe Müller will Rechtssicherheit herstellen, um nicht später sein blaues Wunder zu erleben. Er reichte den Kritikern die Hand und wünscht sich eine gute Nachbarschaft zu den Grundstückseigentümern in der menschenleeren Feldflur an der Landesgrenze NRW-Niedersachsen. Tierheimleiter Carsten Voß will zudem in das Wohnhaus des Tannenhofes ziehen, um präsent zu sein. Vier hauptamtliche Kräfte sollen beschäftigt werden, zudem etliche ehrenamtliche Gassigeher.

Plötzlich eine Baulast

Die Mitglieder des Tierschutzvereins wundern sich schon, warum das Wegerecht an jener Stelle 48 Jahre keine Baulasteintragung benötigte, jetzt plötzlich aber schon. Man habe registriert, dass von jemandem, der den weißen Landsitz auch habe kaufen wollen, erhebliche Stimmung gegen die Tierschützer gemacht werde, schilderte Vorsitzender Müller. Der Wortführer habe mobilisiert und Aktionen gestartet – offensichtlich mit aufschiebender Wirkung. Bauunternehmer Jens-Uwe Müller berichtete, dass er persönlich von Kritikern hart angegangen werde. „Wer ein Tierheimprojekt heute erfolgreich regeln will, der braucht starke Nerven“, berichtet er. Er stelle sich aber den neuen Anforderungen wie dem Wegerecht und gebe nicht auf. Er erinnerte daran, dass er Rückendeckung von der Stadtverwaltung für den Sanierungsplan Tannenhof erhalten habe. Die Stadt Holzminden schickte einen positiven Bauvorbescheid und die Befreiung nach dem Naturschutzgesetz. Schon beim Kauf des Celten-Anwesens Ende 2018 habe das vorgelegen. Die Bedenken der Kritiker habe die Behörde nicht geteilt. IG und Jagdgenossenschaft Allernbusch hätten aber Einspruch gegen die städtischen Bescheide eingelegt. Im Mai 2019 gab es dann einen Tag der offenen Tür und eine Inventarversteigerung im Hof, was quasi der Startschuss für das Projekt gewesen sei.

Antrag abgelehnt

Landwirte äußerten danach Unmut darüber, dass Besucher und Tierschützer bei dem Event sich nicht daran gehalten hätten, die den Hof umliegenden Feldwege nicht zu befahren und dort nicht zu parken. Die Neueigentümer hätten mit den Landwirten bis dahin nicht gesprochen. Als die Tierschützer dann begannen, das neue Hundehaus zu entkernen und wieder die Zuwegung über einen Feldweg und nicht über die größere Straße nutzten, wurde ein Anwalt eingeschaltet. Der fuhr groß auf und will im Namen seiner Mandaten nun das Tierheim am Allernbusch verhindern sowie ein Befahren der Feldwege untersagen.

Im Februar 2020 wurde dann ein offizieller Antrag auf Wegerecht bei der Landwirte-Interessengemeinschaft eingereicht, der jetzt mit Mehrheit der Flureigentümer abgelehnt wurde. Jens-Uwe Müller sagte, es sei nicht gelungen, die Wogen zu glätten. Er sei auch davon ausgegangen, dass man als Anwohner automatisch Mitglied der IG ist und Wegerecht genieße. Doch dann sei die Forderung gekommen, dass das Wegerecht als Baulast erst im Grundbuch eingetragen werden müsse. Müller berichtete, dass – anders als die Landwirte – der aktuelle Jagdpächter und die Jägerschaft kein Problem mit einem Tierheim im Tannenhof hätten. „Die Landwirte sehen nur Probleme.“

25 bis 30 Aktive

Jens-Uwe Müller will keine Prognose abgeben, wann das Tierheimprojekt baulich begonnen werden könne. Er glaubt, es sei bis Ende 2020 realisierbar. 25 bis 30 Aktive wollten jederzeit loslegen. Man stehe in den Startlöchern.

Statt sich der eigentlichen Arbeit zu widmen, muss sich der Tierschutzverein Holzminden-Höxter nun also monatelang mit vielen Anträgen, einem komplizierten Wegerecht und fehlenden Verträgen herumschlagen. Auch die Vertragsvereinbarungen mit den umliegenden Kommunen sind noch nicht in trockenen Tüchern. Positive Beschlüsse gibt es aus Holzminden, Boffzen, Bodenwerder und bald wohl Bevern sowie Dellingsen. In Höxter steht die Entscheidung des Rates aus (wir berichteten). Die Stadtverwaltung empfiehlt aber eine Zustimmung.

Die Stadt Holzminden möchte übrigens nach dem Umzug auf dem 1600 Quadratmeter großen alten Tierheimgelände die erste stadtnahe Hundebegegnungswiese einrichten.

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