Erste Festabsagen im Kreis Höxter
Virus setzt Schützen unter Druck

Kreis Höxter(WB). Die Corona-Krise legt derzeit weite Teile des öffentlichen Lebens lahm – davon könnten auch die Schützenfeste im Kreis Höxter betroffen sein, die einen festen Platz in der Gesellschaft der Städte und Ortschaften haben. Die ausrichtenden Bruderschaften, Vereine und Gilden stecken derzeit die Köpfe sprichwörtlich zusammen – jedoch noch nicht in den Sand.

Freitag, 20.03.2020, 06:53 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 07:00 Uhr
In Jakobsberg wird nur alle fünf Jahre gefeiert. Hier ein Bid von 2015. Foto: privat
In Jakobsberg wird nur alle fünf Jahre gefeiert. Hier ein Bid von 2015. Foto: privat

Alle fünf Jahre

Die Schützengilde in Höxter hat sich mit vielen Helfern seit Monaten auf das große Jubiläumsfest zum 425-jährigen Bestehen vorbereitet – und bereits vor einigen Tagen alle Veranstaltungen auf das kommende Jahr verschoben. Ebenso Bruchhausen .

Doch es sind auch die Schützen in den kleinen Dörfer, die in diesen Tagen um ihre gesellschaftlichen Höhepunkte bangen. So wie in Jakobsberg: In der lediglich 270 Einwohner zählenden Beverunger Ortschaft wird nur alle fünf Jahre Schützenfest gefeiert – und ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 sollte es über Pfingsten wieder so weit sein. „Wir müssen leider zu 99,9 Prozent davon ausgehen, dass es in diesem Jahr nicht dazu kommt. In Jakobsberg haben sich alle jahrelang auf das nächste Schützenfest gefreut, vieles ist bereits mit großem Engagement und Herzblut in den vergangenen Monaten organisiert worden“, erzählt Oberst Bernhard Gründer.

Selbst absagen möchte die St.-Jakobus-Schützenbruderschaft von 1485 den Höhepunkt des Jahres bisweilen jedoch nicht. „Wir warten auf eine behördliche Anordnung, die über die Osterferien hinaus geht, damit wir nicht in Regress genommen werden – denn in diesem Fall gehen wir davon aus, dass man von höherer Gewalt sprechen kann. Sollte es nämlich bei einer Absage durch die Bruderschaft zu Regressforderungen kommen, wäre unser Guthaben mit einem Mal aufgebraucht und die Schützen müssten um ihre Existenz bangen“, betont der Jakobsberger in aller Deutlichkeit: „Eine Band für zwei Tage und ein Schützenzelt sind gebucht – diese Kosten sind ohne Einnahmen nicht zu stemmen.“ Sollte das Fest in diesem Jahr ausfallen, wolle man jedoch keine weiteren fünf Jahre warten – zu groß sei die Sehnsucht der Jakobsberger nach ihrem Schützenfest. „Dann feiern wir 2021 oder vielleicht 2023 zum 1050-jährigen Bestehen des Ortes“, so Gründer.

Bezirksfest auf der Kippe

Eine echte Großveranstaltung steht derweil in Lüchtringen auf der Kippe: Dort soll vom 26. bis zum 30. Juni das Ortsfest mit dem Bezirksschützenfest verbunden werden – fünf Tage mit einem Programmhöhepunkt nach dem nächsten. Oder doch nicht? „Es ist ein tägliches Abwegen. Eigentlich hatten wir uns Ostern als Zeitpunkt für eine endgültige Entscheidung ausgesucht, doch wir werden in den kommenden Tagen eine aktuelle Bewertung in enger Absprache mit den Behörden vornehmen“, erläutert Brudermeister Björn List. Die Schützenbruderschaft St. Johannes müsse sich auch mit „Ausweichgeschehnissen“ auseinandersetzen. Eine Verlegung in das kommende Jahr sei nicht möglich – dann sei Beverungen als Ausrichter an der Reihe.

Kurz nach seiner Wahl zum neuen Bezirksbundesmeister des Bezirksverbandes Höxter im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften muss sich auch Stefan Rüther aus Rolfzen mit der Corona-Krise auseinandersetzen. „Die Vereine loten derzeit aus, was in diesem Jahr vielleicht noch möglich ist. Die meisten wollen eine Entscheidung erst nach Ostern treffen – und das ist absolut richtig so. Auch der Bundesverband empfiehlt, auf behördliche Anordnungen zu warten. Wir gehen davon aus, dass dies Vertragsstrafen verhindern könnte. Es gibt Gerichte, die in ähnlichen Situationen auf höhere Gewalt entschieden haben“, sagt er. Die Schützenfeste seien seiner Meinung nach ein Symbol für den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Kreis Höxter. „Sie verbinden Menschen, was wiederum alle an ihre Heimat bindet.“

Bangen um die Kosten

Auch im Bezirksverband Warburg beobachtet man die Situation derzeit genau, wie Bezirksbundesmeister Matthias Gockeln aus Helmern betont: „Wir stehen unseren Bruderschaften gerne beratend zur Seite. Durch Absagen in Hövelhof oder Höxter, die deutlich spätere Termine hatten als einige unserer Mitglieder, steht man nun sicherlich unter Zugzwang. Ich persönlich bin jedoch ein Freund davon, jetzt zunächst abzuwarten und nicht vorschnell zu handeln – auch wenn die Wahrscheinlichkeit auf Schützenfeste im Jahr 2020 von Tag zu Tag schwindet.“ Abgesagt werden musste im Verband bisweilen bereits das Königsschießen in Kühlsen, das für den 22. März geplant war. Auch Gockeln hofft darauf, sich auch nach Ostern auf höhere Gewalt berufen zu können, wenn die Feste von den Behörden untersagt würden. Ein Ausfall vieler Schützenfeste würde seiner Ansicht nach jedoch auch ein Stück weit den Niedergang des gesellschaftlichen Lebens bedeuten. „Diese Feste sind eine wichtige Säule in den Orten und eine Klammer für viele Vereine und Personen“, sagt er.

Zunächst gelte es, Ruhe zu bewahren – und auch einen optimistischen Blick in die Zukunft lässt sich Gockeln nicht nehmen: „Corona ist nicht der Todesstoß für die Schützen. Was seit Jahrhunderten existiert, lässt sich nicht in einem Jahr zerstören.“

 

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