Fr., 27.03.2020

Der Geistliche erreicht in Zeiten von Corona viele Menschen und lobt Hilfsbereitschaft Vikar Klur sendet Licht aus

Jonas Klur besucht die Nicolaikirche in Höxter mehrmals täglich. „Hier bete ich und schöpfe Kraft.“Der Vikar will möglichst viele Menschen erreichen und freut sich über die Gläubigen, die nun aus dem Glauben heraus helfen und handeln.

Jonas Klur besucht die Nicolaikirche in Höxter mehrmals täglich. „Hier bete ich und schöpfe Kraft.“Der Vikar will möglichst viele Menschen erreichen und freut sich über die Gläubigen, die nun aus dem Glauben heraus helfen und handeln. Foto: Jürgen Drüke

Von Jürgen Drüke

Höxter (WB). „Es sind die kleinen Zeichen, die in schweren Zeiten Mut machen und helfen.“ Jonas Klur hätte vor einigen Wochen nicht gedacht, dass er Videos aufzeichnen und diese ins Internet stellen würde. Es sind seine persönlichen Botschaften und Lichtblicke. Der Höxteraner Vikar regt in Zeiten von Corona auch zum Nach- und Umdenken an.

In Zeiten, in denen keine Gottesdienste stattfinden dürfen, hat sich der Sauerländer etwas einfallen lassen: „Instagram und Twitter sind nun auch für mich wichtige Kanäle. Damit erreiche ich viele Menschen.“ Der 32-Jährige will die Menschen in dieser schweren Zeit mehr denn je erreichen: „Es sind Botschaften und Geschichten aus der Bibel, auch aus dem Alltag, die Mut machen sollen.”

Froher Ernst des Glaubens: Das Buh von Jonas Klur macht in dieser schweren zeit Mut. Foto: Jürgen Drüke

Virus hat die Welt im Griff

„Das Corona-Virus hat die Welt im Griff. Es sind erschreckende Bilder, die uns nun seit Wochen insbesondere aus Italien oder Spanien erreichen“, sagt Klur. Fünf Jahre hat er in Rom gelebt und hier studiert. Mit seinen italienischen Freunden steht er in Kontakt und weiß, dass sie schwere Zeiten erleben. Hunderte Tote an einem Tag. Die Bilder, die täglich zu sehen sind, nehmen den Vikar aus dem Pastoralverbund Corvey mit.

Jonas Klur (links), der beim SV Höxter Fußball spielt, betet dafür, dass das normale Leben zurückkehrt. Foto: Foto: Jürgen Drüke

Klur betet und ist überzeugt: „Jetzt hilft uns der Glaube.“ Die Gesten und die Solidarität, welche die Italienerinnen und Italiener zeigen würden, beeindrucken den Mann, der aus der 1300 Einwohner zählenden Gemeinde Altenhof im Sauerland stammt. „Wenn abends auf den Balkonen gesungen wird, erzeugen diese Bilder aus italienischen Städten nicht nur bei mir eine Gänsehaut. Die Menschen dürfen ihre kleinen Wohnungen in Zeiten von Corona nicht verlassen, doch sie stehen mehr denn je zusammen.“

Im Dezember hat Jonas Klur eine italienische Weihnachtsmesse gehalten. Foto: Jürgen Drüke

Als der junge Geistliche im Dezember vergangenen Jahres in der Nicolaikirche eine italienische Weihnachtsmesse gehalten hat, war die Welt noch in Ordnung. „Damals hätte sich niemand vorstellen können, dass nur vier Monate später ein Virus fast alles lahm legen und es so viele Tote auf der ganzen Welt geben würde.“ Jetzt gelte es zusammenzustehen, Abstand zu halten und zu helfen. Der Vikar verneigt sich vor den Ärzten und Pflegekräften, die bis zum Rande der Erschöpfung arbeiten würden: „Sie leisten Unglaubliches. Trotzdem müssen wir die Abstände nun auch zu unseren Nächsten einhalten. Das sind aktuell die großen Zeichen der Liebe.“

Umarmungen fehlen

Umarmungen würden den Menschen fehlen. „Dafür können eine Geste oder ein Lächeln viel bewirken.“ Den chronisch kranken und älteren Menschen, die von der Krise besonders betroffen seien und Angst vor der Ansteckung hätten, gelte es ganz besonders beizustehen. „In Bosseborn werden Briefe mit kleinen Aufmerksamkeiten an die älteren Menschen verteilt“, stellt der Vikar heraus. „Das ist Licht“, freut sich der katholische Priester.

„Wie gehen wir mit der Coronakrise um?” Diese Frage stellt der Vikar in seinem ersten Video: „Jedem von uns ist jetzt eine Fastenzeit auferlegt, ob er es will oder nicht. Wir müssen auf viele Dinge verzichten, die wir gerne machen.“ Es zeige sich, wovon wir abhängig seien. „Die Chance einer Fastenzeit besteht darin, dass wir freier werden. Vieles war Gewohnheit und Routine“, sagt Klur. „Wovon kann ich mich trennen?“ Klur glaubt, dass das Leben nach Corona anders sein wird: „Viele Menschen werden sich in dieser auferlegten Fastenzeit verändern.“

Er hofft, dass wir alle gestärkt aus der schweren Zeit hervorgehen und vor allem erkennen, dass es nicht immer noch schneller gehen muss. „Wir entschleunigen nun alle. Wir denken über unser Leben nach. Darin verbirgt sich eine große Chance.“ Die Corona-Pandemie könne auch dazu beitragen, dass Ängste genommen würden, die oftmals unbegründet gewesen seien. „So ist es nun wichtig, dass wir den Nächsten nicht als Gefahr oder als Virenschleuder sehen.“

Unbegründete Ängste nehmen

Vikar Jonas Klur macht Mut und sendet seine Botschaften in diesen Tagen auf ungewöhnliche Art – mit Videos, Twitter oder Insta­gram erreiche er die Menschen, die mehr denn je Hoffnung und ein Licht brauchen würden. „Jesus ist das Licht der Welt. Das wird auch in dieser schweren Zeit deutlich.“ Menschen würden sich nun kümmern. „Wir alle brauchen das Licht. Der Glaube stärkt uns und macht auch in schwersten Zeiten Mut“, sendet Jonas Klur Licht in die Welt aus.

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