Michelle Warschun spielt „Ode an die Freude“ über den Dächern von Höxter
„Diesen Kuss der ganzen Welt“

Höxter (WB). In 30 Metern Höhe über den Dächern von Höxter erklingt das auch als Europa-Hymne bekannte „Freude, schöner Götterfunken“. Die 20-jährige Michelle Warschun lässt ihre Trompete ganz oben im Rettungskorb der Feuerwehr-Drehleiter erschallen, erster Lohn sind Beifall und Jubelrufe von den Bewohnern der Innenstadt aus den umliegenden Fenstern. „Ein bisschen wackelig war es schon, aber ich habe keine Höhenangst und als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr war ich schon mehrmals auf der Drehleiter“, berichtet Michelle Warschun nun exklusiv dem WESTFALEN-BLATT.

Montag, 20.04.2020, 21:27 Uhr aktualisiert: 20.04.2020, 21:40 Uhr
Michelle Warschun mit ihrer Trompete über den Dächern von Höxter. Zur Ermutigung der Bevölkerung in der Corona-Krise hatte Robert Warneke die Idee zu dieser besonderen Aktion. Warneke ist als Notfallsanitäter in Höxter tätig und erstellt nebenher professionelle Werbefilme. Foto: FlyingAirPicture/ Robert Warneke
Michelle Warschun mit ihrer Trompete über den Dächern von Höxter. Zur Ermutigung der Bevölkerung in der Corona-Krise hatte Robert Warneke die Idee zu dieser besonderen Aktion. Warneke ist als Notfallsanitäter in Höxter tätig und erstellt nebenher professionelle Werbefilme. Foto: FlyingAirPicture/ Robert Warneke

Trompeterin aus Lüchtringen

Die junge Frau wohnt in Lüchtringen, ist dort auch Mitglied des Löschzuges, und im zweiten Ausbildungsjahr zur Notfallsanitäterin in Höxter. Beim Posaunenchor in ihrem Heimatort Blomberg-Istrup und beim Fanfarenzug Blomberg hat sie das Trompetespielen erlernt, inzwischen ist sie unter anderem als zweite Dirigentin bei der Marpetaler Blaskapelle aktiv. Ihr Arbeitskollege, Notfallsanitäter Robert Warneke, hatte die Idee zu dieser ungewöhnlichen Aktion, mit der die Feuerwehr und der

Trompeterin hoch über Höxter

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Rettungsdienst der Bevölkerung Danke sagen möchten für das disziplinierte Verhalten der vergangenen Wochen.

Video bei Youtube

„Da ich nebenberuflich auch Hochzeits- und Imagefilme erstelle und mein Equipment zur Zeit brach liegt, habe ich eine Idee der Feuerwehr Hamburg aufgegriffen“, erzählt Warneke. Beim Chef der Feuerwehr und des Rettungsdienstes Höxter, Jürgen Schmits, und auch bei Bürgermeister Fischer lief er offene Türen mit seinem Plan ein. Am Wochenende fuhr dann die große Drehleiter, gelenkt von Löschzugführer Steven Noble, vor der Dechanei in Höxter vor. Michelle Warschun bestieg mit ihrer Trompete den Rettungskorb und Robert Warneke ließ die Film-Drohne steigen. Das Ergebnis kann unter https://youtu.be/xQXhL70H158 bei Youtube besichtigt werden.

Eine Minute, 48 Sekunden

„Beim Rettungsdienst haben wir ja jeden Tag mit dem Thema Corona zu tun. Die Menschen in der Region verhalten sich vorbildlich und bleiben weitestgehend zuhause. Diese in Höxter einmalige Aktion ist auch zur Ermutigung der Bevölkerung gedacht“, sagt Robert Warneke. Als Notfallsanitäter ist er täglich im Rettungsdienst unterwegs, kümmert sich um die Patienten oder fährt den Notarztwagen. Mit seinem Profiwissen im Bereich Film konnte er über eine Minute und 48 Sekunden einmalige Bilder von Höxter, der Weser und nicht zuletzt der musizierenden Michelle festhalten. „Zwei ganze Arbeitstage hat die Bearbeitung des kurzen Videos gedauert“, verrät Warneke. Die Tonaufnahmen mussten allerdings nicht im Nachhinein gestellt werden. „Ungefähr acht Strophen habe ich gespielt“, erinnert sich Michelle Warschun, zwei davon, original aufgenommen von einem Gerät in ihrer Jackentasche, sind im Video zu hören.

Idee aus Hamburg

Aufgerufen zu solchen Aktionen haben unterschiedliche deutsche Musikverbände. Vikar Jonas Klur vom Pastoralverbund Corvey äußert sich im Video zu der luftigen Musikdarbietung: „Coole Aktion. Die Feuerwehr zeigt, dass sie nicht nur für praktische Hilfe gut ist. Eine wertvolle Geste in Zeiten, in denen wir uns nicht treffen können.“ Gerade dieses Lied könne helfen, „die Stimmung in unserer Stadt etwas aufzuhellen“, so Klur. „Danke, dass Ihr zuhause bleibt“, schreibt die Feuerwehr Höxter, und: „Trotz Abstand halten wir zusammen. Wir sind auch in schwierigen Zeiten für Euch da.“

Die „Ode an die Freude“ schrieb Friedrich Schiller als Wein- und Trinklied 1785. 1824 fanden die Zeilen Eingang in den vierten Satz von Ludwig van Beethovens neunter Sinfonie – das inzwischen vor allem dank der Vertonung weltbekannte „Freude, schöner Götterfunken“. Der Text ist ein Hoffnungsschimmer in Corona Zeiten: „Seid umschlungen Millionen, diesen Kuss der ganzen Welt.“

Kommentare

B. Nonym  schrieb: 21.04.2020 11:15
Setzen 6
Sehr geehrter
A. nonym

Wohl die Message bzw. Botschaft dahinter nicht ganz verstanden - schade :-)

Ich bin froh - das die Feuerwehr da ist, wenn sie gebraucht wird.
Letztendlich ist es auch mal schön zusehen das Sie da sind und mal Aufmerksam bekommen. Ohne das direktes Leid und Not von Menschen damit in Verbindung steht :-)
A. Nonym  schrieb: 20.04.2020 22:47
Über das Ziel hinaus geschossen
Ein einfaches Video aus der Fahrzeughalle hätte es auch getan um Danke zu sagen
2 Kommentare
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