Vorsichtige Lockerung der Auflagen – viele Geschäfte geöffnet – Bürger erleichtert
Ein „Hauch“ Normalität kehrt zurück

Höxter (WB). „Lucky“, ein Jack-Russel-Mix, streckt seine Schnauze ganz erwartungsvoll in Richtung Verkaufstheke. „Stimmt, das hatte ich ja schon fast vergessen“, sagt Ulla Dotzauer mit einem Lächeln und reicht dem Hund ihrer Stammkundin ein „Leckerli“. Die Chefin des kleinen Ladens (Lotto-Tabak-Zeitschriften) in der Marktstraße von Höxter hat nach mehr als vier Wochen wieder ihr Geschäft geöffnet.

Dienstag, 21.04.2020, 09:59 Uhr aktualisiert: 21.04.2020, 10:02 Uhr
Viele der Geschäfte in Höxters Innenstadt haben seit Montag wieder geöffnet. Überall gilt: Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden. Foto: Harald Iding
Viele der Geschäfte in Höxters Innenstadt haben seit Montag wieder geöffnet. Überall gilt: Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden. Foto: Harald Iding

 

„Wir hatten den Betrieb wegen der Corona-Gefahr aus Schutz unserer Mitarbeiter und Kunden geschlossen.“

Jetzt darf immer nur ein Kunde die Räumlichkeit betreten. Das steht auf einem Schild am Schaufenster – ebenso wie der Hinweis, einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten sowie die Hust- und Nies­etikette zu beachten.

„Das klappt gut, alle halten sich daran“, betont Dotzauer sichtlich zufrieden. Sie freue sich vor allem auf die Gespräche mit den Kunden. Eine junge Frau betritt den Laden: „Haben Sie vielleicht noch eine aktuelle Fernsehzeitung?“ Ihr kann geholfen, wenn auch die Chefin einräumt, dass wohl erst in den nächsten Tagen alle Medien in den Regalen ausliegen werden.

Die wirtschaftlich belastende „Auszeit“ wegen Corona hat auch das Familienunternehmen „Parfümerie Manegold“ im Herzen der Kreisstadt getroffen. Das Team habe dennoch versucht, das Beste aus der Situation zu machen.

Monika Manegold sagte dem WESTFALEN-BLATT: „Wir haben unser Telefon auf ein neues Extra-Handy geschaltet. So war ich für unsere Kundinnen rund um die Uhr erreichbar. Und von diesem Service haben auch einige Damen Gebrauch gemacht.“ Ab einem Einkaufswert von 25 Euro habe sie die Produkte zu ihnen nach Hause gebracht. Viele hätten vorab bargeldlos per „PayPal“ bezahlt. Auf die Erfahrung der Expertin wolle die treue Kundschaft halt nicht verzichten. Gutes Aussehen und die passende Hautpflege seien auch in Krisenzeiten gefragt. „Da gebe ich gerne Tipps und meine jahrzehntelange Erfahrung weiter“, so Monika Manegold. In dieser Woche hätte eigentlich der „Ladies’ Lunch“ in Bad Driburg auf dem Programm gestanden, wo sie sich immer gerne mit anderen Geschäftsfrauen aus OWL ausgetauscht habe. „Der Termin ist natürlich abgesagt worden, es ist ja immer eine große Gesellschaft.“  Aktuell steht sie mit ihrer Mitarbeiterin Marianne Sieg im Geschäft. Die ersten Kaufinteressierten kamen schon am Morgen.

„Ein Stück Lebensqualität“

Andrea Hildebrandt aus Lüchtringen gehört zu den vielen Bürgern, die sich über die Lockerung der Auflagen und der Öffnung von Einzelhandelsbetrieben freuen. „Damit kommt doch für uns alle ein Stück Lebensqualität zurück“, findet sie. Sie sagt: „Man sieht mal etwas anderes als den eigenen Garten!“ Positiv ist auch Rentnerin Karin Bitterberg aus Höxter gestimmt: „Es ist sehr wichtig, dass die Wirtschaft wieder in Schwung kommt. Es geht doch um viele Arbeitsplätze.“ Die Innenstadt von Höxter war am Montag mehr gefüllt als in den Tagen zuvor – aber längst nicht so frequentiert wie vor der Krise. Aber darauf setzen die Behörden aus Schutz vor einer Ansteckung auch.

Ordnungsamt kontrolliert vor Ort

Und sie schicken ihre Kontrolleure vom Ordnungsamt los, um die Einhaltung der Vorgaben zu überprüfen. Stadtsprecher Sebastian Vogt sagte dieser Zeitung auf Anfrage: „Die Anzahl von gleichzeitig im Geschäft anwesenden Kunden darf eine Person pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche nicht übersteigen.“ Für Personal und Kundschaft bestehe generell keine Verpflichtung, einen Mundschutz zu tragen. Aber: „In Situationen, in denen das Einhalten von Abständen nicht immer möglich ist, empfehlt sich daher ein Mundschutz, auch wenn er nicht vorgeschrieben ist!“

Die wichtigste Auflage aus Sicht der Stadt Höxter sei es, dass die Geschäfte das Einhalten des Mindestabstands von 1,5 Metern ermöglichen. Zum Einhalten des Arbeitsschutzstandards könnten transparente Abtrennungen als „Spuckschutz“ installiert werden.

Fahrradhändler Dirk Sommer aus Höxter sagt: „Viele wollen sich jetzt noch schnell im Frühjahr ein neues E-Bike kaufen. Die Bestellliste ist lang.“

Fahrradhändler Dirk Sommer aus Höxter sagt: „Viele wollen sich jetzt noch schnell im Frühjahr ein neues E-Bike kaufen. Die Bestellliste ist lang.“ Foto: Harald Iding

Dirk Sommer vom gleichnamigen Zweirad-Fachgeschäft hat im Laufe des ersten Tages zahlreiche Kunden begrüßen können. “Viele haben seit März sehnsüchtig darauf gewartet, sich ein neues Zweirad zu kaufen. Für uns Händler ist in den Vorjahren immer die Osterwoche die Zeit mit den größten Umsätzen gewesen. Das fiel ja in diesem Jahr leider ins Wasser”, so Sommer.

Bestellliste ist lang

Bereits am Montag und der Wiedereröffnung nach der mehrwöchigen Zwangspause sei die Bestellliste lang. “Die Leute können ja die Fitnessstudios noch nicht besuchen. Also setzen sie sich am liebsten auf E-Bikes, um sich in der Natur zu bewegen.” Auch andere kleine Geschäfte, die unter der 800-Quadratmeter-Marke liegen, öffneten in Höxter ihre Türen. Alle setzen auf eine Begrenzung der Kundenzahl und müssen die strengen Hygienevorschriften sowie Abstandsregeln einhalten. Vor den Türen laden Aufsteller die Kundschaft zum Besuch ein. Der Einzelhandel ist damit in Teilen wieder präsent, sehr zur Freude der Bürger.

 

Kommentare

Leser  schrieb: 21.04.2020 14:03
Ein NoGo, offene Läden ohne Maskenpflicht
Ohne Maskenpflicht der Startschuss zur zweiten Ansteckungswelle. Es ist ein desaströses Chaos in Deutschland. Jedes Bundesland und jede Stadt kocht ihr eigenes Süppchen. In NRW aktuell nicht von Vernunft geleitet.
Ohne Pflicht tragen die Leute keine Masken. Noch nicht kapiert?
1 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7377580?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F
Die Evakuierung läuft
Nach dem Fund einer 250-Kilo-Fliegerbombe an der Husener Straße laufen die Evakuierungsmaßnahmen an. Entschärft werden soll die Bombe von Karl-Heinz Clemens aus Elsen (rechts) und Ralf Kuhlpeter aus Sande (links) vom Kampfmittelbeseitigungsdienst.
Nachrichten-Ticker