Märkte: Diesseits und jenseits der Weser gibt es unterschiedliche Corona-Regelungen
Der eine darf – der andere aber nicht

Höxter/Holzminden (WB). Ein junger Mitarbeiter mit Maske steht am Eingang des Expert-Marktes in Holzminden. Er begrüßt freundlich die Kunden – und dreht am Rad der PC-Maus. Auf einem Display wird damit die Zahl der Personen verändert, die sich aktuell in den Verkaufsräumen befinden. Nummer 19 (von 80 zulässigen Personen) ist ein Rentner, der eine neue Druckerpatrone kaufen will. Die Mitarbeiter tragen alle Schutzmasken. Der Weg im Markt ist markiert, die Hygienevorschriften werden umgesetzt – und mehrere Bereiche sind abgesperrt. Die Kunden bekommen auf Wunsch alles ausgehändigt.

Mittwoch, 22.04.2020, 07:58 Uhr aktualisiert: 22.04.2020, 09:18 Uhr
Bestes Frühlingswetter zum Shoppen – aber das Modehaus Klingemann hat am Dienstag geschlossen. Das soll sich ab heute (Mittwoch) aber ändern. Foto: Harald Iding
Bestes Frühlingswetter zum Shoppen – aber das Modehaus Klingemann hat am Dienstag geschlossen. Das soll sich ab heute (Mittwoch) aber ändern. Foto: Harald Iding

Weniger als zehn Kilometer Luftlinie davon entfernt stellt sich die Lage des gleich großen Expert-Marktes in Höxter völlig anders dar. Die Türen zu den Geschäftsräumen sind verschlossen. Das entspricht den Vorgaben des Landes NRW, weil der Markt rund 500 Quadratmeter größer ist als die erlaubte Maximalgröße von 800 Quadratmetern. „Wir hätten uns schon eine bundeseinheitliche Regelung gewünscht und müssen nun abwarten, wie es in NRW weitergeht. Uns ist ja der 4. Mai (Montag) als möglicher Termin für eine Öffnung genannt worden“, sagte gestern Jens Ressel (kommissarischer Filialleiter) dem WESTFALEN-BLATT. Alles hätten sie – genau wie ihre Kollegen in Holzminden – vorbereitet, um zum Beispiel die Sicherheitsvorschriften und die Begrenzung der Verkaufsfläche einzuhalten. „Aber unser Betrieb liegt halt in NRW, es gelten hier andere Vorgaben“, bedauert Jens Ressel (44).

Geschlossen: Jens Ressel steht vor dem Expert-Markt in Höxter.

Geschlossen: Jens Ressel steht vor dem Expert-Markt in Höxter. Foto: Harald Iding

Ein Hoffnungsschimmer: An der Expert-Abholstation in Höxter bekommen Kunden nach telefonischer Bestellung weiterhin ihre Ware ausgehändigt – und zahlen mit Karte. Davon hat auch Ingo Roth (61) Gebrauch gemacht, der sich zuvor ein neues Tablet ausgesucht hatte. Er betont: „Ich kaufe elektronische Artikel nur dort, wo ich später wieder hingehen kann, um zum Beispiel den Servicedienst zu nutzen. Man muss einfach zum Einzelhandel vor Ort stehen – gerade in diesen Zeiten!“

Inzwischen fordern viele Bürgermeister eine Nachbesserung. „Die Öffnung der Geschäfte von den Bundesländern wird sehr unterschiedlich interpretiert. Beispielsweise in Hessen oder Niedersachsen dürfen auch größere Läden aufmachen, wenn sie ihre Verkaufsfläche begrenzen. In Nordrhein-Westfalen hatte die Landesregierung dies ausgeschlossen“, heißt es in einer Erklärung.

Geöffnet: In Holzminden heißt Expert-Leiter Dirk Staffel die Kunden willkommen.

Geöffnet: In Holzminden heißt Expert-Leiter Dirk Staffel die Kunden willkommen. Foto: Harald Iding

Bürgermeister Alexander Fischer: „Eine solche Ungleichbehandlung ist aus Sicht der betroffenen Geschäftsinhaber, aber auch aus unserer Sicht als in der Region Verantwortliche, nicht gerechtfertigt!“ Ein echter Mehrwert für den Infektionsschutz würde sich durch diese Vorgabe nicht ergeben. „Vielmehr führt sie zu Irritationen“, so Fischer.

Wie das WESTFALEN-BLATT erfahren hat, will Jens Klingemann sein Modehaus (etwa 7000 Quadratmeter groß) von heute an wieder öffnen. Er sagte: „Aber nur im Erdgeschoss – auf 800 Quadratmeter!“ Es sei ein zulässiger Schritt, der jetzt erfolge. Auch das Schuhhaus Klauser im Gebäudekomplex würde am Mittwoch (22. April) seine Türen öffnen.

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