Forschungsstandort an der Weser wird aufgewertet –
Thünen-Institut soll nach Höxter umziehen

Höxter (WB/rob). In Höxter soll eine Forschungseinrichtung des Braunschweiger Thünen-Institutes zur “Wirtschaft in ländlichen Räumen” entstehen. Mittelfristig könnte dann sogar der Hauptsitz der kompletten Abteilung für ländliche Räume des Thünen-Institutes von Braunschweig nach Höxter verlegt werden. Das berichten das Wochenblatt für Landwirtschaft und ländliches Leben sowie der Nachrichtendienst Agra-Europe in Berlin. Zwölf Arbeitsplätze umfasst die Einrichtung, die Räume an der Hochschule beziehen könnte.

Freitag, 24.04.2020, 08:06 Uhr aktualisiert: 24.04.2020, 12:32 Uhr
Der Eingangsbereich des Thünen-Instituts in Braunschweig. Die Einrichtung könnte bald komplett in Höxter (Hochschulgelände) angesiedelt werden. Foto: Thünen-Institut/Michael Welling
Der Eingangsbereich des Thünen-Instituts in Braunschweig. Die Einrichtung könnte bald komplett in Höxter (Hochschulgelände) angesiedelt werden. Foto: Thünen-Institut/Michael Welling

Das Bundeslandwirtschaftsministerium will seine Forschung im Bereich ländliche Räume intensivieren und dazu einen neuen Forschungsstandort aufbauen. Dem Vernehmen nach hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die notwendigen Entscheidungen dazu getroffen. Die Verlegung ist seit längerem diskutiert worden. Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Haase sagte auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES gestern Abend, dass das Institut sehr gut zu den Studiengängen an der Technischen Hochschule Höxter passe. “Precision Farming” vereine Kenntnisse aus Agrarwissenschaften, Informatik, Mechatronik und Gesellschaftswissenschaften. Für das Fachinstitut für Ländliche Räume, eines der sechs Braunschweiger Institute, ist eine mittelfristige Verlagerung nach Höxter geplant, sodass dann die beiden Institute im Themenbereich Ländliche Räume an einem Ort zusammen wären.

Das Thünen-Institut (TI) ist eine nachgeordnete Behörde des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Nun soll zur Stärkung der Ressortforschung im Bereich „Ländliche Räume“ das neue Institut gegründet werden. Vorerst sind hierfür zwölf neue Stellen vorgesehen. Fachlich gilt dies aufgrund der inhaltlichen Nähe zur Forschung der TH OWL sinnvoll. In der Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ wurde als Ziel gesetzt, dass der Bund Gründungen von Ressortforschungseinrichtungen bevorzugt in strukturschwachen Regionen vornehmen wird – und dort vorrangig in Klein- und Mittelstädten. Die Einrichtung in Höxter wird als völlig neues “Institut für Wirtschaft in ländlichen Räumen” aus dem dem bisherigen am Hauptstandort Braunschweig angesiedelten „Institut für ländliche Räume“ weiterentwickelt. Derzeit laufen laut dem Wochenblatt-Bericht Abstimmungen zur Beschaffung einer Liegenschaft in Höxter sowie die konkrete Vorbereitungen zur personellen Besetzung.

Die Diskussion um das neue Thünen-Institut gibt es schon länger. Als wahrscheinlich galt bislang aber, dass ein solches Institut angesichts der ausgeprägten Problemlage in den ländlichen Gebieten in Ostdeutschland angesiedelt werden würde. Dieser Standort ist nun wohl vom Tisch. Kein Geheimnis ist, dass sich insbesondere der Hauptberichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für den Einzelplan 10 im Haushaltsausschuss, MdB Christian Haase, für Höxter eingesetzt hat, schreibt das Wochenblatt.

Hintergrund

Die Entscheidung für Höxter wird als richtig bewertet, Klein- und Mittelstädte stärker mit Bundeseinrichtungen auszustatten. Anzustreben sind dort Cluster von Hochschulen und Fachhochschulen, Behörden, Universitäten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen, so dass Ausbildung und praktische Anwendung nah beieinander liegen, heißt es in den Schlussfolgerungen, die die Bundesminister Horst Seehofer, Franziska Giffey und Julia Klöckner als Vorsitzende der Kommission vorgelegt haben.

Das Thünen-Institut

Das Thünen-Institut ist eines von 40 Ressort-Forschungseinrichtungen des Bundes, zu denen auch das Robert-Koch-Institut in Berlin, der Deutsche Wetterdienst in Offenbach, das Umweltbundesamt in Dessau oder das Paul-Ehrlich-Institut für Impfstoffe und Arzneimittel in Langen gehören. Das Thünen-Institut, 2008 gegründet, ist benannt nach dem Agrarforscher Johann Heinrich von Thünen (1783-1850). Es ist als Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei dem Bundeslandwirtschaftsministerium zugeordnet und erforscht die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen durch Agrarwirtschaft, Forst- und Holzwirtschaft und Fischerei. Das Thünen-Institut ist aus drei Bundesforschungsanstalten hervorgegangen, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurden, zum Teil aber noch ältere Wurzeln haben: der Bundesforschungsanstalt für Fischerei (BFAFi), der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft (BFH) sowie großen Teilen der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL). Damit kann das Thünen-Institut auf eine mehr als 60-jährige Forschungsgeschichte zurückblicken. Die Forschungseinrichtung umfasst 14 Fach-Institute mit insgesamt etwa 1100 Beschäftigten, davon 570 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Hauptsitz ist bislang Braunschweig. Nach eigenen Angaben unterhält das Thünen-Institut internationale Kooperationen mit rund 440 wissenschaftlichen Einrichtungen in 96 Ländern.

Offiziell wird Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Standortentscheidung demnächst verkünden. Im Kreis Höxter haben die Verantwortlichen die Idee für die Institutsansiedlung im Vorfeld stets begrüßt.

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