Hospitalvereinigung wandelt Kurzzeitpflegen in Höxter und Brakel um
Quarantäne-Station für Heimbewohner

Höxter (WB). Die Katholische Hospitalvereinigung (KHWE) hat Kurzzeitpflegeeinrichtungen in Brakel und Höxter in Quarantänestationen umgewandelt. Hintergrund der Entscheidung ist eine Anordnung des Gesundheitsministeriums. Demnach dürfen Altenheim-Bewohner nach einem Krankenhausaufenthalt erst dann zurück ins Heim, wenn sie 14 Tage keine Symptome auf das Coronavirus gezeigt haben.

Dienstag, 28.04.2020, 08:00 Uhr
Eine solitäre Kurzzeitpflegeeinrichtung des Seniorenhauses St. Nikolai in Höxter ist in eine Quarantänestation für Menschen umgewandelt worden, die das Krankenhaus verlassen haben, aber noch nicht in ihre Einrichtungen zurückkehren können. Christian Jostes, Chef der KHWE, muss sich als Krisenmanager beweisen Foto: Harald Iding
Eine solitäre Kurzzeitpflegeeinrichtung des Seniorenhauses St. Nikolai in Höxter ist in eine Quarantänestation für Menschen umgewandelt worden, die das Krankenhaus verlassen haben, aber noch nicht in ihre Einrichtungen zurückkehren können. Christian Jostes, Chef der KHWE, muss sich als Krisenmanager beweisen

Personal umgesetzt

Betroffen von der Umwandlung sind die Kurzzeitpflegen in den KHWE-Seniorenhäusern St. Antonius in Brakel und St. Nikolai in Höxter. KHWE-Geschäftsführer Christian Jostes weist darauf hin, dass es sich in beiden Fällen um solitäre Einrichtungen handele, so dass ein Kontakt mit anderen Heimbewohnern ausgeschlossen werden könne.

„Wir konnten diese Umwandlung vornehmen, weil die Kurzzeitpflegeeinrichtungen wegen der Corona-Pandemie ohnehin sehr schlecht belegt sind“, sagte Jostes im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

KHWE-Geschäftsführer Christian Jostes.

KHWE-Geschäftsführer Christian Jostes.

Derzeit werden an jedem Standort bis zu zehn Bewohner betreut. Die Quarantänestationen werden mit Personal aus den geschlossenen Tagespflegen in Bökendorf und Höxter zusätzlich unterstützt.

Die Anordnung des Ministeriums gilt für alle Heime kreisweit. Soll ein Altenheimbewohner ein Krankenhaus verlassen, wird er noch dort auf Corona getestet. Auch mit einem negativen Befund muss der Bewohner für 14 Tage auf eine der Quarantänestationen. „Zeigt der Patient Symptome, wird er erneut getestet“, erläutert Jostes. Erst nach zwei symptomfreien Wochen könne er zurück ins Seniorenheim.

Für Patienten, die nach einer stationären Behandlung nicht in eine Reha-Einrichtung oder nach Hause entlassen werden können, hat die KHWE einen gesonderten Bereich mit Quarantäneplätzen im St.-Rochus-Krankenhaus in Steinheim eingerichtet. Heimbewohner aus anderen Seniorenheimen, die nicht zur KHWE gehören, können im Regelfall dort nicht untergebracht werden. Sie müssen die Quarantänezeit in ihren Einrichtungen verbringen, heißt es aus der Zentrale in Brakel.

Jostes hatte als kreisweite Quarantänestation das leer stehende Seniorenheim der Weserberglandklinik ins Gespräch gebracht. Dieser Vorstoß konnte bislang aber wegen Träger- und Personalfragen nicht umgesetzt werden.

In Steinheim werden dennoch seit Gründonnerstag auch Patienten behandelt, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Dabei handelt es sich um Personen, die zwar weiterhin stationär behandelt werden müssen, sich aber schon auf dem Weg der Genesung befinden, derzeit sind es zwölf. Sie wurden aus Bad Driburg oder Höxter, wo die Katholische Hospitalvereinigung Corona-Patienten normalerweise behandelt, in die Emmerstadt verlegt.

178 Verdachtsfälle

Nach Angaben des Klinik-Unternehmens sind im St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter seit Beginn der Corona-Krise bis gestern Vormittag insgesamt 109 Patienten mit Verdacht auf eine Infektion aufgenommen worden, als tatsächlich positiv haben sich letztlich 15 herausgestellt. Auf der Intensivstation wurden bislang sieben Patienten behandelt, zurzeit befinden sich noch drei dort in Behandlung. In der Kinder- und Jugendabteilung sei bislang kein Fall aufgetreten, berichtet Jostes.

Die zweite KHWE-Klinik, in der Corona-Patienten vorrangig behandelt werden, ist das St.-Josefs-Hospital in Bad Driburg. Hier sind bislang 69 Verdachtsfälle aufgenommen worden, davon haben sich vier als positiv herausgestellt. Auf der Intensivstation wurde bislang ein positiver Patient behandelt, der dort immer noch liegt.

Krisenmanager

Christian Jostes, seit ziemlich genau einem Jahr im Amt, muss zurzeit eine der schwersten Krisen der KHWE-Geschichte meistern – auch wirtschaftlich. Nach Angaben des 47-Jährigen sind die vier Krankenhäuser des größten Arbeitgebers im Kreis Höxter zurzeit zu etwa 50 Prozent belegt. „Planbare Operationen sind nahezu komplett weggefallen“, berichtet Jostes. Zum Teil seien Operationen auf Bitten des Bundesgesundheitsministeriums abgesagt worden, zum Teil hätten auch die Patienten in der derzeitigen Lage selbst nicht kommen wollen.

Sorge bereitet dem Klinikchef, dass auch weniger Notfälle behandelt werden. „Niemand muss Angst haben, im Notfall ins Krankenhaus zu kommen“, sagt Jostes. Es gebe umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen, um die Gefahr der Ansteckung zu minimieren. „Wir können mit infektiösen Krankheiten umgehen“.

Kritik an Finanzierung

Wirtschaftlich sei die Hospitalvereinigung „einigermaßen stabil“ aufgestellt. „Ich kann mich sicher so weit aus dem Fenster lehnen und sagen, dass die Corona-Krise für uns nicht ruinös sein wird“, sagt Jostes. Trotzdem übt er Kritik an der Krankenhausfinanzierung in dieser Ausnahmesituation. Christian Jostes hätte sich während der Krise eine pauschale Vergütung in etwa auf Basis des Vorjahresniveaus gewünscht. Jetzt sei bis Ende September vorgesehen, dass die Hospitäler eine Pauschale von 560 Euro pro Tag für jedes im Verhältnis zum Vorjahr freie Bett erhalten.

„Dafür müssen wir jetzt jeden Tag um Mitternacht die Istbelegung ermitteln“, berichtet Jostes von bürokratischen Auflagen. Zudem müssten dann in der Krise noch Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen für das letzte Quartal geführt werden.

Desinfektionsmittel-Diebe

Die Krankenhäuser im Kreis Höxter sind seit fast sechs Wochen für Besucher geschlossen. „Am Ende war ich froh, als dieser Beschluss gefallen war“, blickt Christian Jostes zurück. Zwischenzeitlich habe es eine hohe Anzahl an Klopapier-Diebstählen aus den Kliniktoiletten gegeben. Darüber hinaus seien Desinfektionsmittel aus den Spenden auf dem Flur in Getränkeflaschen abgefüllt worden. „Man hat uns sogar Spender aus der Wand gerissen.“

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