Chefarzt Firooz Ahmadi sorgt sich in der Corona-Krise um Kinder und Jugendliche
„Frühwarnsysteme fallen weg“

Höxter (WB). Nach Angaben des Bundeskriminalamtes werden in Deutschland täglich zahlreiche Kinder misshandelt oder sexuell missbraucht. „Auch in unserem Arbeitsalltag werden mein Team und ich häufig mit diesem Thema konfrontiert und stoßen dabei auch an unsere Grenzen“, sagt Firooz Ahmadi, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter.

Donnerstag, 30.04.2020, 04:01 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 05:00 Uhr
Firooz Ahmadi ist Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin in Höxter. Foto: Harald Iding
Firooz Ahmadi ist Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin in Höxter.

Sein Appell: Ärzte, aber auch Pädagogen in den Kindergärten, Schulen oder Gesundheits- und Jugendämtern, müssen in diesem Bereich besser geschult werden. „Nicht selten haben sie Probleme beim Umgang mit Verdachtsfällen“, sagt der 58-Jährige, „ihnen fehlen oft die erforderlichen Kenntnisse, Erfahrungen und verlässliche Handlungsleitlinien.“ Was bedeutet eigentlich Kindeswohlgefährdung? Wie erkenne ich sie? Wann und wie muss ich als Arzt intervenieren? Über diese und weitere Fragen wurde kürzlich bei einer Fortbildungsveranstaltung am Klinikum Weser-Egge diskutiert.

„Ob das nicht rechtzeitig gespritzte Insulin, nicht verabreichte Medikamente, dreckige und nicht adäquate Kleidung oder schlechte Ernährung - auch das sind Formen von Vernachlässigung, die wir nicht einfach übersehen dürfen“, sagt Firooz Ahmadi, der betont, dass sich häufig viele verschiedene Indizien zu einem Mosaik zusammensetzen. Besonders wachsam ist der erfahrene Chefarzt dann, wenn die Eltern ein Alkohol- oder Drogenproblem haben. „Ich darf nicht sofort subjektiv urteilen und verurteilen, sondern muss die möglichen Anzeichen zunächst sammeln und dokumentieren“, sagt Ahmadi, der seit mehr als 30 Jahren als Kinderarzt tätig ist. Das erfordere neben einer guten Menschenkenntnis vor allem Fingerspitzengefühl. Sollte sich ein Verdacht erhärten, werde das Jugendamt und die Polizei informiert.

Vor allem in der Corona-Krise befürchtet der Chefarzt der Kinderklinik besonders viele Fälle von Kindesmisshandlungen. Beispielsweise würden Verletzungen von Kindern, die wegen der aktuellen Situation mit ihren Eltern mehr zu Hause bleiben müssen, weniger auffallen. Ahmadi: „Frühwarnsysteme wie Kitas, Schule oder auch Sportvereine fallen weg.“ Darum sind für Firooz Ahmadi sind die sogenannten Früherkennungs-Untersuchungen bei Kindern wichtig und sollten weiterhin verpflichtet sein. „Nur so können wir mögliche Probleme und Misshandlungen auch frühzeitig erkennen”, sagt er.

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