Erstes hauptamtliches Stadtoberhaupt erlag den Folgen des Coronavirus
Altbürgermeister Hecker gestorben

Höxter (WB). Bestürzung in Höxter: Der frühere Bürgermeister Hermann Hecker ist tot. Der 78-Jährige starb an den Folgen des Coronavirus am 1. Mai im St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter. Hermann Hecker war das erste direkt gewählte hauptamtliche Stadtoberhaupt der Kreisstadt von 1999 bis 2009.

Montag, 04.05.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 06:05 Uhr
Verabschiedung des Bürgermeisters Hermann Hecker im Historischen Rathaus. Von 1999 bis 2009 war Hecker Höxters erstes hauptamtliches Stadtoberhaupt. Foto: WB-Archiv
Verabschiedung des Bürgermeisters Hermann Hecker im Historischen Rathaus. Von 1999 bis 2009 war Hecker Höxters erstes hauptamtliches Stadtoberhaupt. Foto: WB-Archiv

Die Ehefrau des Verstorbenen, Wilma Hecker, sagte am Montag gegenüber dem WESTFALEN-BLATT, dass die vergangenen vier Wochen für die Familie sehr hart gewesen seien. Man höre zurzeit jeden Tag von den vielen Corona-Opfern, wenn es einen jedoch selbst plötzlich betreffe, dann werde erst klar, was die Kranken oft über Wochen erleiden müssten.

Hermann Hecker (Mitte) hat als Bürgermeister seiner Heimatstadt viele Huxorimärkte eröffnet.

Hermann Hecker (Mitte) hat als Bürgermeister seiner Heimatstadt viele Huxorimärkte eröffnet. Foto: WB-Archiv

Ihr Mann habe vier Wochen im St. Ansgar gelegen und zuletzt eine schwere Lungenentzündung in Folge von Corona bekommen. Sie empfinde große Dankbarkeit und Hochachtung vor Ärzten und Pflegepersonal, die sich über Wochen sehr gut um ihren Mann gekümmert hätten.

Hermann Hecker wurde am 29. Juni 1941 in Höxter geboren und ist in Ovenhausen aufgewachsen. Er trat am 1. Oktober 1970 seinen Dienst bei der Stadt Höxter als Leiter des Rechtsamtes an, wurde später Kämmerer und dann zusätzlich auch Dezernent. 1991 wählte ihn der Rat der Stadt Höxter zum Beigeordneten und 1997 zum Ersten Beigeordneten.

Ehrenring der Stadt Höxter

1999 wurde Hecker von den Bürgerinnen und Bürgern mit 53,1 Prozent direkt zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister nach der Kommunalverfassungsreform gewählt und 2004 mit 61,7 Prozent wiedergewählt. Aufgrund des Erreichens der Altersgrenze von 68 Jahren trat Hecker 2009 nicht zur Wiederwahl an.

2009 erhielt Hecker für seine langjährige politische Tätigkeit den Ehrenring der Stadt Höxter. Er war in der CDU aktiv. Hermann und Wilma Hecker haben einen Sohn und eine Tochter. Stolz ist der langjährige Bürgermeister immer auf seine beiden Enkelkinder gewesen. Den Ruhestand verbrachte er mit seiner Frau im schönen Einfamilienhaus in der Goethestraße. Wilma und Hermann Hecker reisten viel und besuchten gerne kulturelle Veranstaltungen.

Hermann Hecker war ein Familienmensch, oft sah man ihn und seine Frau im Familienverbund in Höxter und Umgebung. Der Altbürgermeister hat sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt immer für sein Höxter interessiert und verfolgte die vielen oft strittigen Themen.

Mann der Tat

Hermann Hecker war ein Politiker und Verwaltungsmann der Tat. Er hat Themen entschieden und Knoten durchschlagen, auch wenn ihm bei umstrittenen Entscheidungen auch mal der Wind ins Gesicht wehte. In Rat und Verwaltung haben ihn viele als Mann in Erinnerung, der führte, der versuchte Mehrheiten für die vielen Höxteraner Themen zu finden, der Ideen hatte und nicht nur verwalten, sondern gestalten wollte. Vom Verwaltungslehrling hat sich Hecker bis zur Spitze hochgearbeitet.

Bürgermeister a.D. Hecker hat sich um Höxter verdient gemacht. Ganz oben auf der politischen Agenda stand für ihn als Finanzfachmann ein solide finanzierter Haushalt. Maßgeblich hat er mit dem damaligen Förderverein und der Politik dazu beigetragen, dass Höxter nach jahrzehntelanger Debatte 2004 eine Stadthalle bekommen hat. Hecker machte aus einem Luftschloss ein Traumhaus, wie er 2004 im September bei der Einweihung sagte.

Offenes Ohr für die Ortschaften

Ein offenes Ohr hatte Hermann Hecker auch für die Ortschaften. Immer wieder war er bei diversen Terminen und Festen gerne in den Dörfern. Bürgersprechstunden waren ihm wichtig. Als Bürgermeister und Mann in der Verwaltungsspitze hat Hecker 362 Pressekonferenzen, 105 Bürgersprechstunden und 912 Festreden gehalten, hieß es bei seiner Verabschiedung 2009.

Die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Höxter, Schulen, Tourismus und Kultur hatte Hecker ständig im Visier. Eine der schwärzesten Stunden seiner zehnjährigen Amtszeit als Bürgermeister war am 19. September 2005, als am Rathaus ein Haus explodierte und mehrere Tote, viele Verletzte und Millionenschäden in der Innenstadt zu beklagen waren. Hecker musste damals einer ganzen Stadt Trost spenden und gegenüber vielen Betroffenen die richtigen Worte finden. Er fand sie.

Wenn Hermann Hecker mit seiner Frau durch die Stadt ging, wurden die beiden oft von Freunden und Bekannten angesprochen und es entwickelten sich immer nette Gespräche. Der Altbürgermeister wurde gerne nach seiner Meinung zu den vielen Höxter-Themen gefragt.

Die Beerdigung findet wegen der Corona-Einschränkungen nur im ganz engen Familienkreis statt.

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