Ökumenischer Gottesdienst auf Flugplatz Räuschenberg verbindet in schweren Zeiten
Beten im Auto und dem Himmel nah

Höxter-Brenkhausen (WB). Bischof Anba Damian und Pastor Tobias Spittmann bereiten ein außergewöhnliches Event in schweren Zeiten vor: Ein ökumenischer Auto-Gottesdienst soll die Gläubigen am Sonntag, 17 Mai, auf den Flugplatz Höxter-Holzminden Richtung Räuschenberg ziehen.

Donnerstag, 14.05.2020, 06:02 Uhr aktualisiert: 14.05.2020, 06:10 Uhr
Die Vorbereitungen für den ökumenischen Gottesdienst laufen auf Hochtouren: Flugleiter Dr. Hans Junklewitz vom Flugplatz Höxter-Holzminden (von links), Bischof Anba Damian und Pastor Tobias Spittmann vom Patoralverbund Corvey. Foto: Jürgen Drüke
Die Vorbereitungen für den ökumenischen Gottesdienst laufen auf Hochtouren: Flugleiter Dr. Hans Junklewitz vom Flugplatz Höxter-Holzminden (von links), Bischof Anba Damian und Pastor Tobias Spittmann vom Patoralverbund Corvey. Foto: Jürgen Drüke

Katholische, evangelische und koptisch-orthodoxe Christen werden zusammenkommen: Beten im Auto in Zeiten von Corona. „Wir werden dem Himmel und Gott auf dem Flugplatz am Räuschenberg ganz nah sein“, stellt Pastor Spittmann heraus. Die Vorfreude sei groß. „Entsprechend hoch ist die Motivation.“

Besondere Wege

Bereits im Vorfeld haben die Haupt-Organisatoren sehr viel Zuspruch und Unterstützung erfahren. Dr. Hans Junklewitz aus Lüchtringen, der auf dem Flugplatz Höxter-Holzminden als Flugleiter im Einsatz ist, und ehrenamtlich auch für die koptisch-orthodoxe Kirche sowie für Unicef Höxter tätig, betont: „Als Bischof Damian wegen des Flugplatz-Geländes nachgefragt hat, haben wir sofort ja gesagt. In diesen Zeiten brauchen die Menschen Hoffnung. Sie brauchen Gott und setzen auf das Gebet.“ In ungewöhnlichen Zeiten würden die Kirchen besondere Wege gehen.

Idee von Mitte April

„Es werden sicherlich zahlreiche Gläubige mit ihren Autos kommen“, freut sich Bischof Damian auf das Miteinander. Auf dem großen Parkplatz vor dem Tower werden die Gottesdienst-Besucher dann in Richtung Kinderspielplatz schauen. Hier wird der Altarraum sein. „Drei Podeste werden hier für die drei Gottesdienstleiter aufgebaut“, berichtet Dr. Junklewitz. Um 15 Uhr soll der Dank- und Bitt-Gottesdienst beginnen. Bischof Damian für die koptisch-orthodoxe Kirche in Deutschland, Superintendent Volker Neuhoff für den evangelischen Kirchenkreis Paderborn und Pastor Tobias Spittmann vom Pastoralverbund Corvey werden den Gottesdienst zelebrieren. Erzbischof Mor Philoxenus Matthias Nayis von der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland aus Warburg habe sein Kommen zudem zugesagt. Das Bild auf dem Räuschenberg dürfte imposant sein: Ähnlich wie in einem Autokino werden die Besucher aus ihren Fahrzeugen heraus den Gottesdienst verfolgen können – mit einem Unterschied: Bischof Damian, Pastor Spittmann und Superintendent Neuhoff werden nicht auf einer großen Leinwand zu sehen sein, sondern real an einem aufgebauten Altar. „Unter Beachtung der Abstands- und Hygiene-Regeln könne die Teilnehmer den Gottesdienst auch unter freiem Himmel verfolgen.

Vereine dabei

Die Idee zum Auto-Gottesdienst sei Mitte April entstanden: „In Zeiten von Corona wollen wir allen danken, die sich so unermüdlichen einsetzen. Dazu gehören unter anderem Ärzte, Pflegekräfte, Polizisten und Politiker. Kurzum alle, die sich uneigennützig in den Dienst der Menschen und der Kranken stellen. Wir wollen zudem für die Menschen beten, die krank sind oder gerade am Virus Covid-19 leiden“, sagt Damian. Eigentlich sei für den 17. Mai auf dem Gelände des koptischen Klosters Brenkhausen der zweite Unicef-Kinderspieltag, der erste war im Juli 2017 auf ein großes Echo gestoßen, geplant gewesen. Der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer und seine Ehefrau Mechthild, die Vorsitzende von Unicef in Höxter ist, hatten ihre Zusage dafür bereits gegeben. Doch dann kam Corona. „Die Töpfers werden nun beim ökumenischen Auto-Gottesdienst dabei sein“, freut sich Bischof Damian. Zudem werden Landrat Friedhelm Spieker und wohl auch Bundestagsabgeordneter Christian Haase auf dem Räuschenberg sein. Abordnungen der Brenkhäuser Vereine sollen der Veranstaltung ein besonderes Flair geben. Es sei wichtig, dass die Gläubigen rechtzeitig kommen. Um 14 Uhr ist auf dem Parkplatz des Flugplatzes Einlass.

„Wir werden das Vaterunser in verschiedenen Sprachen beten“, hebt Damian hervor. Ökumene bedeute auch Vielsprachigkeit. „In Zeiten von Corona stärken wir uns gemeinsam“, freut sich Pastor Spittmann auf den kommenden Sonntag. Die Kollekte des Gottesdienstes ist für den Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bestimmt.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Das wird ein ganz besonderer Tag in schweren Zeiten: Der ökumenische Bitt- und Dank-Gottesdienst auf dem Flugplatz Höxter-Holzminden soll Hoffnung machen und Botschaften aussenden. Drei Konfessionen beten und feiern gemeinsam. Bischof Anba Damian für die koptisch-orthodoxen Kirche, Pastor Tobias Spittmann für die katholische Kirche und Superintendent Volker Neuhoff für die evangelische Kirche stehen im Vorfeld stellvertretend für das Miteinander.

Beten im Auto und dem Himmel so nah. In Zeiten der Corona-Pandemie fahren Katholiken, Evangelen und Koptisch-Orthodoxe auf dem Kurs der Gemeinsamkeit und dokumentieren dabei auch die Vielfalt des Christentums im Kreis Höxter. Eine wichtige Botschaft wird dabei sein, dass das Coronavirus keine Strafe Gottes ist. Eine weitere Botschaft soll ausdrücken, dass Gott immer an unserer Seite steht. Eine dritte Botschaft wird vermitteln, dass wir uns auf unseren Nächsten in schweren Zeiten verlassen können.

Eine Botschaft wiederum, die weit oben angesiedelt ist, ist der Dank. Ein Dankeschön, das in dieser schweren Zeit fast alle Menschen verdient haben. Wir werden in Krisenzeiten getragen und schaffen es nur gemeinsam. Denn wer hat schon immer so festen Boden unter den Füßen, dass er in Zeiten von Corona durchgängig Halt geben kann? Das ist die vielleicht wichtigste Botschaft am Sonntag, 17. Mai. In Zeiten von Corona zeigen drei Konfessionen worauf es ankommt.

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