Fr., 22.05.2020

Neue Geschichten von den geheimnisumwitterten Bielenberg-Stollen in Höxter: Riesiges rundes Loch im Wald gibt Rätsel auf Führte ein Lohrentunnel vom Steinbruch zur Kaserne?

Kalte Luft zieht aus dem Berg durch diese Stollenöffnung im westlichen Steinbruch: Dieter Siebeck kennt diesen alten Zugang in den Berg seit Jahrzehnten und berichtet davon, wie die Bundeswehr einst hier am Berghang gebaggert hat.

Kalte Luft zieht aus dem Berg durch diese Stollenöffnung im westlichen Steinbruch: Dieter Siebeck kennt diesen alten Zugang in den Berg seit Jahrzehnten und berichtet davon, wie die Bundeswehr einst hier am Berghang gebaggert hat. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Gab es einen geheimen Schacht für eine Lohrenbahn vom Bielenberg-Steinbruch direkt in die General-Weber-Kaserne? War die 1945 bei Kriegsende zugesprengte Stollenanlage im westlichen Steinbruch doch größer und für Lastwagen befahrbar? Und was hat es mit dem zugewachsenen kreisrunden Erdloch mit 35 oder mehr Metern Durchmesser, das die Wehrmacht neben den Steinbruch an der Lütmarser Hangseite gegraben hat und das an einen Versuchsstand im Peenemünder Raketentestzentrum erinnert, auf sich?

Das WESTFALEN-BLATT hat mit Dieter Siebeck aus Höxter eine Geländebegehung vorgenommen. Siebeck, 2. Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Höxter, Buchautor und lange Berufssoldat in der Kaserne in Höxter, hatte sich nach den Berichten über den 75. Jahrestag des Kriegsendes 1945 und über die Stollen im Bielenberg sowie nach den Aussagen des Lütmarser Zeitzeugen Johannes Maßmann gemeldet, um seine Beobachtungen einer interessierten Höxteraner Öffentlichkeit mitzuteilen.

 Luft aus Stollenzugang

Siebeck (73) ist beeindruckt von einem in fünf Metern über dem Eichwald/Tontauben-Steinbruch gut sichtbaren Zugang zum Stollensystem. „Da kommt viel kalte Luft aus dem Berg, was bedeutet, dass es eine Verbindung mit Durchzug zu den anderen Gängen geben muss“, sagt Siebeck. Der frühere Stabsfeldwebel und Wallmeister der Bundeswehr berichtete von einem Vorfall ungefähr Mitte der 1960er Jahre, als Kasernentankwart Egon Gellert für das damalige Pionierbataillon 7 mit Soldaten am östlichen Hang des Steinbruchs Schotter abbaggern und auf Lkw verladen übte. Der Schaufelbagger habe plötzlich die im April 1945 zugesprengten und eingebrochenen Stollen aufgerissen, schilderte Siebeck.

Nach einer Besprechung mit dem Kommandeur sei der Eingang sofort mit reichlich Geröll wieder verschlossen worden. Es sei sogar noch ein darüber hängender Felsen abgesprengt worden, um die Anlage dauerhaft verschlossen zu lassen, erklärt Siebeck, der die Informationen darüber von Gellert direkt bekommen hatte. An dem Hang sei sehr schön ein möglicher Bergzugang ablesbar, der an eine Bahnunterführung erinnere.

Zudem sei ihm mehrfach berichtet worden, dass dieser Eingang von der Höhe und Breite genug Platz für Lkw gehabt habe. Der offene Spalt weist bereits seit Jahren auf Stollen hin.

Lohren-Tunnel ins Tal?

Im Schmidtschen Steinbruch (im südlichen Teil des Bielenberges) untermauert Dieter Siebeck die These, es habe eine Lohrenverbindung vom Steinbruch durch das Bielenberg-Wohngebiet zum Keller jenes Kompaniegebäudes (jetzt 4. ABC-Abwehrbataillon 7, davor Ex-Panzerpionierkompanie 210) gegeben, neben dem zurzeit ein Neubau errichtet werde und das abgerissen werden solle. „Spalten im Felsen und eine mit Geröll zugekippte Stelle beweisen, dass hier eine solche unterirdische Lohrenbahn existiert haben könnte.“ Nachweisen könne man den heute zugemauerten Keller-Zugang vielleicht beim geplanten Gebäudeabriss 2021.

Ein alter Pionier, der in den 40er Jahren in Höxter stationiert gewesen sei, habe ihm vor Jahren bei einem Treffen in Paderborn zielgenau jene Stellen beschrieben, wo die Lohre in einen Tunnel fahren konnte. „Ich habe denkbare Einfahrten für Lohren im Steinbruch gefunden“, so Siebeck.

Im in den 50er Jahren errichteten Bielenberg-Wohngebiet gab es immer Gerüchte über eingebrochene Bereiche im Erdreich in Gärten. Der Lohren-Tunnel? Vielleicht gibt es noch Zeitzeugen.

Riesenloch mitten im Wald im Bielenberg

Und dann ist da noch das 35-Meter-Loch, das an einen Militärtechnik-Versuchsstand vor 75 oder 80 Jahren erinnert. Haben Pioniere oder andere Truppengattungen hier Tests vorgenommen? Es gibt einen inneren Erdwall, außen sieht man einen kreisrunden, mindestens fünf Meter tiefen Krater, der zugewachsen ist - aber sichtbar im Wald liegt. „Das ist wirklich ein Thema für Experten“, meint Dieter Siebeck. Er hat schon mit Fachleuten am Rande des Loches nahe des in Richtung Lütmarsen liegenden Steinbruchs gestanden und über die frühere Verwendung spekuliert. Eine schlüssige Antwort gibt es nicht. Sollte die Anlage zum Kriegsende 1944-45 neue Technik testen, die vielleicht von anderer Stelle ins etwas sicherere Höxter verlegt worden wäre?

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7420031?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F