Ikonenmaler Püttmann frischt Gemälde im koptischen Kloster mit Liebe zum Detail auf
Abendmahl erstrahlt in neuem Glanz

Brenkhausen  (WB). Der letzte Pinselstrich ist gemacht: „Puh“, atmet Reinhard Püttman durch und schaut auf das beeindruckende Bild. In mehreren Wochen hat der Ikonenmaler das Wandgemälde mit Jesus und den zwölf Jüngern beim letzten Abendmahl in seinen ursprünglichen Zustand zurückbefördert. Die 2001 erstellte Wandikone erstrahlt im koptischen Kloster in Brenkhausen in neuem Glanz.

Dienstag, 26.05.2020, 06:10 Uhr
„Beim letzten Abendmahl“: Ikonenmaler Reinhard Püttmann hat mit der Unterstützung seiner Ehefrau Rosemarie das Wandgemälde im Speise- und Empfangssaal des koptischen Klosters in seinen ursprünglichen Zustand zurückgebracht. Foto: Jürgen Drüke
„Beim letzten Abendmahl“: Ikonenmaler Reinhard Püttmann hat mit der Unterstützung seiner Ehefrau Rosemarie das Wandgemälde im Speise- und Empfangssaal des koptischen Klosters in seinen ursprünglichen Zustand zurückgebracht. Foto: Jürgen Drüke

„Das ist eine Meisterleistung par excellence“, stellt Hausherr Bischof Anba Damian heraus. Es handele sich um ein Unikat. Ein französischer Ikonenmaler habe es vor 19 Jahren erstellt. Püttmann habe alle Nuancen und Feinheiten der Ikone herausgearbeitet und das Werk wieder lebendig gemacht. „Wir sind stolz darauf.“ Die fast zwei Jahrzehnte alte Ikone sei nun wie neu.

Vor einem Jahr steht Cem Özdemir vor der großen Wandikone im Fokus.

Vor einem Jahr steht Cem Özdemir vor der großen Wandikone im Fokus. Foto: Jürgen Drüke

Vier Tage in der Woche

An vier Tagen in der Woche hat Püttman, der seit fast vier Jahrzehnten Ikonen malt, das letzte Abendmahl in den ursprünglichen Farben in Szene gesetzt. Seine Ehefrau stand ihm dabei zur Seite. „Das ist mit Liebe und großer Hingabe geschehen. Diesen perfekten Ikonenmaler kann nichts aus der Ruhe bringen“, bewundert Damian neben den künstlerischen Fähigkeiten insbesondere die Gelassenheit und Geduld, welche Reinhard Püttmann an den Tag legt. Der Ikonenmaler ist in seinem Element, wenn er die Farbpaletten und den Pinsel in den Händen hält. Akribie und höchste Konzentration sind Grundvoraussetzungen.

Die Ikone der Heiligen Maria Mutter Gottes mit dem Jesuskind wird Reinhard Püttmann auffrischen.

Die Ikone der Heiligen Maria Mutter Gottes mit dem Jesuskind wird Reinhard Püttmann auffrischen. Foto: Jürgen Drüke

Feuchtigkeit und Kälte

„Die Feuchtigkeit und die Kälte haben im Verlauf der vergangenen fast zwei Jahrzehnte dazu beigetragen, dass der Putz zu bröckeln begann und sich an einigen Stellen von der Wand löste. Das Gemälde wies kleine Risse auf. Die Farben waren inzwischen verblasst und Details nicht mehr erkennbar,“ berichtet Püttmann, der in der Region als einer der anerkanntesten Ikonenmaler gilt. Der 77-Jährige hat sein Hobby von der Pike auf gelernt. Dabei war Püttmann als Radio- und Fernsehtechnikermeister sowie Informatiker bei Schidlack (Expert) in Höxter tätig. „Das Hobby war ein guter Ausgleich zum Beruf und macht nun weiterhin großen Spaß“, sagt der Rentner. Die Grundtechniken der Ikonenmalerei hat der Höxteraner in einem mehrjährigen Studium bei Kunstpädagogin Müller-Lorenz in Höxter erlernt. Danach bildete er sich in Studienreisen weiter. So besuchte er das Kloster auf dem Berg Athos, das ist die Wiege der griechischen Ikonenmalerei. Der leidenschaftliche Künstler war zudem in der Ikonen-Malschule Uglitsch in Russland und bei Mönchen in Sergijew Possad sowie in einem Forschungsinstitut in Moskau. Püttmann steht auch für die Ikonenkunst im Kloster Brenkhausen: „Wir sind stolz darauf, einen der anerkanntesten Ikonenmaler der Region bei uns zu haben“, sagt Anba Damian. Die letzte Ausstellung des Kreisstädters Ende 2018 mit 61 seiner selbstgemalten Ikonen im russischen und griechischen Stil war im Museum im „Stern“ in Warburg ein großer Erfolg. Detailreichtum würde die Werke Püttmanns auszeichnen.

Hochrangige Gäste

Hochrangige deutsche Spitzenpolitiker wie die ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler und Christian Wulff, Landwirtschaftsministerin Juli Klöckner, der ehemalige CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Volker Kauder, oder Cem Özdemir, der Ex-Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, sowie kirchliche Würdenträger wie Dr. Heinrich Bedford-Strohm, der EKD-Ratsvorsitzende in Deutschland, waren bei ihren Besuchen im Kloster von der Wandikone fasziniert.

„Die Ikone ist nun wieder ein Blickfang und wird noch viele Gäste erfreuen. Reinhard Püttmann hat das bewirkt“, würdigt Bischof Damian. Dabei arbeite der Mann aus Höxter unentgeltlich. „Das ist nicht hoch genug zu bewerten“, bedankt sich der Bischof.

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