Bahnhofsinitiative sucht Käufer für das Stellwerk Ottbergen-Ost
„Oof“ ist was für echte Liebhaber

Ottbergen (WB). Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der Dreimonatskalender ist am 19. Oktober 2008 markiert – einem Sonntag, und dem Tag, an dem zum letzten Mal ein Fahrdienstleiter die Stufen zur Kanzel des Stellwerkes Ottbergen Ost hinauf stieg. Seitdem liegt die Schaltzentrale des einst bedeutsamen Bahnknotens in einem Dorn­röschenschlaf. Die Bahnhofsinitiative Ottbergen will das ändern und sucht in Absprache mit der Deutschen Bahn einen Käufer für das Stück Eisenbahngeschichte.

Mittwoch, 27.05.2020, 22:15 Uhr aktualisiert: 27.05.2020, 22:40 Uhr
In der Lehre war das auch sein Arbeitsplatz: Dietmar Barkhausen (67) ist Eisenbahner aus Leidenschaft. Für die Bahnhofsinitiative Ottbergen sucht er mit vielen anderen Ehrenamtlichen einen Käufer für das Stellwerk Ost. Foto: Marius Thöne
In der Lehre war das auch sein Arbeitsplatz: Dietmar Barkhausen (67) ist Eisenbahner aus Leidenschaft. Für die Bahnhofsinitiative Ottbergen sucht er mit vielen anderen Ehrenamtlichen einen Käufer für das Stellwerk Ost. Foto: Marius Thöne

Angebissen hat noch niemand

Dass der aber ein eingefleischter Eisenbahnfan sein muss, wird deutlich, wenn Dietmar Barkhausen kommt. „Der nächste Zug kommt erst in zehn Minuten“, sagt der 67-Jährige und überquert das Gleis in Richtung Höxter. Barkhausen ist nicht etwa Immobilienmakler, sondern einer von vielen Ehrenamtlichen in der Bahnhofsinitiative. Er hat in den vergangenen Monaten einigen Interessenten das Stellwerk gezeigt. Angebissen hat bisher noch niemand.

Im alten Stellwerk Ottbergen-Ost

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Das größte Problem ist die Infra­struktur. Bisher gibt es zu dem Bau von 1938 nämlich keine direkte Zuwegung. Ein Schotterweg endet ein paar Meter vor dem Stellwerk, danach muss man über die Gleise gehen. „Es gebe sicherlich die Möglichkeit, einen Weg zu bauen, aber da müssten noch Grundstücksfragen abschließend geklärt werden“, sagt Barkhausen.

Kein Abriss geplant

Mit der Sanierung der Bahnhofes Ottbergen vor einigen Jahren ist der Stromanschluss zum Stellwerk abgeklemmt worden, ebenso gibt es keinen Wasseranschluss.

„Das ließe sich über einen eigenen Brunnen und eine Photovoltaikanlage sicher lösen – ist aber natürlich mit einem gewissen Aufwand verbunden“, so Barkhausens Einschätzung. Eine Heizung sei aber vorhanden. Und die Bahn sei bereit, das Gebäude zu einem günstigen Preis abzugeben.

Im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder im Westen soll „Oof“, wie das Stellwerk Ottbergen-Ost in der Eisenbahnerfachsprache heißt, im Zuge des Neubaus der Bundesstraße 64 nicht abgerissen werden. „Das wäre wegen der Lage zwischen den Gleisen schwierig. Das ortsbildprägende Gebäude zu erhalten, ist auch unser Ziel“, sagt Barkhausen, der sich dort auch gut das Atelier eines Künstlers vorstellen kann. Dass der Backsteinbau aus den 30er Jahren eine neue Nutzung verdient, wird deutlich, wenn man mit dem früheren Eisenbahner, der einen Teil seiner Lehrzeit auf dem Stellwerk verbracht hat, die Treppen zur Kanzel hinauf steigt.

Die Aussicht über den Bahnhof Ottbergen und das Nethetal ist beeindruckend.

Signale und Weichen

Hier oben war der Arbeitsplatz der Fahrdienstleiter, hier wurden dutzende Signale und Weichen gestellt. Sie brauchten die Aussicht, um sehen zu können, was im Bahnhof vor sich geht. „Was Altenbeken für den Personenverkehr war, war Ottbergen für den Güterverkehr – ein wichtiger Eisenbahnknoten. In Ottbergen gab es umfangreiche Gleisanlagen zur Zusammenstellung von Güterzügen, die heute größtenteils abgebaut sind. Wer aus der Kanzel des Stellwerks auf die vielen Grünflächen blickt, kann erahnen, welche Ausmaße dieser Bahnhof hatte.

Neue Zentrale in Göttingen

Seit 2008 übernimmt die Aufgaben der Ottberger Fahrdienstleiter ein großes Zentralstellwerk in Göttingen. Die mächtigen Schaltschränke der einstmals elektromechanischen Steuerung, die wie das Gebäude auch aus den 1930er Jahren stammt, sind noch vorhanden. Die Technik selbst hat die Bahn ausbauen lassen. „Es gibt noch einige Stellwerke vom Ottberger Typ. Dafür werden ja auch Ersatzteile benötigt“, erläutert Barkhausen. Über der kleinen Küchenzeile hängt ein Wasserboiler und in der Spüle liegt noch ein Kaffeefilter. Ein großer grauer Kasten für den ab den 1970er Jahren eingerichteten Bahnfunk steht ebenfalls so dort, als sei er gestern noch benutzt worden. Auf einem Schwenkarm wartet ein blaues Tastentelefon darauf, dass mal wieder jemand anruft. „Ich könnte mir hier oben auch gut einen Wohnraum vorstellen“, so Barkhausen. Er schätzt, dass ein Käufer 100.000 Euro in die Hand nehmen müsste, um das Gebäude auf Vordermann zu bringen. Das müsse ein Enthusiast sein, dem die Unwägbarkeiten nicht so wichtig seien. Auch die Bahnhofsinitiative selbst habe nach der Schließung des Stellwerkes kurz überlegt, es für ihre Zwecke zu nutzen und dort beispielsweise ein Café einzurichten. „Die jetzigen Räume im Bahnhofsgebäude sind für uns aber besser, sie sind für alle gut erreichbar“, so Barkhausen.

  • Wer Interesse an dem Stellwerk Ost in Ottbergen hat, kann sich im Internet dazu weiter informieren.

https://bit.ly/2LZxAon

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