Stadtverwaltung Höxter plant für Landesgartenschau und will Vertrag mit Gastronom Kai-Daniel Schmidt überraschend nicht verlängern
Pächter Schmidt ade? Stadt schreibt Stadthalle neu aus

Höxter (WB/rob). Das kommt überraschend: Der durch unvorhergesehene Veranstaltungsabsagen wirtschaftlich schwer getroffene Stadthallenpächter Kai-Daniel Schmidt muss nach eigenen Angaben einen weiteren Tiefschlag hinnehmen: Der Rat der Stadt Höxter hat in seiner jüngsten Sitzung am 28. Mai beschlossen, den Pachtvertrag zum 1. Februar 2021 neu auszuschreiben, statt den seit 2015 laufenden Kontrakt mit kds events um zwei weitere Jahre zu verlängern.

Samstag, 06.06.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 06.06.2020, 10:14 Uhr
Stadthallenwirt Kai-Daniel Schmidt und Hallenmanagerin Katharina Postert haben im Januar 2015 die Stadthallen-Schlüssel übernommen. Müssen sie die Schlüssel 2021 wieder abgeben? Foto: Michael Robrecht
Stadthallenwirt Kai-Daniel Schmidt und Hallenmanagerin Katharina Postert haben im Januar 2015 die Stadthallen-Schlüssel übernommen. Müssen sie die Schlüssel 2021 wieder abgeben? Foto: Michael Robrecht

Inzwischen hat Höxters Bürgermeister Alexander Fischer dem Stadthallenpächter die Entscheidung in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. „Jetzt ist nun mal die Zeit, um für die Landesgartenschau zu planen“, sei die knappe Begründung der Verwaltung gewesen.

Die Ratsentscheidung stellt Schmidt vor ein vor allem finanziell riesiges Problem: Viele der in diesem Jahr corona-bedingt abgesagten Veranstaltungen sollten im kommenden Jahr nachgeholt werden. „Nachdem wir nun durch die Ausfälle große Einbußen hatten, soll uns nun auch noch die Möglichkeit genommen werden, dies 2021 nachzuholen“, so Kai-Daniel Schmidt. Zahlreiche Künstler hatten sich bereits zu einer Terminverschiebung bereit erklärt. Müssten diese Events nun ebenfalls ausfallen, brächte die Stadt Höxter den Pächter in beträchtliche wirtschaftliche Schwierigkeiten. „Gerade in der jetzigen Zeit – der Corona-Pandemie – haben vor allem die Eventbetreiber und Gastronomen Angst vor der Zukunft und versuchen alles, um existieren zu können“, erinnert Schmidt.

So habe kds events erst in der vergangenen Woche einen Kredit über 220.000 Euro aufgenommen, um die Arbeitsplätze seiner 16 festen Mitarbeiter und rund 70 Aushilfen sowie den Geschäftsbetrieb zu sichern. Denn auch in den nächsten Monaten werden sämtliche Veranstaltungen wie Firmenevents ausfallen. Pacht zahlt Schmidt dennoch. „Ein Angebot über eine Pachtminderung haben wir von Seiten der Verwaltung nicht erhalten. Stattdessen will man uns nun völlig überraschend kündigen“, sagt Schmidt.

Für Schmidt ist diese Entscheidung nicht nur ein Vertrauensbruch, sondern mit Blick auf das Veranstaltungsangebot der Residenz-Stadthalle auch völlig unverständlich. „Für viel Geld ist eine Potenzialanalyse über uns und die Stadthalle erstellt worden. Das Ergebnis: Wir leisten gute Arbeit und mit dem vorhandenen niedrigen Budget machen wir einen guten Job“, sagt Schmidt. Mit rund 150.000 Euro jährlich sei die Stadthalle im Vergleich zu benachbarten Stadthallen schließlich unterfinanziert, so der Pächter. So erhalte beispielsweise die Stadthalle Beverungen mit ihrem Betreiberverein ein Vielfaches an Zuschüssen, sagt Schmidt. Darüber hinaus habe sich die Stadt selbst als schwieriger Mietpartner erwiesen und beispielsweise die Rechnung für das Neujahrskonzert erst nach vielmaliger Mahnung überwiesen.

Eine weitere Folge der Neuausschreibung ist die sich daraus ergebende notwendige Kündigung der Pächterin des Stadthallen-Bistros, der Cosmo. Die Jungunternehmerin hatte das Lokal im vergangenen Jahr mit viel Enthusiasmus übernommen und ein neues Konzept erarbeitet. Auch sie konnte corona-bedingt bisher kaum wirtschaftlich erfolgreich arbeiten. Eine Chance, aus der Krise herauszukommen, würde ihr durch die Stadt genommen.

Für Kai-Daniel Schmidt ist klar, dass die überraschende Entscheidung zur Neuausschreibung im Zusammenhang mit der Landesgartenschau 2023 in Höxter steht. Nach den aktuellen Plänen soll die Stadthalle der offizielle Eingang zur LGS sowie das Gebäude neben der Stadthalle zum LGS-Büro werden. Würde sich niemand an der Neuausschreibung beteiligen beziehungsweise die Stadt niemandem den Zuschlag erteilen, könnte die Stadt die Vermarktung möglicherweise an die Landesgartenschau-Gesellschaft unter der Geschäftsführung von Baudezernentin Claudia Koch übergeben. „Dass dadurch Arbeitsplätze und Existenzen verloren gehen, scheint den Verantwortlichen egal“, sagt Schmidt.

Stadtverwaltung und Rat haben sich bisher zur Stadthallenverpachtung nicht öffentlich geäußert. Zur Stadthalle Höxter gehört auch das Bistro-Restaurant “Cosmo” mit Außengastronomie, das Schmidt verpachtet hat.

 

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