Historiker Professor Hans Georg Kirchhoff zu Besuch in Höxter-Godelheim
Auf den Spuren der Vorfahren

Höxter-Godelheim (WB). Der Historiker und Geschichtsprofessor Hans Georg Kirchhoff, hat anlässlich seines 90. Geburtstags Godelheim besucht, den Wohnort seiner Vorfahren. „Kirchhoff ist in Westfalen, was Schmitz im kölnischen Rheinland – überall anzutreffen“, schreibt der Historiker in seiner Autobiografie.

Dienstag, 16.06.2020, 09:00 Uhr
Die Familie des 90-jährigen Historikers Professor Dr. Hans Georg Kirchhoff besuchte Godelheim, den Herkunftsort ihrer Vorfahren. Auf dem Foto zu sehen (unten von links) die Söhne Stefan und Guido, Professor Dr. Hans Georg und Sohn Felix Kirchhoff sowie (oben) Herbert Kirchhoff (Godelheim) und Margret Golüke-Knuhr, Ortsheimatpflegerin Godelheim Foto: privat
Die Familie des 90-jährigen Historikers Professor Dr. Hans Georg Kirchhoff besuchte Godelheim, den Herkunftsort ihrer Vorfahren. Auf dem Foto zu sehen (unten von links) die Söhne Stefan und Guido, Professor Dr. Hans Georg und Sohn Felix Kirchhoff sowie (oben) Herbert Kirchhoff (Godelheim) und Margret Golüke-Knuhr, Ortsheimatpflegerin Godelheim Foto: privat

Der Name fülle in Dortmund eine halbe Telefonbuchseite und in Godelheim trage ihn das halbe Dorf. „Auch in den benachbarten Dörfern wie Amelunxen und Wehrden begegnet man dem Namen auf Schritt und Tritt.“ Er bedeute „Hof an der Kirche“ oder „Hof, der der Kirche gehört“, habe also nichts mit Kirchhof im Sinne von Friedhof zu tun. „Im Rheinland war und ist er ausgesprochen selten und das hat mich als Schüler manchmal bedrückt – er schien Fremdheit auszustrahlen“, schreibt der Professor in seinen Memoiren. Kirchhoff selbst ist im Rommerskirchen im Rhein-Kreis Neuss geboren worden.

Im Vorfeld seines Besuchs in Godelheim hatte sein jüngster Sohn der Ortsheimatpflegerin Margret Golüke-Knuhr eine Ahnentafel zukommen lassen. Conrad Brüseke und Anna Albers waren die beiden Namen an der Spitze dieser Familienaufstellung. Kirchhoff bat die Ortsheimatpflegerin zu ermitteln, welches das Haus der Vorfahren gewesen sei.

Ursprungshaus gefunden

„Zunächst war die Vermutung, dass das Haus an der Karlshafener Straße 8 (Herbert Kirchhoff) der Ursprung der Familie war“, berichte Golüke-Knuhr. Eine Vermutung, die sich allerdings als falsch herausstellte. Bei ihren Recherchen stieß die Ortsheimatpflegerin auf ein Dokument, das sämtliche Höfe rund um die Kirche beschreibt. Es ließ erkennen, dass der Hof Nummer 3 des Verzeichnisses um 1700 (Hof Nummer des Verzeichnisses von 1805) das Ursprungshaus war.

Conrad Brüseke, geboren am 5. Oktober 1721 in Godelheim, gestorben am 10. Dezember 1792, wurde am 4. Mai 1763 in Godelheim mit Anna Maria Albers (Zur Helle 15, heute „Helle-Bauer“) getraut. Aus der Ehe ging die Tochter Anna Brüseke hervor, die sich mit dem Schmied Johann Kirchhoff aus Wehrden vermählte. Der älteste Sohn des Paares, Johann Conrad Kirchhoff, wurde 1812 in Amelunxen geboren und zog in die Fremde, an die Ruhr, da der jüngere Bruder traditionell den Hof erbte. Er wurde Bergmann, damals ein gefährlicher, aber auch gut bezahlter Beruf. Johann Conrad heiratete eine Bergmannstochter, Theresia Heinrichsbauer, die Urgroßmutter von Hans Georg Kirchhoff. Deren Sohn, Johann Kirchhoff (Obersteiger), starb im Jahr 1930, in dem Jahr als Hans Georg Kirchhoff geboren wurde, so dass dieser seinen Großvater nie kennengelernt hat. Johann Kirchhoff hatte drei Kinder: Anna, Maria und Emil. Emil, der Vater von Hans Georg Kirchhoff, wurde Bürgermeister von Zons, später von Rommerskirchen bei Köln und starb im Jahr 1977.

Das Leben des Professors

Der Jubilar Hans Georg Kirchhoff blickt auf ein langes, bewegtes Leben zurück mit vielen spannenden Eindrücken und Begegnungen. Er ist Autor von zahlreichen Büchern, Schriften und Veröffentlichungen. Dazu zählen diverse Veröffentlichungen über den Nationalsozialismus, Frauen in der NS-Zeit. „Gewalt und Krieg, Extremismus und Terror“, aber auch „Regionalgeschichte als Heimatgeschichte“, sowie „Neue Lehrerausbildung“, „Neue Formen historischen Lernens und ihre Probleme für Unterricht und Schule“, lauten die Titel einiger Werke. Der Band „Aus Mittelalter und Neuzeit“ (1995) erschien anlässlich seines 65. Geburtstages im Jahr 1995. 2006 erschien die Reihe: „Beiträge zur Geschichte der Stadt Grevenbroich“, die er mit dem Archäologen Jost Auler zusammen verfasste.

Hans Georg Kirchhoff war von 1957 bis 1969 Mitglied des Kreistages Grevenbroich, später von 1966 1995 Professor an der Pädagogischen Hochschule Ruhr und dann an der Universität Dortmund. Sein Forschungsschwerpunkt war die Landesgeschichte. Von 1986 bis 1988 war er Senator der Universität. 1995 erfolgte die Emeritierung.

Führung durch den Ort

„Leider ist Herr Hans Georg Kirchhoff alters- und krankheitsbedingt inzwischen sehr geschwächt“, berichtet Margret Golüke-Knuhr. Dennoch habe er die Reise ins „Land seiner Vorfahren“ auf sich genommen, um die Geburtsstätte seiner Vorfahren im Weserbergland aufzusuchen. Eine Besichtigung der Kirche in Godelheim und der Fachwerkhäuser (alte Meyer-Höfe aus den Jahren 1750 bis 1840) rings um die Kirche standen ebenfalls auf dem Tages-Programm. Besonders freute ihn und seine Familie, dass man das Haus seiner Vorfahren (In der Helle 15) noch in Augenschein nehmen konnte. Am Ende des Rundgangs überreichte die Ortsheimatpflegerin die Chronik von Godelheim als kleines Gastgeschenk.

Corona-bedingt teilten sich die Familienangehörigen in kleine Gruppen und unternahm kurze Wanderungen auch außerhalb des Ortes nach Maygadessen, zum Wassertretbecken und zum Kräutergarten. Mittagessen gab es passenderweise im Gasthof Kirchhoff. Die Familien aus Dortmund versprachen, nicht das letzte Mal zu Besuch gewesen zu sein.

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