Rücktritt vom Verzicht auf dritte Bürgermeister-Kandidatur: Stimmen der Kandidaten aus Höxter
Fischer will wieder antreten

Höxter (WB). „Ich möchte ihnen heute und jetzt mitteilen, ja, ich trete wieder an. Ja, ich möchte auch in den nächsten fünf Jahren wieder Bürgermeister von Höxter sein.“ Staatsmännisch hat der amtierende Bürgermeister Alexander Fischer (SPD) am Freitagnachmittag im Hotel „Stadt Höxter“ seine erneute Kandidatur für das höchste Amt der Kreisstadt bekanntgegeben. Seit Wochen war über diesen Schritt spekuliert worden.

Samstag, 27.06.2020, 12:45 Uhr aktualisiert: 27.06.2020, 12:50 Uhr
Vor dem Historischen Rathaus präsentieren sich Bürgermeister Alexander Fischer und seine Ehefrau Saskia Fischer-Lensen. Der 56-Jährige will in seine dritte Amtszeit gehen und sieht im Bonus des Amtsinhabers einen Vorteil für die Wahl. Foto: Jürgen Drüke
Vor dem Historischen Rathaus präsentieren sich Bürgermeister Alexander Fischer und seine Ehefrau Saskia Fischer-Lensen. Der 56-Jährige will in seine dritte Amtszeit gehen und sieht im Bonus des Amtsinhabers einen Vorteil für die Wahl. Foto: Jürgen Drüke

Der 56-Jährige Amtsinhaber nahm damit seine öffentliche Erklärung vom Februar 2019 zurück und strebt doch eine dritte Amtszeit an. „Dabei geht es nicht um mich, sondern um die Bürger Höxters und diese Stadt“, sagte Fischer. „Denn ich liebe diese Stadt mit ihren Menschen, und ich liebe meine Arbeit. Ich spüre bei den Bürgerinnen und Bürgern sehr viel Rückhalt.“ Viele Menschen hätten ihn ermuntert, sich wieder zur Wahl zu stellen. Mit diesen Worten ging der Bürgermeister, der in Höxter im elften Jahr regiert, auf seine Erklärung aus dem Februar 2019 ein, nicht wieder für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Nun sei er verstärkt, gerade in der Corona-Krise, angesprochen worden, sich doch wieder zur Wahl zu stellen. „Vor anderthalb Jahren hatten sich CDU und SPD im Hinblick auf die Kommunalwahl im September 2020 für einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten ausgesprochen. Der konnte ich nicht sein“, begründete der Bürgermeisterkandidat im Rückblick seine vor anderthalb Jahren getroffene Entscheidung.

„Mit Leib und Seele“

An der Seite des Stadtoberhaupts saß seine Ehefrau Saskia Fischer-Lensen. „Mein Ehemann ist mit Leib und Seele Bürgermeister von Höxter. Er macht einen tollen Job. Gerade jetzt in der Corona-Krise ist er für alle Belange der Bürgerinnen und Bürger da“, stellte die Niederländerin ­heraus.

Fischer ließ seine fast elfjährige Amtszeit in einer Bewerbungsrede vor den Medien Revue passieren und blickte nach vorne. „Viele Projekte wurden in meiner Amtszeit umgesetzt und gleichzeitig sind viele zukunftsweisende Maßnahme in Gang gesetzt worden, mit deren Umsetzung wir begonnen haben. Diese möchte ich gerne zu Ende führen.“ Dabei betonte das Stadtoberhaupt, dass die weitere Realisierung der Projekte durch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Corona-Krise jetzt nur noch unter erschwerten Rahmenbedingungen möglich sei. „Wir können und werden das alle gemeinsam packen“, kam im Bürgermeisterkandidaten Fischer der Wahlkämpfer zum Vorschein. Mit den fünf weiteren Bewerbern, die sich ebenfalls um das höchste Amt bemühen, werde er fair umgehen. Jeder der Kandidaten habe Qualitäten. Der SPD, die ihn in den vorhergehenden beiden Wahlkämpfen als ihren Kandidaten präsentiert hat, werde er weiter die Treue halten: „Ich habe kein Problem damit, dass die SPD Daniel Hartmann unterstützt.“

„Entschlossenheit und Schaffensdrang“

Der Amtsinhaber deklinierte die in Höxter aufgrund der „guten Kommunalpolitik“ erreichten Erfolge in den vergangenen Jahren und benannte die Herausforderungen. Seine Entschlossenheit und sein Schaffensdrang würden auch aus dem Erfolgsjahr 2019 resultieren. Millionen-Projekte vom Medien-Entwicklungskonzept über die Sanierung und den Neubau der Bäder bis hin zur Landesgartenschau laufen auf Hochtouren. „Die Festigung und Förderung des Wirtschaftsstandorts Höxter, insbesondere aufgrund der Auswirkungen der Corona-Krise, ein Klimakonzept, die Stärkung der Familien sowie die Förderung des Tourismus seien wichtige Aufgaben. Sein Ziel sei es, Höxter und die Ortschaften noch attraktiver zu machen

„Insbesondere die von mir angeregte Landesgartenschau mit ihrem großen Potential für Höxter muss weiterhin hohe Priorität genießen.“ Eine erfolgreiche Landesgartenschau bedeute Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit. „Für mich wäre es nicht nur eine Ehre, sondern auch eine Freude, auch die nächsten fünf Jahre das Amt des Bürgermeisters ausüben zu dürfen.“

Stimmen zur Fischer-Kandidatur

Hans-Josef Held, SPD-Stadtverbandsvorsitzender: „Die SPD hat mit Daniel Hartmann einen Kandidaten, den sie unterstützt. Fischer hatte im Februar 2019 öffentlich erklärt, er stehe nicht mehr zur Verfügung und suche beruflich neue Herausforderungen. Dann hat sich die SPD auf die Suche nach einem Kandidaten gemacht und mit Daniel Hartmann einen gefunden. Der Stadtverbandsvorstand sowie die SPD-Ortsvorstände, gut 30 Leute, haben sich einstimmig hinter Hartmann gestellt.“

Hermann Loges, BfH-Vorsitzender: „Was soll man da zu sagen. Ich bin nicht überrascht. Wer keine Alternative hat, der muss die Karte spielen, die ihm verbleibt. Für Höxter ist ein Wechsel im Bürgermeisteramt nach fast elf Jahren Fischer sehr wichtig und nötig. Ich wundere mich schon, was er alles zu seinen Erfolgen zählt. Er wollte doch beruflich neue Herausforderungen suchen.“

Daniel Razat, unabhängiger von der CDU unterstützter Bürgermeisterkandidat: „Höxter braucht den Wechsel im Bürgermeisteramt. Ich habe mit meinen Unterstützern das Konzept 2030 für die nächsten zehn Jahre ausgearbeitet und konzentriere mich jetzt darauf, die Inhalte einer neuen Ausrichtung zu erläutern und die Menschen und ihre Themen vor Ort kennenzulernen. Ich gehe gelassen in den Wahlkampf.“

Falk Wennemann (unabhängiger Bürgermeisterkandidat): „Das war zu erwarten. Im Wahlkampf muss er jetzt zu all den Dingen stehen, die in Höxter seit Jahren nicht gelaufen sind. Die Bürger haben das Angebot: Wechsel oder Weiter so. Für Veränderungen gibt es jetzt genügend Angebote. Die Bürger wissen, dass Höxter eine kompetente neue Führung benötigt.“

Daniel Hartmann (von der SPD unterstützter Bürgermeisterkandidat): „Ich bleibe da gelassen. Ich freue mich darauf, dass die Wähler so eine große Auswahl haben. Die SPD unterstützt mich, sie schwankt auch nicht wegen der Fischer-Kandidatur.“

Ralf Dohmann, BfH-Bürgermeisterkandidat : „Erst sagt er die Kandidatur 2019 ab, jetzt tritt er wieder an. Ich bin gespannt, wie die Bürger das bewerten. Man fragt sich, was Fischer auf der Habenseite einbringt. Demokratie lebt vom Wechsel.“

 

Kommentar

Ein Paukenschlag mit Beginn der Sommerferien war das am Freitag nicht mehr: Alexander Fischer (SPD) will wieder Bürgermeister von Höxter werden und strebt seine dritte Amtszeit an. Dieser Schritt des Stadtoberhaupts wurde von heimischen Politikern schon lange erwartet und von seinen Gegnern befürchtet.

Der 56-jährige Alexander Fischer wirft seinen Hut in den Ring und setzt dabei nicht nur auf den Bonus des Amtsinhabers. Der Jurist verweist auf die Erfolge der vergangenen Jahre, auf Projekte die es noch zu verwirklichen gilt.

Der Wahlkampf hat in der Kreisstadt eine neue Dimension erreicht. Der erste Bürger setzt, wie in seinen ersten beiden Wahlkämpfen, auf die Bürger. In Höxter scheiden sich anders als 2009 und 2014 an der Person Fischer jetzt aber extrem die Geister. Fischer hat 2009 überraschend gegen den jetzigen Kreisdirektor Klaus Schumacher und 2014 gegen den früheren Innenminister Niedersachsens, Uwe Schünemann, die Bürgermeisterwahlen gewonnen. Dieses Jahr werden die Karten aber völlig neu gemischt. Es wird ein harter Wahlkampf, das muss Fischer wissen. Zudem muss sich das amtierende Stadtoberhaupt und Wieder-Kandidat spätestens jetzt damit beschäftigen, dass er dem Amt des ersten Bürgers bereits im Februar 2019 eine Absage erteilt hat. Fischer wird nach dem Rücktritt vom Rücktritt auf seine Glaubwürdigkeit überprüft. Es wird spannend, wie die Bürger das bewerten. Jürgen Drüke

 

 

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