„Via Nova“ in Corvey: Hochkarätiges Programm unter dem Leitwort „Wild. Wald. Welt“
Kunstfest mit Starbesetzung

Höxter (WB/sos). Das Thema „Wild. Wald. Welt“ steht in der Zeit vom 4. September bis 4. Oktober im Mittelpunkt des dritten Kunstfestes „Via Nova“ auf Schloss Corvey. An drei Wochenenden sind Schauspieler, Autoren, Musiker und Wissenschaftler zu Gast, unter ihnen Klaus Maria Brandauer, Angela Winkler, Johanna Wokalek, Durs Grünbein, Wolfgang Welsch, Albrecht Mayer und das für seinen unverwechselbaren Klang bekannte Tiroler Kammerensemble „Franui“.

Mittwoch, 01.07.2020, 09:00 Uhr
Der Wald steht im Mittelpunkt des Kunstfestes. Literarische, musikalische und philosophische Erkundungen führen an drei Wochenenden durch heimische Wald- und somit Geisteslandschaften, aber auch weit hinaus in entfernte Baumlandschaften. Foto: Sabine Robrecht.
Der Wald steht im Mittelpunkt des Kunstfestes. Literarische, musikalische und philosophische Erkundungen führen an drei Wochenenden durch heimische Wald- und somit Geisteslandschaften, aber auch weit hinaus in entfernte Baumlandschaften. Foto: Sabine Robrecht

In der besonderen Atmosphäre des Schlosses erwartet die Zuschauer ein reichhaltiges Programm mit inszenierten Lesungen, Konzerten, Gesprächen, Puppenspiel, Tanzaufführung, Exkursionen und einer von Studierenden der Technischen Hochschule OWL mitgestalteten Ausstellung.

„Annalen“ des Tacitus

Für das Kunstfest wird jährlich ein Thema gewählt, das unmittelbar mit der besonderen UNESCOWelterbestätte Corvey verbunden ist. Dr. Brigitte Labs-Ehlert, künstlerische Leiterin, möchte mit der zunächst auf fünf Jahre konzipierten Serie von Kunstfesten die lang gehüteten Schätze der Bibliothek von Kloster Corvey heben und für die Gegenwart lesbar machen. Dem Motto „Wild. Wald. Welt“ liegen die „Annalen“ des Tacitus zugrunde, vervielfältigt im Corveyer Skriptorium. Für die italienischen Humanisten wurde diese Handschrift so wertvoll, dass man sie entwendete und nach Rom brachte, wo sie in den Besitz von Giovanni de’ Medici, dem späteren Papst Leo X, gelangte.

In seinen „Annalen“ berichtet der Geschichtsschreiber vom Niedergang des römischen Principats und Untergang der römischen Legionen im endlosen Waldmassiv des Teutoburger Waldes. Für Tacitus besaßen die Germanen im dichten Baumgrün einen Verbündeten, dieser Gedanke mündete später in eine fatale politische Ideengeschichte der Deutschen.

Assoziationsraum

Das Kunstfest eröffnet einen vielstimmigen Assoziationsraum zu Wald und Wildnis, Natur und Kultur. Mit unserer menschlichen Entwicklung wandelte sich auch unser Bild vom Wald. Er war im Mittelalter Schutzraum für Ausgestoßene und Verfolgte, mythenbeladene Wildnis bei den Brüdern Grimm, war Sehnsuchtsort der Romantik und wurde im Dritten Reich für Propaganda instrumentalisiert. Heute wird er zum Erinnerungsort an eine archaische Welt stilisiert, in der der Zauber der Landschaft an viele Kindheitserfahrungen geknüpft ist.

Ökologische Schäden

„Wir meinen jedoch nicht nur diese verschwindenden Erinnerungsräume, wenn wir vom sterbenden Wald sprechen“, sagt Dr. Brigitte Labs-Ehlert. „Vor allem beunruhigen uns die immer deutlicher werdenden realen ökologischen Schäden, ein Ergebnis wachstums- und gewinnorientierter Lebensweise.“ Immer wieder entzündet sich am Wald die Frage, wo die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation verläuft oder ob nicht doch Mensch, Natur und Welt eins sind.

Literarische, musikalische und philosophische Erkundungen führen in der Zeit vom 4. September bis 4. Oktober an drei Wochenenden durch heimische Wald- und somit Geisteslandschaften, weiter über Wälder in Litauen, Griechenland und Rußland bis hin zu den entfernten Baumlandschaften Amerikas und Afrikas. Texte der Antike treffen auf Klassiker der Weltliteratur aus dem frühen Mittelalter, auf Erzählungen von Literaturnobelpreisträgern und prägende Gedichte und Romane der Gegenwart. Gespräche zwischen Philosophen und Biologen werden Grundfragen menschlicher Existenz erörtern.

Musik bildet große Klammer

Die Musik bildet eine große Klammer mit Schwerpunkt Romantik und mit Ausflügen zu Alter Musik, unkonventionellen traditionellen Gesängen und Improvisationen. Zum ersten Mal tritt eine Ballettkompanie mit Waldstücken auf. Eine vielgestaltige Ausstellung zu Wald, Wild und Welt ist während des gesamten Kunstfestes zu sehen.

Programmübersicht

Freitag, 4. September: 17 Uhr Lesungen: Dominique Horwitz „Friede den teutonischen Urwäldern“ (Tacitus, Heinrich Heine, Heiner Müller), Durs Grünbein: Germanischer Komplex, Gedichte und Szenen; Ausstellungseröffnung „Waldszenen. Faust Sonnengesang. Wenn Rinden sprechen.“, Studierende der TH OWL Medienproduktion, Werner Fritsch, Amazonas-Indianer; 20 Uhr Konzert Andrè Schuen, Bariton, Daniel Heide, Klavier: Gustav Mahler/ Franz Schubert.

Samstag, 5. September: 10.30 Uhr Exkursion in den Corveyer Forst; 16 Uhr Lesung, Vortrag und Gespräch, Konzert Hanns Zischler: Henry D. Thoreau, Lob der Wildnis; Hansjörg Küster und Jürgen Goldstein: Mythos deutscher Wald; Mari Kalkun, Gesang: Kantele Ilmamõtsan – Der Wald der Welt; 20 Uhr Konzert und Puppenspiel, Musicbanda Franui und Nikolaus Habjan, „Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“, Musik nach Schubert, Schumann, Brahms, Mahler, Texte von Robert Walser und Jürg Amann.

Sonntag, 6. September: 11 Uhr Lesung mit Musik, Christian Berkel: Ivan Turgenev, „Aufzeichnungen eines Jägers“, Jean Rondeau, Cembalo: J. S. Bach / D. Scarlatti.

Freitag, 18. September: 20 Uhr Lesung mit Musik, Matthias Brandt: Czesław Miłosz, „Das Tal der Issa“, Simone Rubino, Perkussion: Tan Dun / Lamberto Curtoni.

Samstag, 19. September: 9.30 Uhr Exkursion (Hutewald im Solling) mit Professor Bernd Gerken; 16 Uhr Lesung, Gespräch, Konzert, Sebastian Rudolph: Gary Snyder, „Lektionen der Wildnis“, Daniela Danz und Tanja Busse: Wildniß, Gedichte, Nynke Laverman, Gesang, Sytze Pruiksma, Piano: Plant; 20 Uhr Lesung mit Musik, Johanna Wokalek: Hélène Grimaud, „Das Lied der Natur“, Axel Milberg: Sjøn, „Der Schattenfuchs“, Fabian Müller, Klavier: Johannes Brahms/Maurice Ravel.

Sonntag, 20. September : 11 Uhr Neu gelesen, Klaus Maria Brandauer: William Faulkner, „Der Bär“.

Freitag, 2. Oktober: 20 Uhr Tanzaufführung Bayerisches Junior Ballett München : Im Wald / Tanzende Faune / Les Eléments / Stimmenstrahl Trio.

Samstag, 3. Oktober: 10.30 Uhr Exkursion, Lesung und Konzert (St. Michaelskapelle auf dem Heiligenberg bei Ovenhausen), Zora del Buono: „Das Leben der Mächtigen“, Zsófia Boros, Gitarre; 16 Uhr Vortrag und Gespräch, Lesung, Konzert, Wolfgang Welsch und Andreas Weber: „Natur ist ein Mißverständnis“, Tadeusz Dąbrowski und Renate Schmidgall: „Die Bäume spielen Wald“, Viviane Chassot, Akkordeon, und Martin Mallaun, Zither: György Ligeti / John Dowland / François Couperin / Astor Piazzolla; 20 Uhr Lesung mit Musik, Corinna Kirchhoff und Angela Winkler: Béroul, „Tristan und Isolde“, Anja Lechner, Cello, und François Couturier, Klavier: Gratitude.

Sonntag, 4. Oktober: 11 Uhr Lesung mit Musik, Jens Harzer und Marina Galic: „Der wilde Forst, der tiefe Wald“ (Elias Canetti / Brüder Grimm / Maria Stefanopoulou), Albrecht Mayer, Oboe.

Karten

Karten für die Veranstaltungen des Kunstfestes können über die Homepage www.schloss-corvey.de (mit Link zu den Bestellformularen), per E-Mail vianova@corvey.de oder unter Telefon 05231/ 57 01 50 vorbestellt werden.

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